Nach dem Roman von Amelie Fried drehte Franziska Buch 2010 mit der 45-jährigen Veronica Ferres in der Hauptrolle den Film "Rosannas Tochter".
Nela arbeitet als Primatenforscherin und steht durch ein endlich genehmigtes Auslandsprojekt kurz davor, einen eigenen Lehrstuhl zu erhalten. Sie lebt mit dem schönen, aber oberflächlichen Ausländer-Anwalt Josch (Fritz Karl, 43) zusammen, der sich selbst als Gutmensch empfindet, es aber mit der Einhaltung von Rechtsvorschriften nicht so hat.
Bei einem Autounfall stirbt Joschs Exfreundin Rosanna (Katja Brenner, 35), die ihre 14-jährige Tochter Aimée (Mathilde Bundschuh, 16) hinterlässt. Josch übernimmt gegen den Willen Nelas, die nie Kinder wollte, die Vormundschaft des Mädchens, das seiner Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Er spekuliert auch darauf, Nela diese Belastung anhängen zu können und damit vielleicht ihre Karriere zu blockieren. Dennoch bemüht sich Nela, dem verschlossenen Mädchen gerecht zu werden. Doch die kleine Lolita spürt sofort die dunklen Hintergründe bei Josch, intrigiert gegen Nela und versucht, sich an Josch heranzuschmusen.
Zunehmend wird Nela bewusst, wie kindisch und egozentrisch ihr Beau strukturiert ist. Seine verlogene Hingezogenheit zu der Halbwüchsigen entsetzt sie. Es kommt zu heftigem Streit, Nela verlässt Josch, betrinkt sich und nimmt als Expertin natürlich einen Affenmenschen mit aufs Zimmer.
Aimée sieht grünes Licht und kriecht zu Josch ins Bett - doch endlich begreift der, was da eigentlich läuft, und macht der in ihrer Kinderunterwäsche kuriosen "Verführerin" deutlich, dass sie auf einem schlechten Trip ist.
Daraufhin läuft Aimée mit einem Verehrer aus der Schule weg und verpasst sich eine Überdosis...
Fritz Karl spielt wieder mal überzeugend widerlich den charmanten, aber völlig selbstverliebten und rücksichtlosen Senioren-Beau. Veronica Ferres zeigt glaubwürdig den Übergang von der unglücklichen Dulderin zu einer Frau, die zunehmend selbst über ihr Leben mitentscheiden möchte. Mathilde Bundschuh bringt die neurotisch-zynische Halbwüchsige in gruseliger Brutalität.
Wenn man lernen möchte, dass "ein bisschen konsequent" ein Widerspruch in sich ist, kann der Film helfen. Alle ach so dramatischen Entwicklungen bedürfen des andauernden Schleifenlassens von Konfliktpotentialen. Wenigstens stellt der recht überzeugende Schluss in offener Manier die Weichen zu klareren Verhältnissen.
Insgesamt befasst man sich wenig erquickliche anderthalb Stunden lang mit recht konstruierten Problemen, die es in dieser Konstellation vermutlich kaum geben dürfte. Sowohl Fritz Karl als auch Veronica Ferres könnten sich ruhig etwas rarer machen - es ist ja schon, als hätte man ein Abonnement zu einer Kleinstadt-Boulevard-Bühne.
Passend zum unscharfen Konzept ist auch das Bild etwas verrauscht. Eine Blu-ray kann man sich also wirklich sparen - die DVD meiner Ansicht nach ebenfalls.
jury 3* A0356 17.1.2011e 10 A