Kurz nach der Revolution von 1830, dem Moment des endgültigen Machtantritts des Bürgertums erscheint ein Roman, der als erster den Gattungstyp des realistischen Romans darstellt. Es handelt sich um Stendhals (1783-1842) "Le rouge et le noir". Bereits mit seinem im Herbst 1827 veröffentlichten Werk "Armance ou quelques scènes d'un salon de Paris", ein aktueller Gesellschaftsroman, der den Leidensweg und das Scheitern des jungen Außenseiters Octave de Malivert schildert, hatte der Autor die Richtung angedeutet, in die er gehen wird; doch erst mit "Le rouge et le noir" wird deutlich, daß der Gattungsbegriff "Roman" eine Wandlung vollzogen hat und nichts mehr mit dem Märchenhaften, Phantastischen zu tun hat. Der Roman erzählt die Lebensgeschichte des jungen, mittellosen Julien Sorel, der von Ruhm und gesellschaftlichem Aufstieg träumt und seine gesamten Ambitionen hierfür einsetzt. Der Protagonist durchstreift während seiner Karriere sämtliche gesellschaftliche Schichten, deren Schwächen von Stendhal beleuchtet werden. Am Ende scheitert Julien Sorel; er hat erkannt, daß sich seine Karriere nicht mit seinen Leidenschaften vereinbaren lässt, und daß er seine Identität nur noch im Tod bewahren kann. Das Bedürfnis nach Glück einerseits und Karrierebewußtsein andererseits lassen sich zur individuellen Selbstverwirklichung nicht miteinander vereinbaren. Trauriger und pessimistischer Schluß, der zum Nachdenken anregt. Hervorragend geschrieben. Der Roman spiegelt die Epoche seiner Zeit (Restauration) gut wider.(Man beachte den Untertitel: "Chronique de 1830"). Absolut empfehlenswert und für Begeisterte der französischen Literatur ein "Muß".