20 Jahre Rosenstolz
1991
Dezember: AnNa trifft Peter in seiner ersten Berliner Wohnung im zweiten Hinterhof, Klo halbe Treppe tiefer. Es funkt sofort und sie spielen einen ersten Titel in Peters Küche ein.
1992
Sie schreiben Songs wie die Wilden und nehmen sie auf Kassetten auf. Und schließlich wagen sie sich das erste Mal auf die Live-Bühne. Ein Fiasko ohne Ende. Weitere Live-Auftritte. Und es wird immer besser. Sie treffen auf Tom Müller, den Produzenten von Nina Hagen. Er will sofort mit ihnen arbeiten. Es entstehen erste Studio-Produktionen. Im Dezember ist das Debut-Album SOUBRETTE WERD’ ICH NIE draußen. Dieses Album wird damals zum Mega-Flop und ist heute absoluter Kult. Auch wegen »Ich geh auf Glas«, »Königin« oder »Schlampenfieber«.
1993
Es geht weiter. Mit neuen Songs, weiteren Live-Auftritten (die immer besser werden) und einer stetig wachsenden Fangemeinde. Im Sommer und Herbst sind AnNa und Peter für eine neue Albumproduktion im Studio. Zwischendurch spielen sie unzählige kleine und größere Gigs. Vom Produzenten gibt es jeden Monat ein Taschengeld – damit halten sie sich knapp über Wasser.
1994
NUR EINMAL NOCH heißt das zweite Album. Es erscheint im Frühjahr – und klingt schon viel besser. Das Thema Rosenstolz hat sich herum gesprochen - vor allem live! Sie avancieren mit Alltime-Klassikern wie „Die Zigarette danach“ oder „Nur einmal noch“ zum Geheimtipp. Zur Single „Nur einmal noch“ drehen sie ein Low-Budget-Video, das auf einem Berliner Regional-TV-Sender läuft. Immerhin. Dazu kommt ein Achtungserfolg in ihrer Heimatstadt: Der Konzertclub Die Wabe ist mit 300 Leuten fast ausverkauft, die Stimmung euphorisch. Das Konzert wird zum rauschenden Fest.
1995
AnNa und Peter arbeiten am dritten Album mit dem Titel MITTWOCH IS’ ER FÄLLIG. Sie investieren ihr halbes Leben und ihr ganzes Geld in eine teure Videoproduktion, um einen Clip zu produzieren – den kein TV-Sender zeigt. Dafür werden ihre Konzert-Touren länger, die Band besser, die Clubs größer. In Berlin wagen sie den nächsten Schritt und buchen für ihre aktuelle Tour das Metropol. Die 1000 Tickets waren schnell ausverkauft - ein Zusatzkonzert muss angesetzt werden. Zum ersten Mal ein echtes Wahnsinns-Gefühl! Das Album hingegen läuft zäh, doch die Fans lieben es. Der Song „Lachen“ wird zur Hymne. Bis heute gehört dieser zu den Live-Klassikern der Band.
1996
Mittlerweile werden größere Plattenfirmen auf Rosenstolz aufmerksam. AnNa und Peter wechseln vom kleinen Label Traumton zu Polydor. Kommt nun der ersehnte Sprung in die Charts? Sie produzieren entspannt und voller Enthusiasmus ihr neues Album OBJEKT DER BEGIERDE. Ihre Fangemeinde hat sich mittlerweile verdoppelt und verdreifacht: Begierde liegt in der Luft! Mit „Sex im Hotel“ gibt es eine gewagte Single-Auskopplung. Doch keinerlei Video von der Plattenfirma; und somit auch kein Airplay auf VIVA oder MTV. Das Album läuft gut, verpasst aber knapp die Charts. Live wächst die Band so langsam aus den Clubs heraus.
1997
Mühsam geht es die Leiter nach oben. DIE SCHLAMPEN SIND MÜDE heißt das Album im Herbst. Beharrlichkeit zahlt sich aus: Die Platte springt auf 33 in die Charts und hält sich einige paar Wochen. Ohne Radioeinsätze, ohne Musik-TV. Aber mit grenzenloser Fanliebe. Die Winter-Tour hinterlässt entflammte Herzen und wilde Seelen. AnNa und Peter schreiben ihr erstes kleines Büchlein, weil sie von einem Verlag gefragt wurden, und nennen es knapp »Lieb mich wenn du kannst, nimm mich, nimm mich ganz«. Darin erzählen sie alles, was es bis hierhin zu erzählen gab.
