Drei Männer klopften an die Tür am frühen Morgen des 20. Februar 1546. Als sie die Tür öffnete, wusste sie, dass die Männer eine Todesnachricht brachten. Sie, das war Katharina Luther, geborene von Bora, die die Nachricht vom Tode Martin Luthers in Eisleben erhielt. Mit dem Tode beginnt der Roman, der wesentliche Stationen des Lebens der Katharina von Bora beschreibt. Katharina von Bora kam mit 10 Jahren in das Zisterzienserinnenkloster Marienthron, wo sie 1515 nach dem Tode ihres Vaters den Schleier nahm. 1523 flieht sie mit 8 weiteren Nonnen zuerst nach Torgau, dann nach Wittenberg. Die ersten Seiten sind in kursiv geschrieben und werden von Katharina selbst erzählt. Sie lässt den Leser an ihren Gedanken beim Tode Luthers teilnehmen. Anschaulich werden danach die Jahre im Kloster beschrieben, die Wünsche und Sehnsüchte der jungen Klosterschülerin, aber auch die erste Begegnung mit ihrer Tante. Dann wird über die Flucht berichtet. Die Geschehnisse, die dem vorausgegangen sind, werden nur angedeutet. Das hätte ich mir ausführlicher gewünscht. Gefallen hat mir die Darstellung ihres Lebens in Wittenberg. Martin Luther wird als Mensch mit Fehlern und Schwächen dargestellt, der mit den Folgen der Reformation hadert. Besonders die Bauernaufstände lassen ihn innerlich nicht zur Ruhe kommen. Das Buch gibt keine Wertungen. Es stützt sich auf historische Quellen und wirkt deshalb authentisch. Historische Personen, z. B. König Christian von Dänemark und Melanchthon, werden, wo notwendig, in die Handlung mit einbezogen. Im Gegensatz zu manch andern Büchern wird hier auch auf die Sorgen Katharinas als Mutter eingegangen. Der Schreibstil hat mir gefallen. In zeitliche Abschnitte gegliedert, wird das Lesen erleichtert. Die Sprache ist dem Thema angemessen. Die eingefügten Gebete und Lieder sind passend.