2027. Der junge Amerikaner Brian Malouff, hat libanesische Wurzeln und wird durch Zufall Zeuge eines Attentats auf einen plötzlich auftauchenden, wundersamen Riesen. Dieser Riese, der sich selbst als Prophet betitelt und die Nachricht eines Schöpfers verkünden möchte, wird mitten auf dem Markplatz von Jerusalem vor jeder Menge Zeugen umgebracht. Was folgt ist eine Flut aus Blut, die nicht nur die Flüsse über die Ufer treten lässt, sondern droht, die ganze Welt unter sich zu begraben. Sofort steht die Welt Kopf und versinkt in gegenseitigen Schuldzuweisungen, deren vorrangiges Ziel die Auslöschung der jeweils anderen Religion und ihren Anhängern ist. Dies soll den Schöpfer gnädig stimmen. Inmitten des entstehenden Chaos begegnen sich Brian und die muslimische Khayra, werden aber fast sofort wieder auseinander gerissen. Während Brian sich noch zu orientieren versucht versinkt die Welt um ihn herum in Blut und Schuld.
Eine Thematik, die so uralt ist und trotzdem aktueller nicht sein könnte.
Der rote Ozean" zeigt ziemlich unverblümt und brutal, wie einfach es wäre, aus einer nicht bestätigten Kleinigkeit einen globalen Glaubenskrieg, samt Weltuntergangsszenario zu entfachen. Rache und Hass, aber auch Gruppenzwang und die Unfähigkeit zum Einlenken, werden dem Leser hier auf eindrucksvolle Weise nahe gebracht. Hoffnungen und Alternativen scheinen wie von der Blutflut einfach hinweg getragen.
Sprachlich sehr einfach aber durchaus passend gehalten, regte mich das Buch immer wieder zum Nachdenken an. Gerade über die Dummheit der Menschen, welche wie in einem Sog der jeweiligen Propaganda verfallen, konnte ich immer wieder den Kopf schütteln - gerade da ich es mir genau so vorstellen könnte, wie vom Autor beschrieben. Was natürlich sehr traurig und bedrückend war. Aber es sollte wohl auch kein lustiges, unterhaltsames Buch für zwischendurch sein, sondern viel mehr zum Aufhorchen und Nachdenken anregen. Dies ist dem Autor durchaus wunderbar gelungen.
Selbst die fragile Thematik des Glaubenskrieg zwischen Christen und Moslems, verstand Marcel René Klappschus vortrefflich als Hauptthema zu verwenden, ohne ein religiöses Werk mit Wertung zu kreieren. Hier wurden meine anfänglichen Bedenken gleich zerstreut. Dass er dabei nach japanischer Manier spontane Fantasy-Elemente mit einfließen lässt, nimmt der dramatischen Handlung ein wenig die allzu realistische Schärfe. Durch einen Zufall habe ich dieses Buch gelesen und es keinesfalls bereut. Ein Endzeit-Roman, den ich nur empfehlen kann.
Dieses Buch ist ein wenig anders als andere und es darf wohl auch viel zwischen den Zeilen gelesen werden.