1998
Eine heikle Entscheidung ist gefragt: Wollen sie bei der Vorentscheidung zum Grand Prix mitmachen? Eigentlich ist das überhaupt nicht ihr Ding. Allerdings sollte die Show damals revolutioniert werden: Entstaubt und jünger. Letztlich lassen sie sich überzeugen und ebnen ganz nebenbei den Weg zur „Generation Lena“. Sie starten mit „Herzensschöner“, werden Zweite hinter Guildo Horn, sind aber die heimlichen Sieger. Wunderbar! Der europäische Grad Prix darf ohne sie stattfinden, dafür gibt es Sympathie und Lob von allen Seiten. Die Single erreicht Platz 32 der Charts. Nach fünf Alben ist es an der Zeit die besten Songs auf eine CD zu packen. Die heißt schlicht ALLES GUTE. Unglaubliches passiert: Sie steigt von Null auf 10 in den Charts.
1999
Sie geben ZUCKER. Das Album geht sofort auf Platz 2 und bleibt wochenlang in den Charts. Die Zucker-Tour wird grandios und erscheint als Live-CD. ZUCKERSCHLAMPEN:LIVE geht direkt auf Platz 5. Zwischendurch vereinen sich Rosenstolz mit Hella von Sinnen zum Traum-Trio und geben mit „Ja, ich will“ ein ganz persönliches und kräftiges Statement zur Homo-Ehe ab.
2000
Rosenstolz verwirren und überraschen! Mit „Amo vitam“ veröffentlichen sie einen Song auf lateinisch. Marcus Sternberg dreht einen einfachen, aber ästhetisch anspruchsvollen Clip. Und die Musik-Sender schlagen zu! Das aktuelle Album heißt KASSENGIFT – was Rosenstolz nun schon länger nicht mehr sind! Die Platte schießt auf Platz 1 der Charts, wird vergoldet - und bleibt für 11 Wochen in den Hitlisten. Auf Tour wird es auch in den größeren Hallen knackig voll und eng.
2001
Im Frühjahr gibt es was Besonderes: die Doppel-CD-Edition „Total Eclipse/Die schwarze Witwe“ – Rosenstolz im Duett mit Nina Hagen und Marc Almond. Schön verrückt. Rosenstolz eben!
Nach der erfolgreichen „Sanfte Verführer“-Tour« erscheint die Single ES KÖNNT’ EIN ANFANG SEIN, mit der Rosenstolz musikalisch neue Wege gehen. Geradliniger Pop mit guten Hooks. Die Single geht von Null auf 8 in die Charts und hält sich insgesamt 12 Wochen. Ein gutes Jahr!
2002
Im Sommer gibt es die brandneue Single STERNRAKETEN. Es scheint, als hätten alle auf einen fröhlichen Pop-Song gewartet. AnNa und Peter schlüpfen in kreischend orangene Adidas-Anzüge und jagen im Video imaginäre Ufos. Das neue Album dazu heißt MACHT LIEBE, geht auf Platz 3 der Charts und bleibt dort 22 Wochen lang. Die anschließende Tour ist ausverkauft, hat 100.000 Zuschauer und ist irgendwie der blanke Wahnsinn. Allein in Berlin müssen Rosenstolz sieben Konzerte in der ausverkauften Columbiahalle geben.
Im Herbst gibt es eine zweite Single aus dem Album. ES TUT IMMER NOCH WEH erscheint als prall gefüllte Maxi mit vier weiteren, brandneuen Songs. Unter ihnen „Laut“ – eine Ballade, die auf den Konzerten für Furore sorgte. Das von Jörn Heitmann gedrehte Video ist großes Kino und erntet einen Cometen von VIVA.
