"Wer am Hintern zu schwer und im Kopf zu bequem ist....."
(Songtext)
In Jahre 1958 gründet der 16jährige Klaus Jentzsch (1942 - 2006) in Leipzig die nach dem Mädchennamen seiner Mutter benannte "Klaus Renft Combo". Nachdem die Gruppe bereits vier Jahre später mit einem Auftrittsverbot belegt wurde, gerät die 1964 gegründete Nachfolgeband "The Butlers" ins Visier der "Staatsicherheit" und wird infolge des staatlichen "Beatverbotes" zusammen mit anderen Beatformationen von der öffentlichen Bühne verbannt. Zwei Jahre nach den dadurch ausgelösten "Leipziger Beatkrawallen" darf die "Klaus Renft Combo" 1967 wieder öffentlich auftreten. In der Folgezeit zeichnet sich der regimekritische Liedermacher Gerulf Pannach für die Songtexte der Band zuständig, die nun aufgrund einer kurzeitigen Liberalisierung der Kulturpolitik 1973 ihr erstes Studioalbum "Klaus Renft Combo" veröffentlichen kann. Zwei Jahre später wird unter dem verkürzten Bandnamen "Renft" die gleichnamige zweite LP veröffentlich, was Ende September zu einem endgültigen Verbot der Gruppe führt....
....während Klaus "Jenni" Renft 1976 eine Griechin heiratet und im Mai nach Westberlin ausreist, werden Gerulf Pannach und Christian "Kuno" Kunert im November wegen angeblich staatsfeindlicher Hetze verhaftet, im Jahr darauf jedoch durch Vermittlung der Bundesregierung freigekauft und zur Ausreise nach Westberlin gezwungen.
Im Mai 1990 begibt sich "Renft" auf eine Reunion-Tour durch die noch bestehende "Deutsche Demokratische Republik" und veröffentlicht vier Jahre später die CD "Renft - Wer die Rose ehrt - Das Erbe" mit alten Aufnahmen, mit denen sie einst zur bekanntesten und beliebtesten Rockgruppe der ehemaligen "DDR" avancierten. Das Album bietet einen repräsentativen Querschnitt der musikalischen und textlichen Arbeit der Gruppe, der durchaus das Prädikat "Best of" oder "Greatest Hits" verdienen würde. Neben der unterschiedlichen Instrumentierung, sind es vor allem die manchmal witzig anmutenden, jedoch stets originell und tiefsinnigen Liedtexte die immer wieder für Spannung und Überraschung sorgen. Die 18 Songs weisen ein breites Spektrum an Stilelementen vor und bescheinigen der Band eine hervorragende Vielseitigkeit.
Während "Zwischen Liebe und Zorn" (1. Track) an eine Mixtur aus Jethro Tull and Black Sabbath erinnert, gibt es bei "Cäsars Blues" (2.) ein Mundharmonika-Intro das von einem synkopischen Klatschen und Bass begleitet wird. Im von Rhythmusgitarren bestimmten Folkstil beschwört "Der Apfeltraum" (3.) ein märchenhaftes Thema. "Wer die Rose ehrt" (4.) ist der von Orgelspiel und Querflöte getragene Titeltrack, ein humanistischer Appell. Mit eindringlichen Gitarrenakkorden thematisiert "Chilenisches Metall" (5.) den (Neo)Kolonialismus. "Nach der Schlacht" (6.) ist ein fetzig-rockiger Antikriegssong mit Schlagzeugsolo, der den Zynismus hinsichtlich "erforderlicher" Opfer der Revolution in Frage stellt. Eine imaginäre Auflehnung gegen Bevormundung bringt der Song "Als ich wie ein Vogel war" (7.) zum Ausdruck. Während "Kinder ich bin nicht der Sandmann" vor ideologischer Blindheit warnt (8.), ist "Baggerführer Willy" ein Contrysong mit Fiddle (!). "Ketten werden knapper" (9.) erinnert an den Zusammenbruch der Militärjunta in Griechenland und den Freiheitskampf anderer unterdrückter Völker. Mit Piano- und Saxophonspiel und einem "Kille Kille" wird in "Der Witz" (12.) eine totalitär verordnete Witzigkeit hinterfragt. "Wandersmann" (13.) vereint Psychadelic-Töne mit der Philosophie des "panta rhei". "Ich und der Rock" (14.) weckt Assoziationen an die "Rodgau Monotones", "Gänselieschen" (15.) bietet ein klasse Bottleneckspiel über Kollektiv- und Privateigentum und "Was mir fehlt" (16.) ist astreiner Southern Rock.
Stilistische Vielfalt, präzises Zusammenspiel und insbesondere tiefsinnige Liedtexte machen die CD "Renft - Wer die Rose ehrt - Das Erbe" zu einem historischen Zeitdokument, das mit 5 Amazonsternen zu bewerten ist.