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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Absolut beste zur Zeit greifbare Übersetzung!,
Rezension bezieht sich auf: Rot und Schwarz: Chronik aus dem 19. Jahrhundert (Gebundene Ausgabe)
Diese Neuübersetzung von "Le Rouge et le noir" von Elisabeth Edldarf man getrost als vortrefflich und vorlagengenau bezeichnen. Genauigkeit zeichnen auch die biographischen Anmerkungen der Übersetzerin aus. Der Wissbegierige erfährt unter anderem auch, warum man Stendhals Schreibstil weder mit Balzac oder Flaubert oder Proust vergleichen kann. Der Untertitel "Chronik aus dem 19. Jahrhundert" verweist auf den Umstand, dass der Roman zu Stendhals Lebzeiten spielt. Hier werden Sitte und Lebensgefühl dieser Zeitzeugenschaft authentisch vermittelt. Andreas Isenschmid weiss gar nicht, was er versäumt, wenn er in dieser gelungenen Ausgabe bloss stichprobenweise herumschmökert. Wenn man einen grossen Autor nicht im Original lesen kann oder will, dann soll man wenigstens zur sorgfältigsten Übersetzung greifen, die in deutscher Sprache zu haben ist. Hier ist sie. Die Suche nach Vergleichbarem wäre reine Zeitverschwendung! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Buch über Liebe und Tod!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Rot und Schwarz: Chronik aus dem 19. Jahrhundert Roman (Taschenbuch)
Ich gebe zu: Etikette wie "psychologisches Meisterwerk" und eine lange Liste von Lobpreisungen beginnend bei Goethe und wer weiß wo endend können falsche Erwartungen wecken, und dennoch: Hier handelt es sich um einen der Spitzenromane des 19. Jahrhunderts.Dies zeigt sich schon an der überzeitlichen Themenstellung: der gehemmten Entfaltung des Individuums in einer ihn erdrückenden Gesellschaft. Julien Sorel passt nicht in die Zeit der Restauration der 1830er. Mit der Gier nach Geld und politischer Macht, die das Denken in seinem nur scheinbar idyllischen Heimatort regiert, kann er nichts anfangen: Seine Vorbilder liegen in der Vergangenheit, wie die Lektüre der Memoiren Napoleons auf St. Helena zeigt. So strebt er nach heroischer Größe, erorbert Frauen nach ausgeklügelten Schlachtplänen, verfällt ihnen danach aber - überaus sympathisch übrigens - umso bedingungsloser. Stets aber scheitert er an den kleingewirkten Funktionären des Systems. Trotz überragender intellektueller Fähigkeiten schafft er es nicht den Abgrund zwischen seiner niedrigen Abstammung und einem anerkannten Platz in der Gesellschaft zu finden. Er wird - so empfindet er es nicht ohne Grund - für diese Abstammung am Ende sogar zum Tode verurteilt. Bei der Darstellung der Liebe Sorels zu Mme. Renal und vor allem zu Mathilde de la Mole gelingen Stendhal tatsächlich psychologische Meisterstücke. Präziser und plastischer hat keiner das abstoßende Gefühl des Triumphs über den anderen Liebespartner beschrieben, der vermeintlich dem eigenen Ego verfallen ist; humorvoller aber auch nicht den Fall des Überheblichen, der unter der nachfolgenden Abkehr des Liebespartners wie ein Hund leidet. Gerade den widersprüchlichen und dafür umso reizvolleren Charakter von Mathilde de la Mole, die zwischen den Dünkeln der Standesgesellschaft, heroischer Romantik und Erotik schwankt, kostet Stendhals bis ins Detail aus. Hier schmelzen die Seiten des Buches unter der Hand des Lesers dahin, weil Menschen über alle Zeit in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit wahrhaftig geschildert werden. Drittens zeigt sich Stendhal wie in der Karthause von Parma als ein intimer Kenner der Mechanismen politischer Macht. Dies beginnt schon bei der Schilderung der Umstände