Ein wenig bekannter Dirigent, bis auf Samuel Ramey keine wirklichen Superstars, ein weniger berühmtes Orchester, warum also sollte man ausgerechnet diese Aufnahme wählen?
Weil sie einfach Spaß macht: Jennifer Larmore steht ihren bekannteren Kolleginnen Bartoli und Kasarova in nichts nach, bringt eine unglaublich charaktervolle Darstellung der Rosina, die dabei doch immer natürlich bleibt. Sie ist Rosina.
Raul Gimenez ist ein Graf, der die enormen Schwierigkeiten der Partie gut bewältigt, und dabei doch stets ein sympatisches Timbre hat - im Gegensatz etwa zu Konkurrenten wie Luigi Alva oder Rockwell Blake. Außerdem traut er sich im Gegensatz zu den meisten Kollegen an die mörderische Arie im letzten Akt heran - und das ist ein echter Gewinn.
Alessandro Corbelli hat sicherlich nicht die üppigste aller Bartolo-Stimmen. Trotzdem bleibt er insbesondere der Komik der Rolle nichts schuldig. Samuel Ramey ist ohnehin seit 15 Jahren der Don Basilio vom Dienst - und nicht umsonst.
Chor und Orchester agieren schwungvoll und präzise, die Tempi und Dynamik lassen keine Wünsche offen.
Und der Titelheld? Der ist bei Hakan Hagegard, vor undenklichen Zeiten der Papageno in Ingmar Bergmans Zauberflöten-Verfilmung, in besten Händen. Er ist sicherlich nicht der typische Rossini-Bariton, der nur auf die Koloraturen wartet, auch nicht so saftig komisch wie etwa Tito Gobbi in der alten Callas-Aufnahme. Dafür stattet er die Rolle mit einer ganz eigenen Würde und einem sehr charakteristischen und angenehmen Stimmklang aus.
Die Alternative zu den großen Star-Vehikeln und eine Aufnahme, mit der man rundherum zufrieden sein kann!