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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Niedergang eines Landstriches,
Von
Rezension bezieht sich auf: Rost: Roman (Gebundene Ausgabe)
Pennsylvania stand lange Jahre, Jahrzehnte für die solide untere Mittelschicht des amerikanischen Traumes. Stahl war unabdingbar nötig für die wirtschaftliche Expansion der USA und mit dem Stahl kamen die Arbeiter, die Gewerkschaften, die ausreichenden Löhne und das nicht überschwengliche, dennoch aber gute Leben.Vorbei. Pennsylvania steht nunmehr für "White Trash", die entlassenen, hoffnungslosen, in die Sozialhilfe oder darunter abgeglittenen ehemaligen Arbeiter der Stahlindustrie und ihrer zugehörigen Zulieferfirmen. Verlierer in Massen produzierte die anhaltende Wirtschaftskrise und Isaac und Billy, Jugendliche und beste Freunde, gehören mit in diesen Pool verarmender und Haltung verlierender Familien. Issacs Mutter beging Suizid, sein Vater ist Invalide und Billy haust in einem Trailer am Rande der Zivilisation. Beide hätten zwar die Möglichkeit, wie in Amerika üblich, durch ihre je herausragend sportlichen Begabungen Stipendien an Elite Universitäten zu erhalten, Isaac verzichtet zugunsten seiner Schwester, Billy wendet sich trotzig aus gegen die sich eröffnenden Chancen. Doch Isaac will seine Träume nicht in Alkohol und Klagen begraben, er überredet Billy, mit ihm diesen Ort tiefen Niedergangs zu verlassen und in Kalifornien, im "gelobten Land" einen Neuanfang zu wagen. Beide kommen nicht weit, am Stadtrand kommt es zu einer konfliktreichen Begegnung mit weitreichenden Folgen, in deren Verlauf Isaac in Notwehr einen Menschen tötet. Der ermittelnde Polizist findet allerdings Billys Jacke am Tatort und, hier nimmt das Buch psychologisch interessante Wendungen, Billy nimmt tatsächlich die Schuld auf sich, Vielleicht aus Trotz? Vielleicht, um seinem Freund Isaac eine Zukunft zu ermöglichen, die er für sich selber nicht sieht? So beginnt nun, die Geschichte, in düsteren Farben verbleibend, auf drei Ebenen ihren Fortgang zu nehmen. Der Leser begleitet Isaac auf seiner Odyssee durch Amerika, bei der täglich ein Stück mehr seiner Hoffnung und Sehnsucht verloren geht, begleitet Billy auf seinem Weg ins Gefängnis und begleitet den ermittelnden Sheriff, dessen Welt innerlich und äußerlich noch in Ordnung ist, der sich aber nun mit dem Umfeld und der Welt von Issac und Billy auseinander zu setzen hat. Eine Auseinandersetzung, die der Sherriff stellvertretend für den Leser vollzieht und die in eine zutiefst und gerechtfertigte gesellschaftskritische Richtung sich entwickeln wird. Philip Meyer versteht es, in seinem Erstlingswerk den Finge rauf die offene Wunder des Niedergangs einer Gesellschaft westlichen Zuschnitts zu legen. Das Beispiel des Amerikas, das ihm aus dem Fingern in Buchstaben hinein fließt, ist ja ein weltweites Phänomen des äußeren, aber auch inneren Niederganges, bedingt durch fehlende Perspektiven für die Massen und eine stark um sich greifende Gier bei jener Minderheit, die noch Zugang zu den Fleischtöpfen hat. Am Schlimmsten aber ist das Erleben, letztlich allein gelassen zu werden mit all den unlösbaren Problemen, die unverschuldet über die Arbeiterschaft, das ehemals stabile Rückgrat funktionierender Wirtschaften weltweit. Unlösbare Probleme, die sich eben wie Rost durch ehemals gesunden Stahl der Gesellschaft fressen. Ein düsteres Buch in ausgefeilter und emotional einfühlsamer Sprache, das die Härten des Lebens in den Vordergrund setzt und nur in familiärer oder freundschaftlicher Bindung kleine Hoffnungsschimmer hinterlässt. Mit leichten Schwächen in der Ausdifferenzierung der Charaktere, dennoch aber eine minutiöse und treffende Romanbeschreibung des Niedergangs ehemals stabiler gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Systeme. Empfehlenswert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
In den Trümmern der Hoffnungen,
