Wenn es draußen weihnachtet "pilchert" es drinnen meistens gewaltig, zumindest am ersten Weihnachtstag im ZDF, am zweiten kommt ja dann das "Traumschiff"...
Nur damit Sie nicht durcheinander kommen.
So auch diesmal.Das routiniert abgespulte Herz-Schmerz-Dramolett in Postkartenoptik trug den bedeutungsschwangeren Titel "Alexas Glück", u. versuchte sich gleich an mehreren "Baustellen", da wäre zunächst die vom Schicksal arg gebeutelte Olivia, die Ärmste mußte ohne Vater aufwachsen, u. die Mutti tauchte auch ab in den Fluten, dargestellt von einer bis auf die Knochen abgemagerten Esther Schweins, die selber in einer Zeitung mit vier Buchstaben verlauten ließ, sie wolle nicht mehr die große Dürre sein, was angesichts ihrer Optik wie reinster Hohn wirkte.
So mußten wir Zuschauer uns also, die aufgrund ihrer Ausgemergeltheit alt wirkende, dafür aber grundgute Esther alias Olivia anschauen, wie sie sich von einem Klischee zum nächsten hangelte, u. prompt auf den einzig richtigen Fiesling der Soap hereinfiel, den bösen, bösen Noel, chairman seines Zeichens, auf gut Deutsch Vorstandsvorsitzender, was natürlich beeindrucken sollte. Schaute man sich jedoch sein "Loft" an, das hier u. da Schauplatz des durchschaubaren Geschehens war, dann fragte man sich, ob der Ausstatter bzw. Locationscout da wohl etwas mißverstanden hatte, fühlte man sich doch zuweilen eher an die Abstellkammer der Produktion erinnert, oder bestenfalls an ein altes 80er Jahre Sitcom Appartement, grottige Möblierung ließ grüßen. Was einem jugendlichen Ausstattungseiferer vielleicht "trendy" erscheinen mag, muß noch lange nicht zu einem gediegenen, älteren chairman passen, gelle?! Billigste Küchenstühle gleich neben einem simplen Pfeffer-u.-Salzoptik-Sofa, es reichte wohl nur für einen Zweisitzer, sprachen da eine klare Sprache.
Seltsam auch, daß eine Aussicht auf einer Dachterasse in Marrakesch genauso aussah wie die Terasse am heimischen Londoner Loft. Aber hier hatte man spätestens kapituliert vor so viel Anschlußfehlern, da kam es auf den einen mehr oder weniger auch nicht mehr an.
Weiterer Schauplatz die Titelheldin Alexa, sie eilte als deutsches Fräuleinwunder von Parkanlage zu Parkanlage, bzw. von Flußufer zu Flußufer u. stellte dar, will sagen, sie war stets nett u. adrett anzusehen, altersmäßig wie die gute Olivia auch schon eher bei den älteren Fräulein, deren Kinder schon Abitur haben müßten, denn noch gewickelt werden sollten, hier wurde einmal mehr verkehrte Welt gespielt, aber darauf kam es auch schon nicht mehr an.
Nicht zu vergessen, daß Alexa stets in hehrer Mission unterwegs war, nur wenn es um sie selber ging, wurde sie verschlossen wie eine Auster.
Und als ob das Alles noch nicht genug gewesen wäre, war da noch die Schwester von Alexa bzw. Halbschwester von Olivia, den farblosen Bruder lassen wir gleich mal weg, der stört nur, deren Namen mir vor lauter Belanglosigkeit schon wieder entfallen ist, die natürlich als Nobody-Möchtegern-Schriftstellerin beim ersten Manuskript einreichen gleich einen 3 Buch Vertrag an Land zog, weil sie in der Hotelhalle einen sympathischen Blonden getroffen hatte, der noch uninteressanter war, als man sich das je hätte vorstellen können, Abteilung, vergiß'es bzw.ihn.
Was dieser nervige Seitenstrang sollte, wird sich wohl nur dem Drehbuchschreiber, der gerne bei mir Stunden in Dramaturgie nehmen kann gegen ordentliche Bezahlung, erschlossen haben dürfte.
Und über all dem regierten "Vater Einfaltspinsel u. Mutter Sonnenschein" alias Familie Aird, die auf ihrem Protz Anwesen gut reden hatten, hier dürfte sich die schottische (dort wurde gedreht wie zu lesen war) Floristik Industrie gefreut haben, standen doch in jedem Bild mindestens zwei bis zwanzig riesige Blumengestecke in Hochzeitsoptik in der geschmackvollen Gegend herum.
Wie sich jetzt aber die einzelnen Irrungen u. Wirrungen um die arme Olivia u. den Rest der Familie entwickelten, werde ich Ihnen natürlich nicht verraten, anschauen dürfen Sie sich den Film schon selber.
Ich würde allerdings raten, wenn Sie sich das Ganze schon antun wollen, zuerst den ersten Teil mit dem Titel "Olivias Schicksal" zu gucken, damit Sie die volle Dröhnung haben, immerhin baut der Flachsinn ja aufeinander auf.
Für wen eignet sich diese Schmonzette?
Für alle die gerne Texte mitsprechen, u. vorher wissen wollen was geschieht, wer keine Überraschungen mag ist hier goldrichtig.
Alles ist hübsch vorhersehbar, u. auch noch nach dem dritten Doppelten so klar wie Kloßbrühe. Hier können selbst Verzweifelte nicht mehr mehr verzweifeln, weil, mehr geht einfach nicht.
Gut, die schönen Landschaftsaufnahmen entschädigten für einiges, aber eben nicht für alles. Und von Eleonore Weisgerber hatte man auch schon Profunderes gesehen.
Hier beweiste sich einmal mehr die Binsenweisheit "Gut gemeint ist eben nicht gleich gut gemacht", oder "Das Gegenteil von gut ist gut gemeint".
War vor zwei Jahren der Rosamunde P. Zweiteiler noch mit einer sehr guten Senta Berger in der Hauptrolle, die die etwas magere Geschichte damals wirklich noch herausriß, so konnte mittlerweile davon keine Rede mehr sein, die Akteure der diesjährigen Staffel blieben weit hinter dem Vorvorjahresergebnis, fehlte nur noch, daß die Mikros ins Bild gehangen hätten.
Wenn Sie mein Resümee, diesen Film betreffend, wissen wollen, dann sage ich Ihnen: Es gibt Filme, bei denen man nebenbei noch gut etwas anderes machen kann. Es gibt aber auch Filme, bei denen man nebenbei noch etwas anderes machen MUSS. Und so ein Film ist das hier.