Wie in seinem letzten Buch Tiefer Schmerz geht es in diesem Roman wieder einmal um das Thema der verdrängten und unbewältigten Vergangenheit, die eine klassische Tragödie in Bewegung setzt. Diesmal trifft es die Kommissarin Kerstin Holm. Sie trifft ihren Ex-Verlobten wieder. Was einiges in ihr in Bewegung bringt. Was genau ´- wird nicht verraten ! Geschickt kombiniert Dahl wieder - in beinahe Mankellscher Manier ohne freilich so langatmig zu sein - relevante Gegenwartsthemen wie Ausbeutung von Asylbewerbern und Bereicherung von Pharmaunternehmen an Aids-Medikamenten, Gewalt gegen Frauen, psychische Erkrankungen und das Zerbrechen von Biographie zu einem spannenden Roman. Am Ende des Romans gibt es eine großartige, bewegende und vor allem überraschende Einblendung der Realität in eine verlassene Fabrikhalle. Diese Szene gehört sicher zu den interessanten, originellsten und großartigsten Schlusssequenzen eines Kriminalroman der letzten Jahre und zeugt von der ungeheuren Klasse dieses Krimiautors.
Das Buch hätte 5 Sterne verdient, wäre da nicht wieder das alte erzählerische Manko, das spätestens seit dem Roman Falsche Opfer" den Gesamteindruck trübt. Dahl nimmt sich auf den wenigen Seiten, die er sich einräumt, leider ein wenig zu viel vor. Seine doch eher fragmentarische Schreibweise, die sich nicht so recht zu einem Gesamtbild fügen will, ist oft hinderlich und wirkt oft kantig und wenig elegant. Oft schwankt das Buch deshalb gefährlich vom Genre des Kriminalromans hinüber zu einer Art Charakterstudie.
Dennoch ist das Buch für Fans von Arne Dahl uneingeschränkt zu empfehlen. Ob allerdings Leser, die die anderen 4 Bücher um das A-Team noch nicht kennen, die vielen Rückblenden und Anspielungen an Bisheriges etwa an den Kentucky-Mörder verstehen werden, ist fraglich. Ich gebe dem Roman 4 Sterne und warte auf den nächsten Band.