Gabriella Wollenhaupts16. Episode der Grappa"-Krimis zeichnet sich - wie die Vorläufer - durch durchdachten - oft auch makabren Witz - aus, unterschwelliger Feminismus und überragende und theatralische Erzählkunst aus. Die Figur der Maria Grappa ist der Frau von Heute auf den Laib geschrieben und in sich stimmig geschildert und mit Sicherheit auch nach 15 Vorgängern noch nicht in die Jahre gekommen.. Man lernt eine moderne Frau kennen, die nach ihren eigenen Wertvorstellungen lebt und diese auch gegenüber der Umwelt konsequent umsetzt. Daß sie dabei auch auf die Nase fallen kann, nimmt sie gerne in Kauf und rundet das Gesamtbild ab. Dieser Krimi/Roman ist meiner Meinung nach der Beste Grappa-Band und spiegelt auch die Weiterentwicklung der Autorin wieder. Besonders bemerkenswert für alle nicht Grappa-Kenner ist immer wieder die Natürlichkeit mit der die Autorin das Verhältnis Mann/Frau betrachtet. Wollenhaupt ist offensichtlich der Meinung, dass Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern nicht zur Diskussion stehen kann, da selbstverständlich, obwohl Grappa bei Macho-Typen eindeutig schwächelt - was wiederum auch nur weiblich ist.
Im aktuellen Fall hält es Maria Grappa trotz noch nicht überstandener Verletzung aus dem letzten Fall mal wieder nicht im Bett. Zu groß ist die Versuchung die" Schlagzeile auf Seite 1 des Bierstädter Tagesblatt zu landen. Wann liegt schon mal die vergewaltigte Tochter des Vereinspräsidenten im gleichen Krankenzimmer?? Wenn diese dann auch noch ein Verhältnis mit dem entführten Superstar der Schwarz-Gelben hatte, ist die Story doch perfekt.
Als sich die Ereignisse überschlagen und ein abgetrennter Fuß in roten Damenpumps auf Grappas Schreibtisch landet, ein Superbulle aus Amerika auftaucht und auch noch die Leiche von Superstar Tonhino gefunden wird, scheint die Story perfekt zu sein. Wenn sich nur die Suche nach dem Mörder effektiver und mit Ergebnissen zu Ende führen ließe. Selbst unter Einsatz Ihrer Karriere können Kommissarin Beate Schlicht und Grappa das Präsidententöchterchen zu keiner Aussage bzw. Mithilfe bewegen. Diese hatte die Flucht vorgezogen. Wer führt hier nun wen an der Nase herum?? Grappa wäre jedoch nicht Grappa, wenn Sie auf Ihre Weise den Fall nicht wie immer brilliant lösen würde - auch wenn die Lösung mehr als überraschend ist.