44 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wunderbarer Dialogfilm sehr frei nach Shakespeare, 28. Dezember 2004
Rezension bezieht sich auf: Rosenkranz und Güldenstern (DVD)
Zunächst einmal ist dies keine Shakespeare-Verfilmung, sondern eine ursprünglich für die Bühne gedachte freie Variation über zwei Randfiguren aus Shakespeares Hamlet, die nur an jenen Stellen den Originalzusammenhang bemüht, an denen die beiden Nebenfiguren im Originaldrama auftauchen.
Man erinnere sich: Güldenstern und Rosencrantz sind alte Freunde Hamlets aus Kindertagen. Der Onkel Prinz Hamlets, Mörder von dessen Vater und Usurpator des Thrones, lädt die beiden (nicht sehr hellen) Edelleute an den Hof, um durch sie herauszukriegen, was Hamlets seltsame Verrücktheiten der letzten Zeit wohl zu bedeuten haben mögen; Hamlet jedoch durchschaut den Plan und verwirrt die beiden mit weiteren Undurchdringlichkeiten vollends. Zu einem späteren Zeitpunkt des Dramas werden die beiden mit Hamlet und einem Brief des Königs nach England geschickt. In dem Brief wird der englische König gebeten, Hamlet hinzurichten. Hamlet tauscht diesen Brief gegen einen anderen aus, der statt dessen Güldenstern und Rosencrantz zum Tode verurteilt, so daß Hamlet an den dänischen Hof zurückkehren kann, um seine Rache zu vollenden.
Soweit das Originaldrama, in dem - je nach Inszenierung - Güldenstern und Rosencrantz eher als willige Handlanger des Bösen oder aber als komische (weil eben etwas dämliche) Nebenfiguren in Szene gesetzt werden.
Hier dagegen sind SIE die Hauptfiguren - Hamlet, Ophelia, Polonius usw. tauchen hier wiederum nur als Nebenfiguren auf, was einen als Betrachter stets daran erinnert, an welcher Stelle parallel zur Handlung Shakespeares man sich gerade befindet. Güldenstern und Rosencrantz dagegen haben keine rechte Ahnung von ihrem Auftrag oder auch nur ihrer eigenen Identität: plötzlich finden sie sich unterwegs zum dänischen Hof (der Beginn des Films), irren durch den Wald, begegnen schon einmal den Schaustellern aus dem Originaldrama, finden sich plötzlich im Schloß wieder, irren auch in diesem umher, stoßen auf Szenen aus Shakespeares Stück, aus dem im Stück inszenierten Stück der Schausteller, absolvieren ihre eigenen Rollen, ohne diese recht zu begreifen, irren weiter umher, reden dabei über alles mögliche: Hamlet, den Tod, ihre Erinnerung, Wahrscheinlichkeiten und so fort.
Das klingt als Filmhandlung eigentlich eher abschreckend, aber diesem Film gelingt es, die Konfusität auf höchst unterhaltsame Weise zum Programm zu erheben. Tim Roth und Gary Oldman in den Hauptrollen verkörpern die untrennbaren und völlig naiven Antihelden mit einer unglaublichen Spielfreude; den Wortwitz ihres Dialogs setzen sie so frisch um, als hätten sie in der Tat schon zwei Lebzeiten lang solche wirren Dialoge geführt. Einzig und allein ihr Gegenspieler - der von Richard Dreyfuss gespielte Kopf der Schauspielertruppe - vermag zeitweilig, sich als dritte Hauptfigur zu etablieren.
Voraussetzungen: Man hat sicherlich mehr von dem Film, wenn man mit dem wesentlichen Handlungsgefüge von Hamlet vertraut ist, auch sollte man ein Faible für dialoglastige Filme haben. Dennoch ist der Film auch etwas für das Auge, denn besonders Oldman spielt mit kindlicher Freude an den Requisiten herum; als running gag sind immer wieder kleine naturwissenschaftliche Experimente eingebaut, die er beiläufig mit Papierfetzen, Stöckchen und Apfelresten anstellt.
Die Übertragung ins Deutsche erscheint mir gelungen; zum Glück wurde dem Zwang zur Lippensynchronisation nicht, wie so oft, der Wortwitz gänzlich geopfert. So ist die Dynamik z.B. der wunderbaren Szene, wo die Beiden ein Tennismatch ohne Schläger und Ball, nur mit Worten austragen, auch im Deutschen zu genießen.
Alles in allem: eine gelungene, originelle Erweiterung jeder Shakespeare-Filmsammlung, vor allem aber ein Augen- und Ohrenschmaus für Fans von Tim Roth und Gary Oldman und überhaupt einer dynamischen und lebendigen Umsetzung eines herausfordernden Stoffes.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Absurd, Analytisch & Liebenswert, 2. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Rosenkranz und Güldenstern (DVD)
Rosenkranz & Güldenstern geben Shakespeares "Hamlet" eine ganz neue Bedeutung. Die beiden herumstreunernden Nebencharaktere des gleichnamigen Trauerspiels glänzen mit viel Witz und Slapstick den Film hindurch, wärend sie versuchen den Gemütszustand von Hamlet zu ergründen. Tiefgründig und gleichzeitig mit viel trockenem Humor wird das Universum von Shakespeares Meisterwerk hinterfragt und komplett neu ausgeleuchtet.
Absolutes Highlight ist das Wortgefecht auf dem Volleyballfeld (mit "Aufschlagwechsel").
Voraussetzung für Rosenkranz & Güldenstern: Hamlet gelesen oder gesehen haben. Sonst geht zu oft der Humor flöten.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
400 Jahre vor Laurel & Hardy!, 15. April 2003
Rezension bezieht sich auf: Rosenkranz und Güldenstern (DVD)
In the long run we're all dead!"
Rosenstern und Güldenkranz, zwei Nebenfiguren in Shakespeares „Hamlet", sind aber auch dermaßen nebensächlich, daß man sie gar nicht auseinanderhalten kann. In Stoppards Komödie stehen sie zwar ständig im Mittelpunkt (eher stehen sie ständig irgendwo herum; der Mittelpunkt ist stets woanders), sind aber immer noch so unwichtig, daß sie sich am Ende einfach auflösen. Und keiner hat`s gemerkt!
Intelligente Dialoge, ein schräger Humor und eine exzellente Besetzung (Gary Oldmann, Tim Roth, Richard Dreyfuss) zeichnen diesen Film von Shakespeare-Kenner Tom Stoppard ("Shakespeare in Love") aus. Und Shakespeare und Monty Python hätten daran ihre Freude gehabt. Denn was ist schon Logik, wenn der Wahnwitz regiert!
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