Elisabeth Brandner, eine erfolgreiche Autorin von Kriminalromanen beobachtet eines Abends eine Schlägerei zwischen zwei Jugendlichen. Einem Impuls folgend nimmt sie einen der beiden Beteiligten, das durch einen Faustschlag verletzte Mädchen, zu sich und lässt es - schließlich über Monate - bei sich wohnen.
Die Geschichte ist konsequent aus der Sicht der Schriftstellerin erzählt. Ihre Wahrnehmung des Verhaltens ihres Gastes, ihre Gedanken und Erinnerungen an ihre eigene Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter spielen eine große Rolle und kommen ihr in der Einnerung wieder näher.
Es scheint, als habe Elisabeth Brandner sich nach einer emotional erschütternden Kindheit ein sicheres, erschütterungsfreies Single-Leben geschaffen. Eigentumswohnung, Auto, Selbständigkeit, eine Freundin zum Reden. Emotionen drückt sie in den von ihr verfassten Krimis aus. Ausgelöst durch das junge Mädchen, Annabelle, kommt diese geordnete Welt ins Wanken. Zusätzlich - wie könnte es anders sein in instabilen Lebenslagen - wird ihr gewohntes Leben dadurch erschüttert, dass sie einen Mann kennenlernt.
Die zunehmende Spannung in ihrem Leben äußert sich auf der zweiten Ebene des Romans: In ständigen Änderungen und Dramatisierungen im Kriminalroman, den sie gerade schreibt.
Auf der Handlungsebene scheint Elisabeth Brandners Verhalten unlogisch: Eine fremde junge Frau aufzunehmen, sie trotz vielfältigen Fehlverhaltens (Stehlen, Alkoholkonsum,...) monatelang in der eigenen Wohnung zu lassen, wirkt in Anbetracht des sonst so geordneten Lebens irrsinnig. Lauscht man aber ihrm inneren Dialog, hört man von ihren Kindheitserinnerungen, kann man ihre eigene emotionale Unsicherheit verstehen und ihr scheinbar irrationales Verhalten ein wenig einordnen.
Der Plot läuft, wie es sich für einen guten Psycho-Thriller gehört, auf ein spannendes, auflösendes, jedoch kaum tröstliches Finale zu.
Macht Spaß zu lesen!