Allein schon das Format, einen Roman in zwei Hälften zu teilen, die als eigenständige Erzählungen funktionieren, ist beachtenswert und widersetzt sich den Lesegewohnheiten. Im ersten Teil geht es um Rosa, um das Leben einer gläubigen Frau, die miterleben muss, wie die Revolution 1959 über ihren hart erarbeiteten Besitz her fällt und ihn sich einverleibt. Auf rund siebzig Seiten komprimiert, die Lebensgeschichte einer kubanischen Familie, deren strenges Matriachat durch die Mutter gestützt wird, aber auch einer Familie, die zerfällt, sich von alten Werten (Rosas Werten) distanziert. Als Leser begleitet man Rosas Leben und das Leben ihrer Familie mit Blick über Rosas Schulter; die Bilder sind hochverdichtet und sehr poetisch, jedoch immer klar verständlich und trotz ihrer poetischen Kraft sehr einfach strukturiert.
Im zweiten Teil (Arturo, der hellste Stern) wird die Geschichte vom jüngsten Sohn Rosas weitergesponnen; der Fokus neu ausgerichtet, und mit dem neuen Fokus wird auch die Sprache geändert. Arenas schreibt die ganze (äußerst tragische) Geschichte von Arturo in einem einzigen, langen Satz. Arenas benutzt alle anderen Satzzeichen, um Denk- und Atempausen zu simulieren oder im das Lesetempo zu regeln. Arturo baut sich in seinen Träumen ein Schloss, und zwar Stein für Stein, Seidenbahn für Seidenbahn, Goldstuck und Parkanlagen, wilde Tiere und Seen und Teiche - und natürlich mit dem Geliebten, der ihm in seinem Leben in Gefangenschaft verwehrt blieb. Und den letzten Stein, die größte Annäherung an seinen geliebten findet Arturo in dem Moment, in dem er ...
Beide Geschichten - so könnte man schließen - sind Arenas persönliche Abrechnung mit der Revolution Castros 1959 - und was daraus wurde. Es ist aber kein unversöhnlicher Zorn, der die Geschichte vorantreibt, sondern die Zerrissenheit eines Menschen, der seine Heimat zutiefst liebt, sich aber durch die neuen Lebensumstände dort nicht mehr in der Lage sieht, ein würdiges Leben, mit einem Anrecht auf einen Hauch Glück zu finden. Und so ist trotz aller Kritik an der Revolution der Grundtenor des Buches nicht Hass, sondern Verzweiflung, und eine geradezu unverbrüchliche Hinwendung zum Leben, zum kubanischen Leben, zu praller Lebensfreude.