im Priesterseminar, wo es nur scheinbar um das Erlernen von Wissensinhalten, tatsächlich aber um die Einübung von Unterwerfungsgesten gegenüber dem klerikalen Machtansprüchen geht. Der Naivling Sorel muss deshalb mit seinen überlegenen intellektuellen Fähigkeiten scheitern, weil er zu spät erkennt, dass es nicht um die brillante Beherrschung der lateinischen Sprache oder kirchlichen Dogmatik geht, sondern vor um Selbstverleugnung, Heuchelei und Unterwerfungsgesten: Ein schönes Spiegelbild zahlreicher Machtapparate bis zum heutigen Tage. Der Roman belohnt den Leser schließlich mit einer Vielzahl unvergesslicher dichter Szenen, etwa wenn der hohl-pompöse Bürgermeister Renal der Abendsoiree in seinem Garten langweilige Ausführungen über seine politischen Visionen macht, Sorel aber im Dunkeln die Hand von Renals Gattin hält und sich beide über einen Händedruck vielmehr als durch Worte sagen. Die vorliegende Übersetzung kommt dem Original, das ich gut kenne, bisher am nächsten, da sie die Sprache von allen Künstlichkeiten und vermeintlichen Reminiszenzen an den Stil des 19. Jahrhunderts entschlackt. Das Lakonische und Pointierte von Stendhals Stil kommt deshalb in bemerkenswerter Weise auf den Punkt. Sicher muss jeder über das Werk selbst urteilen können: Aber lassen Sie sich durch die auf dieser Seite geäußerte Kritik nicht von einem eigenen Versuch abhalten! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Einzigartig,
Rezension bezieht sich auf: Rot und Schwarz: Chronik aus dem 19. Jahrhundert Roman (Taschenbuch)
Stendhal hat die sein Publikum schon immer in Verächter und Bewunderer gespalten. Sicher gibt es viel, was man gegen seine Figuren und seinen Stil einwenden kann. Doch was ihm seinen Platz in der Weltliteratur sichert, ist seine Unverwechselbarkeit. Die Charaktere und Situationen des Stendhalschen Kosmos sind völlig einzigartig in der Literaturgeschichte und, natürlich, wesentlich autobiographisch geprägt.Das mit Abstand faszinierenste an diesem Buch ist für mich die Beziehung zwischen Julien und Mathilde, die irgendwie seltsam ist, doch gerade deswegen ungeheuer interessant und originell. Denn diese Liebe hat nichts mit Verliebtheit und sexuellem Begehren zu tun, meine stille Vermutung ist sogar, dass beide in Wirklichkeit homosexuell sind. Doch gerade durch die Ausblendung dieser eigentlich essenziellen Aspekte der Liebe wird plötzlich der Blick frei auf andere Aspekte der Liebe, die sonst davon überlagert werden. Während es bei Julien in erster Linie um Eitelkeit und Macht geht und der sexuelle Akt in erster Linie ein Akt der Besitzergreifung ist, geht es bei Mathilde um ein romantisches Selbstbild, in das sie sich verliebt. Der dramatische Verlauf, den die Geschichte nimmt, ist im Grunde nicht die Zerstörung sondern die Erfüllung ihrer Träume. Beide sind im Grunde monströse Egoisten, die auf einer verschlungenen Ebene zu einer Symbiose finden, die sie dann als Liebe bezeichnen. Die scheinbar hanebüchenen Wendungen der Geschichte, dass Julien zunächst versucht Madame de Renal zu töten, sich dann aber wieder in sie verliebt (was er halt so Liebe nennt), ist nur verständlich, wenn man diesen monströsen Egoismus begreift, dem im Grunde alle anderen Menschen nebensächlich sind, sobald die Selbstliebe und das Eigenbild erschüttert werden. Übrigens sind die Parallelen zu Shakespeare, namentlich Hamlet, Othello und King Lear frappierend. Auch diese Charaktere opfern ohne zu Zögern alles, was ihnen einst lieb und teuer war, einer gekränkten Selbstliebe. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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