Ein gut recherchierter, lesbarer Krimi, den Barbara Krohn da geschrieben hat. Die Handlungsorte allein haben es schon in sich: Das flippige San Francisco kontrastiert mit dem spröden Scharbeutz an der Ostsee, das Meer als reinigende Kraft zieht sich durch den gesamten Roman.
Schwer zu sagen, was diesen spannenden Krimi so matt macht. Ist es die zaghafte Heldin, die die Geschehnisse immer wieder verzögert? Sind es die papierenen, ein wenig überzeichneten Geschwister? Auch die Dialoge kommen direkt aus der Schreibstube, nicht aus dem Mund der Figuren. Dem gesamten Buch fehlt eine Lebhaftigkeit, eine Leibhaftigkeit, die Ingrid Noll, Donna Leon und all die anderen modernen Krimi-Literatinnen so stark machen. Die Geschichte, die erzählt wird, ist allerdings tadellos. Bis zum Ende tappt der Leser im Dunkeln, flackert hie und da ein Verdacht auf, ohne sich zu konkretisieren, bis zum überraschenden, zweischneidigen, erfreulichen Ende. Bei allen kleinen Schwächen ist das ein hübscher Roman, den man unbedingt auf die nächste Ostsee-Reise mitnehmen sollte!