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Buchnotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 14.09.2000
Eine Rezension, ebenso verwirrend, verschachtelt, vielschichtig wie der Roman, von dem Bruno Steigers Text handelt. Fassen wir zusammen, was wir verstanden oder behalten haben: eigentlicher Ausgangspunkt ist das Todeslager Kulmhof in Polen, wo 1942 die erste Massentötung stattgefunden hat. Drumherum und später wird von den verschiedensten Leuten recherchiert, wobei reale wie fiktive Untersuchungen in diesen Prosaversuch von Thomas Harlan, Sohn des Regisseurs Veit Harlan, hineingeflossen sein sollen: einen "noch nicht dagewesenen Roman der Dokumente" vermeldet Steiger. Man tue gut daran, schreibt der Rezensent weiter, "Rosa" nicht als die übliche belletristische Holocaust-Bewältigungsliteratur zu sehen. Es gehe nicht darum, Wahrheit aufzudecken oder die Vergangenheit zu verstehen, sondern vielmehr sie überhaupt zu erfassen, sich ein Bild von ihr zu machen. Harlans Buch, sagt Steiger, lege sehr sprachgewaltig Zeugnis davon ab.
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Kurzbeschreibung
Eine Lichtung im Walde bei Chelmno in Polen. Aus der schneeverwehten Ebene wölbt sich das Dach eines Erdhauses, ein Pferd ohne Schwanz ist an den rauchenden, klapprigen Schornstein gebunden, der aus dem Boden ragt. In der Höhle haust Rosa. Sie ist die ehemalige Verlobte von Franz Maderholz, einem der Handlanger der ersten großen Judenvernichtungsaktion im Zweiten Weltkrieg. Die Asche seiner Opfer füllt den Boden der damals dafür eigens gehauenen Lichtung, in der nun Rosas Heimstatt ist. Seltsame Pflanzen wuchern über diesen Boden, verwachsene Tiere bewohnen den Wald.
Eine Gruppe von Filmemachern hat von den Gerüchten über die damaligen Ereignisse und die unheimlichen Lebensformen im Wald erfahren und spürt den Schicksalen Rosas, Franzens, des Pferdes und anderer nach. Die Spuren führen ins polnisch-ukrainische Grenzgebiet, die Karstgebirge vor Triest, eine Lungenheilanstalt in den Alpen, ins Berlin der Nazizeit und nach Walldürn am Odenwald.
Virtuos setzt Harlan verschiedenste Textsorten und Stilmittel ein, seine Prosa ist verschlungen, manchmal bis zur Schmerzgrenze brutal, manchmal von irisierendem mystischem Glanz.