Es gibt Männer, in die man sich nur wegen ihrer schönen Augen verliebt. Oder wegen des schüchternen Lächelns. Sagt man. Ich vermute, in Maximilian Hecker verliebt man sich in erster Linie wegen seiner zerbrechlichen Liebeslieder. Er ist der romantische Anti-Held mit Gitarre, der vor Sehnsucht vergeht und bitte, bitte, niemals aufhören möge.
Maximilian Hecker hat sich darauf spezialisiert, 100prozentige Liebeslieder zu schreiben. Und er macht es perfekt. Er treibt es sozusagen auf die Spitze. Nach „Infinite Love Songs" (2001, Kitty-Yo) erscheint im April 2003 sein zweites Album: „Rose" (Kitty-Yo). Jeder der elf neuen „Instant Love Songs" hat Maximilian Hecker selbst geschrieben, komponiert und eingespielt. Produziert wurde „Rose" von Gareth Jones, der auch schon mit Depeche Mode zusammen gearbeitet hat. Wer Heckers erstes Album gehört hat, wird auch diesmal die melancholische Stimme und die traurig-hymnenhaften Songs sofort wieder erkennen. Wird aber auch sofort feststellen, dass die Kompositionen instrumental viel komplexer sind und zum Teil sogar tanzbar. Mit „Daylight" z.B. macht Hecker eine geniale Zeitreise in die hardcore 80er Jahre und den A-ha Effekt perfekt nach. Danach legt er noch mit „My Love For You Is Insane" eine kurze 2step & dance Variante hin, um doch festzustellen: der tragisch romantische Gestus paßt doch viel besser zu mir, da bin ich zu Haus. Und das ist auch wirklich besser so, denn, es gibt noch eine Assoziation, die sich dabei unfreiwillig aufbaut, und zwar die mit Modern Talking. Das ist dann so'n bißchen zu viel.
Hecker ist der Don-Quijote-Berlin-Mitte-Boy, der sein Leiden zelebriert, und wartet, und fleht, und flieht, selbstzerstörerisch, im Selbstmitleid langsam zergehend, der Liebe hinterher hetzend, vor der Liebe flüchtend, jedenfalls die Liebe bis zum geht-nicht-mehr thematisierend. Seine Dulcinea hat auf dem aktuellen Album einen zeitgemäßeren Namen: Song Nr. 1, „Kate Moss".
Pop ist sehr verläßlich. In Pop we trust. Das wissen „Oasis" z.B. auch. Und es ist eigentlich sehr schön, wie die Songs auf „Rose" beginnen, wie sie sich langsam aufbauen, so angenehm voraussehbar. Da gibt es keine experimentelle Überraschung, außer vielleicht bei den beiden oben genannten Tracks. Jeder Song ist ein 100prozentiger Pop-Song im besten Sinne. Wie bei Schlagern kann man sich dabei auf die essentiellen Aussagen verlassen. Hecker setzt ganz bewußt auf Schlager-Floskeln und faszinierenderweise gelingt ihm dieser Flirt mit dem doch eher verpönten Zitat. Irgendwie scheint hier das Meiste ein Zitat zu sein, so echt postmodern, ohne offensichtliche Ironie, die Distanz ist nicht spürbar und spürbar zugleich. Man könnte es auch raffiniert einfache Liebeslieder nennen.
Bei dem ersten Album ging mir das pathetische Gehabe nach ca. vier mal hören total auf den Keks. Dieses mal aber habe ich mich nicht dagegen gewehrt und es entstand so ein komischer Effekt, so ähnlich wie bei Werken von Jeff Koons, dass man sich der oberflächlichen Schönheit in ihrer geballten Essenz einfach nicht entziehen kann. Mehr als das Nötigste wird auch nicht verwendet, mit „I want you, I need you, I love you" ist doch alles gesagt worden, und mit „you don't want me, you don't need me, you don't love me, you don't please me" alles erkannt. Das ist eigentlich die Aussage der meisten Songs. Aber es geht nicht ums finden, es geht ums Suchen.
Ohne den existentiallistischen Schmerz, das hier ist viel ursprünglicher, wie ein Klagelied eines letzten Schlager-Ritters. Man muss es einfach nur zulassen.