2003
Eigentlich ist Pause angesagt. Aber Studiosessions im Januar brachten WAS KANN ICH FÜR EURE WELT hervor – und das muss einfach raus! Also: eine Extra-Single im Mai, die es ordentlich krachen ließ. Von 0 auf 12 in die Charts und für 9 Wochen drin. Vorher gab es aber im Februar schon mal eine ECHO-Trophäe. Die macht sich gut in der Schrankwand! Live ist live! Das wissen die Fans (und lieben es), das wissen auch Rosenstolz – und lassen eines ihrer Konzerte mitschneiden. Im Juni gibt es LIVE AUS BERLIN, die „Macht Liebe“- Tour auf CD und DVD. Im Sommer gibt es die erste „Rosenstolz Open Air Tour“. Live und draußen; zum Tourabschluss in Berlin kommen 17.000 Fans. Traumhaft!
2004
Die neue Single LIEBE IST ALLES erscheint im März, mit Video von Philipp Stölzl (Evanescence, Madonna). Das neue Studioalbum nach einem ganzen Jahr Arbeit heißt HERZ. Persönlich, nah und wahr. Es gibt Gold nach nur einer Woche, Platin kurz darauf. Die Fans stürmen die neue Tour, Besucherrekord. HERZ bringt gleich vier Top Ten Singles hervor. Darunter das wahnsinnig schöne LIEBE IST ALLES, das kraftvolle WILLKOMMEN und das sehnsüchtige ICH WILL MICH VERLIEBEN. Dazu kommen Preise wie VIVA Comet, Die goldene Stimmgabel, und der TV-Ritterschlag mit einem Auftritt bei „Wetten, dass...“. Ein echtes Triumphjahr für AnNa und Peter!
2005
Rosenstolz machen den ultimativen Schnitt und kündigen eine Pause an. Das wird eisern durchgezogen. Sie nutzen diese Zeit intensiv für das neue Album.
2006
Schon im Januar startet ihre neue Single „ICH BIN ICH (WIR SIND WIR) – und wird zu einem regelrechten Hit des Jahres. Das erste Single-Gold für Rosenstolz. Ihr Album DAS GROSSE LEBEN erscheint – und bricht sämtliche Rekorde. Platin in Rekordzeit. Die Folgesingles schlagen ebenso ein und werden bundesweite Radiohits: NICHTS VON ALLEDEM (TUT MIR LEID), ICH GEH IN FLAMMEN AUF, AUCH IM REGEN. Die Tour wird zu einem wahren Triumphzug. 36 Konzerte mit tausenden begeisterten Besuchern. Tourfinale in Berlin: dreimal die ausverkaufte Kindl-Bühne Wuhlheide mit über 50.000 Zuschauern. DAS GROSSE LEBEN überschreitet die magische 1-Millionen-Grenze (das schaffte lediglich Herbert Grönemeyer mit „Mensch“ ein paar Jahre zuvor) und wird zum erfolgreichsten Album des Jahres sowohl national als auch international in Deutschland. Das bisher größte Rosenstolz-Jahr. Ein Jahr wie ein Rausch.
2007
Keine Rückzugsmöglichkeit für AnNa und Peter. Für den Sommer haben sie eine kürzere Open-Air-Tournee angekündigt. Es regnet wichtige Preise: DIVA Award, Die Goldene Kamera, Fred Jay Preis, Paul Lincke Ring. Trotzdem bleiben AnNa und Peter standhaft mit beiden Füßen auf der Erde, schließen sich, so oft sie die Möglichkeit dazu haben, in ihr Studio ein, um an neuen Songs zu arbeiten. Ihre aktuelle Single AUS LIEBE WOLLT ICH ALLES WISSEN veröffentlichen sie als Benefiz-Maxi zugunsten der Deutschen AIDS-Stiftung. Ergänzend dazu stellen sie ein exklusives Benefiz-Konzert auf die Beine, das am 18. Juni in Berlin stattfindet und von dem sämtliche Einnahmen (!) gespendet werden. Beim Konzertfinale überreichen AnNa und Peter der Deutschen AIDS-Stiftung einen Scheck über 100.000 Euro.
2008
Im September erscheint das neue Album DIE SUCHE GEHT WEITER. Vorab die Single GIB MIR SONNE, die raketenschnell zum Hit wird und die magische Gold-Marke überschreitet. Das Album geht direkt auf Platz 1 der Deutschen Charts, erreicht in kürzester Zeit Doppel-Platin und wird auch in Österreich und der Schweiz vergoldet. Unter dem Motto „Bist du dabei“ gehen AnNa und Peter im Winter auf große Deutschland-Tournee, ihre aufwändigste und größte bisher. Ausverkaufte Hallen, glückliche Menschen, begeisterte Zuschauer. Mit ihrer zweite Single-Auskopplung WIE WEIT IST VORBEI wagen Rosenstolz etwas ganz Neues: Das Video zu dem Lied drehen sie in Grönland und erzählen darin in eindrucksvollen und episch breiten Bildern Momente aus dem Leben eines einheimischen Inuiten.
