Aus der Amazon.de-Redaktion
Paris im Mai 1968: Arbeiter, Studenten und Schüler gehen auf die Straße, um gegen die Regierung De Gaulle zu protestieren, gegen die unheimliche Kontinuität rechter Politik, die Frankreich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges bestimmt. Mittendrin ist der 20-jährige Freddy, der die Schule abbrechen musste, um zusammen mit seinem Vater die Familie zu ernähren. Seine Vorstellung von gesellschaftlichen Veränderungen geht weit über die der theorieverliebten Studenten hinaus, die sich in marxistischen Splittergrüppchen verzetteln und darüber das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren: die Revolution, einen grundlegenden Umsturz der sozialen Verhältnisse.
Allzu bald muss Freddy jedoch einsehen, dass die Entscheidungen nicht auf der Straße gefällt werden, sondern in Verhandlungen mit den so genannten Staatsvertretern. Und die werden von kompromissbereiten Karrierepolitikern und Gewerkschaftern geführt, von denen sich keiner um die Interessen der kleinen Leute schert. Während um ihn herum alles wieder zum schlimmen Alltag übergeht, gerät Freddy in eine tödliche Intrige hinein: Gemeinsam mit seinem besten Freund wird er Zeuge der illegalen Aktion eines Kommissars. Sie müssen damit rechnen, dass ihnen ein Mord in die Schuhe geschoben werden soll und stehen nun vor der Entscheidung, Paris so schnell wie möglich zu verlassen. Und da lernt Freddy die Liebe seines Lebens kennen.
Rote Frauen werden immer schöner war ein Slogan der 68er-Bewegung, der einen Zusammenhang zwischen weiblicher Ausstrahlung und dem richtigen politischen Bewusstsein herstellt. Frédéric H. Fajardie, neben Jean-Patrick Manchette und Jean-François Vilar einer der großen Erneuerer des französischen Kriminalromans, entwirft ein ebenso romantisches wie kompromissloses Bild jener Zeit, in der einschneidende gesellschaftliche Veränderungen in greifbare Nähe gerückt schienen. Indem er seinen Helden die Ereignisse zwei Jahrzehnte später Revue passieren lässt, gelingt es Fajardie, seinen Krimi als Roman Noir auf höchstem Reflexionsniveau zu erzählen. Freddys Geschichte ist anrührend, mitreißend und auch in stilistischer Hinsicht völlig überzeugend, was wir nicht zuletzt der engagierten Übersetzung verdanken. Der beeindruckende Auftakt einer neuen Krimireihe mit Anspruch! --Hannes Riffel