Die Reise geht wieder nach Australien auf die Peninsula nach Waterloo, wo Detective Inspector Hal Challis seinen mittlerweile fünften Fall zu lösen hat.
Auch diesmal an seiner Seite Sergeant Ellen Destry, die inzwischen mehr als nur eine Kollegin und Mitarbeiterin für ihn ist und somit eigentlich schon reichlich Konfliktpotenzial im Polizeirevier von Waterloo schwelt. Aber auch das Privatleben der anderen Ermittler rückt hier ein bisschen mehr in den Fokus und wir können dabei ebenfalls einen kurzen, aber prägnanten Einblick in deren vier Wänden erhaschen.
Mit "Rostmond" knüpft Garry Disher eigentlich auch nahtlos an den Vorgängerband an und wir machen hier nur einen kleinen Zeitsprung von einigen Monaten nach diesen so schwerwiegenden Ereignissen in "Beweiskette", wo der Polizeitrupp in den eigenen Reihen einen Verräter entlarven konnte.
Diesmal sieht sich die sowieso schon unterbesetzte Polizei-Crew um Challis direkt mit drei schweren Verbrechen konfrontiert, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, nichtsdestotrotz aber ihre volle Konzentration abverlangen und dabei eigentlich keine privaten Ablenkungen gebrauchen können.
Ein brutal zusammengeschlagener Schulkaplan, der Mord an einer städtischen Bauplanerin und die Sex- und Drogenexzesse der diesjährigen Schulabgänger sorgen für jede Menge Wirbel und wieder sitzt ihnen dabei Superintendent McQuarrie samt einem omnipräsenten Politiker im Nacken und verlangen Ergebnisse. Das natürlich am besten schon gestern!
Dabei wird man als Leser Zeuge, wie die scheinbar so triviale und profane Polizeiarbeit zu einem mehr als verbissenen Kampf gegen Windmühlen anmutet und man schnell feststellt, dass sich die Beamten letztendlich nur auf sich selbst und ihre Instinkte verlassen können.
Garry Disher konfrontiert uns hier gleich mal mit mehreren brisanten und Konflikt geladenen Themen, die unglücklicherweise auch immer mal wieder mit trauriger Aktualität auffallen und dadurch natürlich auch immer irgendwie zum kriminellen Tagesgeschehen der Ermittler gehören.
Wir begegnen hier einem krankhaft eifersüchtigen Ehemann, einem rassistischen Blogger, der seinen Bruder rächen will und Jugendliche, die sich mit K.O.-Tropfen junge Mädchen gefügig machen und vergewaltigen.
Bei den Nebenprotagonisten hat sich da doch die gute Pam Murphy als meine Favoritin heraus kristallisiert, die ja schon im Vorgängerband mit einigem Ehrgeiz und einer guten Portion Zähigkeit aufgefallen ist und auch hier einerseits mit weiblicher Raffinesse, aber auch mit Beharrlichkeit und effektiver Robustheit glänzt.
In gewohnt guter Manier präsentiert uns Garry Disher hier einen wirklich unterhaltsamen und spannenden Krimi, der vielleicht nicht mit den ganz spektakulären Highlights glänzen kann, nichtsdestotrotz aber eine gute Portion Nervenkitzel bereithält und den Leser wirklich voll in Anspruch nimmt und auch fesselt.
Gekonnt stellt der Autor hier nüchterne und realistische Polizeiarbeit in den Vordergrund und verzichtet eher auf blutrünstige Elemente, die man als Leser so auch gar nicht vermisst und man da in erster Linie von der doch so fest umrissenen und durchdacht inszenierten Story zehrt.
Den letzten Kick bekommt das Ganze noch dadurch, dass alle Romanfiguren immer mehr an Profil gewinnen und dabei ihr privates Umfeld auch etwas genauer beleuchtet wird und dem Leser einen mehr als interessanten Einblick dabei gewähren.
Man darf also nicht nur gespannt sein, wie das Duo Challis/Destry Privates und Berufliches in Zukunft unter ein Hut bekommt, nein auch im trauten Heim von Pam Murphy und Co liegt noch einiges im Argen...