2009
Nach dem Jahreswechsel geht die Rosenstolz-Tournee weiter. Krankheitsbedingt mussten die letzten zwei Konzerte der Tour abgesagt und die Notbremse gezogen werden. Pause!
Trotzdem – oder gerade deswegen – beschließen AnNa und Peter, an der geplanten Live DVD, einem Konzertmitschnitt aus der Münchner Olympiahalle, weiter zu arbeiten und sie im April zu veröffentlichen. Auch die geplante Single „Blaue Flecken“ erscheint Anfang April. Sie überrascht mit einer brandneuen Solo-Nummer von Peter, „Susi im roten Kleid“, die schon Wochen vorher im Internet herum geisterte und für Verwirrung sorgte. Zusätzlich hatten AnNa und Peter einen weiteren, bisher unveröffentlichten, Titel im petto, der von den Fans begeistert aufgenommen wurde: „Alles ist erleuchtet“.
Das Album hat mittlerweile Dreifach-Platin erreicht. Im Februar bekommen Rosenstolz zwei ECHOs (Bestes Video „Gib mir Sonne“; Echo für Soziales Engagement) verliehen, die AnNa jeweils allein in Empfang nimmt. Eine einsame Mission, die sie Kraft gekostet hat. Im September sorgten AnNa und Peter für eine weitere Überraschung. „Ich bin mein Haus“, einer ihrer Lieblingssongs vom Album DIE SUCHE GEHT WEITER, erscheint in einer völlig überarbeiten Version als Limitierte Maxi CD (5000 Stück), die zusätzlich vier weitere Neuversionen von Titeln des Albums enthält. Das Video zu „Ich bin mein Haus“ ist ein Zusammenschnitt von absoluten Rosenstolz Highlights, auf und hinter der Bühne. Es endet mit der Schrifttafel: „Wir sehen uns wieder! AnNa + Peter“ Mit dieser Aussage erfolgte der endgültige Rückzug von Rosenstolz aus der Öffentlichkeit. Eine länger geplante Pause, ähnlich wie 2005, sollte ihnen genug Freiraum geben, um an neuen Songs zu arbeiten.
2010
Das Pausenjahr! Pause klingt gut, heißt bei AnNa und Peter eher: Keine Öffentlichkeit, keine Interviews, keine Auftritte. Bedeutet aber auch, dass sie kreativ sind, an neuen Songs arbeiten, und Ideen entwickeln. Peter hat bereits im Laufe des letzten Jahres viele neue Lieder geschrieben, mal allein, oft auch mit seinem Partner Ulf. Gerade jenes Komponieren und Texten, ohne jeden Druck, hat ihm geholfen, seine umfassende Erschöpfung langsam abzuschütteln. Peter gönnt sich eine Luftveränderung und zieht inkognito in eine Wohngemeinschaft nach London. Er taucht ab in der Weltmetropole und schreibt als mutiges Statement die Aufbruchs-Hymne „Wir sind am Leben“. Im Laufe des Jahres kehrt er wiederholt nach Berlin zurück. Gemeinsam mit AnNa wird beschlossen, dass die Saga von Rosenstolz noch längst nicht beendet ist.
Die Beiden läuten die dritte Phase ihrer Karriere ein.
2011
Mittlerweile haben sich 11 Songs für das neue Album herauskristallisiert, das im engsten Freundeskreis entstanden ist. Die Bläsersätze auf dem beswingten Song „Überdosis Glück“ steuern etwa die musikalischen Nachbarn von Seeed bei, die gleich nebenan auf der Kreuzberger Fabriketage arbeiten. Rosenstolz gehen mit Lebensmut und positiven Botschaften in das dritte Jahrzehnt ihrer Ausnahmekarriere. Ein wenig weiser und entspannter vielleicht, doch neugierig und mutig wie immer.
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