Von
Rezension bezieht sich auf: Rost: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eine Region kollabiert. Einstellung der Stahlproduktion, Massenentlassungen, Arbeitslosigkeit. Pittsburg, Pennsylvania erlebt eine der größten Wirtschaftskrisen, und die Bevölkerung steht vor einem ökonomischen Scherbenhaufen. Sie stehen vor den Trümmern ihrer Hoffnungen. Dass dies fatale Auswirkungen bis in den privatesten Bereich der Menschen hat, bleibt nicht aus. Ein Szenario, wie es heute weltweit und iun vielen Regionen immer wieder abspielt. Pittsburg, Pennsylvania kann im Zeichen der Globalisierung und ihrer Folgen überall sein - weltweit, so die "Botschaft" des Buches.Das also ist die Kulisse für den erschreckend aktuellen und dramatischen Roman von Philipp Meyer. Die Protagonisten Isaac English und sein Freund Billy Poe gehören zu den Verlierern. Außerdem bewegen sich im Bannkreis des wirtschaftlichen Niedergangs Menschen, die hilflos und verzweifelt nach dem letzten Strohhalm greifen, um zu über- leben. Und es gibt die Menschen mit teilweise sehr viel krimineller Energie, die mit allen Mitteln - vom Betrug bis zum Mord - versuchen, aus der Not anderer Kapital in welcher Weise auch immer zu schlagen. Das ist die reale und literarische Konstellation, in die Philipp Meyer Isaac und Billy gestellt sehen. Während Isaac der ruhige, überlegte Typ mit intellektuellem Anspruch ist, ist Billy, schon mal vorbestraft, eher der schlichte, einfache Typ, der lieber abhängt, Dosenbier trinkt und sich für Football begeistert. So unterschiedlich wie die Freunde sind auch die Familien - vertreten durch Grace, Billys Mutter - und Isaacs Schwester Lee. Eines aber ist allen gemein: Sie alle wollen aus der Trost- und Hoffnungslosigkeit entkommen - jeder auf seine Weise. Das gilt auch für den Ortssheriff, der sich zumindest um Billy bemüht und ihn aus kritischen Situationen "rettet". Bald sollte er besonderen Anlass dazu haben. Vor den Trümmern ihrer Hoffnungen stehen also auch die Freunde Isaac und Billy und machen sich schon mal auf den Weg. On the road - Richtung Kalifornien, ins vielleicht Gelobte Land. Noch sind sie in Reichweite ihrer Stadt, als sie Schutz vor einem Unwetter suchen mussen. Sie landen in einer Höhle, auf die plötzlich drei heruntergekommene Typen Anspruch erheben. Es kommt zu einr Rangelei, ein Messer wird gezückt und Billy an den Hals gesetzt. Um ihm zu helfen, greift Isaac zu einer Kugel und tötet einen der Männer. Nicht absichtlich, in Notwehr. Am Tatort bleibt Billys Football-Jacke zurück. So erreicht der Arm des Gesetzes in der Person des Ortssheriffs ziemlich schnell den vermeintlichen Täter: Billy. Die Beweislage scheint klar zu sein. Und Billy bekennt sich zu der Tat, schützt so seinen Freund Isaac und geht für ihn in den Knast. Isaac macht sich allein auf den Weg nach Kalifornien - die Schuld im Gepäck. Es wird ein schwerer, ein steiniger Weg. Mit sehr viel psychologischem Feingefühl schildert Meyer die Freundschaft der beiden, die in der Schuld des einen und im "Bekenntnis" des anderen ihre besondere Bewährungsprobe zu bestehen hat. Den Leser überzeugt aber vor allem die sensible Charakteristik dieserHauptfiguren. Ebenso überzeugend aber ist auch die Schilderung der Atmosphäre in der Kleinstadt und des Geschehens um die Wirtschaftskrise, die Beschreibung der seelischen und materiellen Probleme der kleinen Leute, die mal wieder die großen Verlierer sind. Der gesellschafts- und sozialkritische Ansatz Meyers ist nicht zu überlesen. Philipp Meyer ist ein beeindruckendes Buch gelungen, er hat einen wahrhaft großen amerikanischer Roman geschrieben, wie wir ihn von Dos Passos, McCarthy und anderen kennen. Meyer hat sich so in die vordere Reihe geschrieben. Ein Roman - sprachlich souverän, meisterhaft konzipiert und mit einem fesselnden Plot. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Kehrseite des 'Amerikanischen Traums',
