Eine Klasse für sich ist diese Einspielung unter Riccardo Chailly. Eine der schönsten und inspiriertesten Rossini-Aufnahmen überhaupt: dank der geschmeidigen Tempi des Dirigenten, der nie mechanischen Crescendi und der Farb- und Stimmungswechsel zwischen Posse und empfindsamer Komödie. Michele Pertusi als Selim bewährt sich als eleganter Belcanto-Bass mit viel Charme. Superb die virtuose Leichtigkeit etwa im Duett mit dem Geronio des tüchtigen Alessandro Corbelli, der seinen Buffo-Part nie an den Mummenschanz vokaler Clownerie verrät. Cecilia Bartoli war als Mezzo eine kühne Wahl für für die Fiorilla; doch gelingt es ihr, wie ein lyrischer Sopran mit Mezzo-Tinta zu klingen. Ihre Koloraturen sind nicht nur technisch atemberaubend, sondern Mittel eines kaprizös-geistvollen und eines lächelnden Spiels. Und da diese Aufnahme vollständig ist, ist sie bei weitem die erste Wahl.