Die Inszenierung von Sergi Belbel fungiert wie ein in plastisch, farbstarken Bildern vorgehaltener Spiegel menschlicher Eitelkeiten und profan,konfliktbehafteter Oberflächlichkeit der aristokratischen Klasse, mit prinzipieller Allgemeingültigkeit, in ironisch, bissiger Beleuchtung und personenakzentuierter Süffisanz, in einem Stadium gesellschaftlichen Umbruchs des 19.Jahrhunderts. Pathos wird der Lächerlichkeit preisgegeben. Das ist meisterhaft in Szene gesetzt, aber man muß sich vorher eingehend mit den Hintergründen des Inszenierungskonzepts auseinandersetzen, sonst kommt man zu vordergründiger Sicht. Sängerisch verlangt diese Oper ein ungewöhnlich großes solistisches Ensemble. Schauspielerisch wird auf hohem, komödiantischem Niveau agiert. Sängerisch möchte ich nur Paula Rasmussen als La Marchesa Melibea und Elena de Merced als Corinna anführen, die klangsinnlich substanziell mit individuellem Timbre intonieren. Das Dirigat von Jesus Lopez Cobos ist Rossini-like, subtil,prall, präsent. Eine Aufführung, die lohnenswert ist und nicht ganz die 5 Sterne erreicht, weil bei der sängerisch solistischen Ausstattung noch mehr möglich wäre, aber wohl realistischerweise an keinem Opernhaus zu realisieren ist.