Von
Rezension bezieht sich auf: Rost: Roman (Gebundene Ausgabe)
Keine zwei Wochen umfasst der Zeitrahmen dieses Buches - doch es reicht um das Leben aller Beteiligten grundlegend zu ändern.Ein trostloser, heruntergekommener Flecken in den Weiten von Pennsylvania: Isaac, ein zarter junger Mann um die 20, intelligent und wißbegierig, will weg wie seine Schwester, auf nach Kalifornien zum Studieren. Er bricht auf, ohne das Wissen des Vaters doch mit dessen Geld und hofft, dass ihn sein bester Freund Poe begleitet, der im Trailer seiner Mutter ohne Zukunftsaussichten in den Tag hineinlebt. Doch diesem fehlt die Energie für einen solchen Aufbruch, will Isaac jedoch noch ein Stück begleiten. Als sie in einem leerstehenden Gebäude vor dem aufkommenden Regen Schutz suchen, begegnen sie dort drei merkwürdigen Gestalten. Isaacs schlechte Vorahnungen trügen ihn nicht: Während er nach draußen verschwindet, versuchen die Männer Poe zu vergewaltigen. Isaac rettet seinen Freund indem er einen der drei tötet. Kurz darauf verschwindet er erneut ohne jedoch zu erfahren dass Poe wegen Mordes verhaftet wird. Alle Figuren des Buches mühen sich ab mit der Frage nach dem Sinn des Lebens angesichts der allgegenwärtigen Trostlosigkeit und Düsternis rings um sie herum. Der einzige Lichtblick in diesem freudlosen Dasein ist die beständige Schönheit der sie umgebenden Natur. Während Isaac weiter auf dem Weg nach Westen ist, sich mühsam auf der Straße durchschlägt und beständig mit den Schuldgefühlen kämpft, die ihn seit dem Selbstmord seiner Mutter umtreiben, lernt Poe die harte Realität des Gefängnisalltags kennen. Den Sinn seines Lebens sieht er nun darin, seinem Freund all dies zu ersparen, er will die Schuld auf sich nehmen. Parallel zur Geschichte von Isaac und Poe beschreibt Meyer den Niedergang der Stahlindustrie dieser Gegend in zwei Dimensionen: Die riesigen nun verlassenen Werke rosten vor sich hin und die Natur holt sich nach und nach wieder was man ihr mühsam abgetrotzt hatte. Im gleichen Maße kehrt auch die Gesellschaft wieder zu ihren Ursprüngen zurück: Nachdem 10.000e entlassen wurden, wird die zivilisatorische Schicht stetig dünner. Immer öfter gilt das Recht des Stärkeren, Gewalt und Diebstähle nehmen zu, das Rechtsbewußtsein im gleichen Maße ab. Isaac bekommt dies auf seiner Reise zu spüren: Als scheinbarer Penner identifiziert, wird er von Jugendlichen ohne Grund (Penner sein reicht) zusammengeschlagen. Meyer zerpflückt den ,Amerikanischen Traum', dass es jede/r durch eigene Kraft nach oben schaffen kann. Er beschreibt wie durch Profitgier ganze Familien zerstört wurden, stolze Facharbeiter mit Stundenlöhnen zu 30 $ zu Verkäufern mit 4,50 $ pro Stunde degradiert wurden, Häuser massenweise geräumt und versteigert und völlig Verzweifelte auch vor dem Letzten nicht zurückschreckten. Es ist das Porträt einer Gesellschaft die ihre beste Zeit hinter sich zu haben scheint und nur wenig Auserwählten die Möglichkeit bietet, am Leben teilzunehmen, denn: ,Dass der Durchschnittsbürger keinen Job mehr hat, in dem er gut sein kann, da liegt doch das Problem'. Meyers Erzählweise ist ungewöhnlich: Durch einen kleinen Kunstgriff gelingt es ihm, die Geschichte sowohl von außen mit Blick auf eine Person zu schildern aber auch deren Gedanken und Emotionen direkt miteinfließen zu lassen. Dies mag zu Beginn etwas verwirren, doch das Prinzip ist schnell zu durchschauen und bringt dem/der Lesenden die Protagonisten überaus nahe. Obwohl jedes Kapitel des Buches einer Person gewidmet ist und damit ständig die Sichtweise wechselt, fällt es nicht schwer dem Fortgang der Geschichte zu folgen. Wer einen intensiveren Blick auf die heutige Gesellschaft (nicht nur der USA) sucht, ist mit diesem Buch bestens bedient. Als leichte Unterhaltungslektüre ist es denkbar ungeeignet. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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