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Rosa Gott, wir loben dich [Gebundene Ausgabe]

Ruth Johanna Benrath
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.



Kurzbeschreibung

2. Februar 2009
Maries Welt gerät ins Wanken: Die religiöse Strenge, mit der ihr Vater die Familie mehr schlecht als recht zusammenzuhalten versucht, wird dem Mädchen immer suspekter. Sie findet eine aufregende neue Freundin, nur um zu erleben, wie sich diese schon bald einer anderen zuwendet. Der erste Schwarm verdreht ihr den Kopf, und ihr Körper hat plötzlich unheimlich schöne Bedürfnisse, die mit Kaubonbons nicht mehr zu befriedigen sind.
Mitten in den unverwechselbaren achtziger Jahren schneidet sich ein Mädchen die Haare kurz, entscheidet sich für einen eigenen Stil und bringt damit nicht zuletzt in ihrer von Nonnen geführten Mädchenschule die Ordnung der Dinge durcheinander. Und sie entdeckt die Liebe - die zu Ravi, einem Jungen aus ihrer Theatergruppe, aber auch die Liebe zur Mutter und die zur Literatur. Vor allem Letztere macht diesen Roman zu einer ungewöhnlichen Geschichte vom Weg zum eigenen Ich

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
  • Verlag: Steidl; Auflage: 1. (2. Februar 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3865218792
  • ISBN-13: 978-3865218797
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 12,8 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 685.935 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Also: ein genießerisch geschriebenes, eingängiges Buch, das den Leser mitnimmt in die Welt der jungen Mädchenblüten. Man muss sich nicht vor zu viel Rosa fürchten; der Roman ist sehr farbenfroh. -- Basler Zeitung, 21.4.09

Ein fesselndes Buch, das man in einem Rutsch durchliest. -- DeutschlandRadio, Büchermarkt, 22.5.09

Ruth Johanna Benrath hat mit "Rosa Gott wir lieben dich" einen hochinteressanten Bildungsroman aus den 80er Jahren geschrieben. -- SWR, 16.5.09

Rezension

Ein fesselndes Buch, das man in einem Rutsch durchliest.

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Von Ein Leser
In schlichtes Schwarz gehüllt liegt es vor mir auf dem Tisch, farbige Wörter heben sich bunt vom Schutzumschlag ab, darunter ein warmes Orange: "Rosa Gott, wir loben dich" heißt der mit 176 Seiten daumendicke, 2009 erschienene Prosa-Erstling von Ruth Johanna Benrath. Nach 'Kehllaute' aus dem Jahr 2007, einem Band mit Lyrik und Kurzprosa, nun ein Roman. Ich gebe es zu, ich selbst bin kein großer Freund der Lyrik, zu oft verschließt sie sich mir, obwohl ich klug und sinnlich konstruierten Texten durchaus Hochachtung zolle. Wird es mir bei der Prosa einer Lyrikerin ähnlich gehen? Mit einer gewissen Befangenheit im Kopf öffne ich den Buchdeckel, erwarte geradezu einen schwierigen Text ... und werde von der Autorin, ja, was eigentlich? Überrascht? Verunsichert? Gar enttäuscht?
Kurze Sätze springen mich an. Knappe Sätze, einfache Konstruktionen. Bestenfalls reiht sich Nebensatz an Hauptsatz. Oft bleibt es beim Hauptsatz. Wie habe ich das zu verstehen? Ich blättere vor, wieder zurück, lese quer. Ändert sich das noch? Jedenfalls nicht auf den nächsten Seiten. Doch ich will nicht vorgreifen, ein Urteil über einen Text sollte nicht schon gefällt werden, bevor sich einem dessen Inhalt erschließt. Zunächst also eine kurze Übersicht der Geschichte Maries, deren Lebensweg der Leser ein Stück weit begleitet:

Marie ist fünf Jahre alt und liegt im Krankenhaus, sie hat eine Fehlbildung im Harnsystem und muss immer mal wieder stationär behandelt werden. Aus ihrer Perspektive erfährt man mehr über ihre Lebenswirklichkeit irgendwann in den 80er Jahren, geprägt durch die religiöse Dominanz des Vaters. Der ist zwar kein richtiger Despot, prägt die Familie aber doch entscheidend. Er sieht alles, wenn er auch nicht alles hört und stumm bleibt. Zumindest empfindet Marie das so. Wenn er mal spricht, dann zieht er die Bibel als Referenz heran. Maries Mutter hingegen ist eine seelisch eher labile Person, die viel mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen hat. Nach der Geburt von Maries zweitem kleinen Bruder Gero bekommt sie Depressionen, muss zur Kur, gleitet jedoch immer mehr ab. Dies alles nimmt Marie mit kindlicher Neugier wahr: das Krankenhaus, die Schwangerschaft der Mutter, das neue Geschwisterchen. Um herauszufinden wie Kinder entstehen startet sie sogar einen Feldversuch mit den eigenen Kaninchen. An Aufklärung ist im Haus des Vaters nicht zu denken, dabei hat Marie durchaus Interesse am kleinen Unterschied. In der von Nonnen geführten Mädchenschule erzählt man sich von der Schnecke der Jungen, die in deren Hosen zu finden sei. Der Sache auf den Grund zu gehen ist allerdings nicht einfach und bald auch wieder verworfen, denn Marie lernt Lisa kennen. Sie werden beste Freundinnen, schon bald auch mehr als das. Die aufkommende Pubertät weckt neue Gefühle in Marie, eine neue Körperlichkeit stellt sich ein. Als Lisa sich jedoch von ihr abwendet ist Marie wieder der Familiensituation ausgeliefert. Durch die Literaturempfehlung einer Nonne wird sie auf die Schönheit der Lyrik aufmerksam und flüchtet sich in erste eigene Gehversuche auf dem Feld des schönen Wortes. Lisa zu beeindrucken und ihren Gefühlen Ausdruck geben zu können ist Maries Ziel, jedoch verlaufen ihre Anstrengungen im Sande, zumindest was Lisa betrifft. Auch die neue Frisur und das Aufkommen erster rebellischer Gedanken der Religiosität des Vaters gegenüber, mit der dieser seine Weltsicht rechtfertigt, können diese nicht zurückholen. Nach der Teilnahme an einem christlichen Jugendcamp verändert sich Marie, allerdings nicht im Sinne des Vaters. Die anstehende Aufführung von Schillers Kabale und Liebe nimmt ihre Aufmerksamkeit gefangen, denn dafür proben die Mädchen mit den Jungen der Nachbarschule zusammen. Ein Gerangel um die Rollen und die Jungen beginnt. Marie als Lady Milford verguckt sich in Ravi, der den Vater von Luise gibt. Hin und her gerissen zwischen der gläubigen Familie mit der depressiven Mutter und dem frechen Jungen aus liberalerem Elternhaus entschließt sich Marie, ein Doppelleben zur führen. So oft sie kann stiehlt sie sich davon und verbringt Zeit mir Ravi. Bei ihm zuhause kommen sich die beiden näher; zu Songs der Rolling Stones von Platte stellen sie auf dem Futon erste Erkundungen des anderen Körpers an. Nach einem gemeinsamen Besuch der Kinovorführung der Rocky Horror Picture Show mit Ravi fliegt Maries heimliche Liebe jedoch auf. Ihr Vater hat sie gesehen und verbietet ihr mit christlicher Moral und Strenge den weiteren Umgang mit ihrem Freund. Da Marie sich Ravi nicht erklären kann, kommt es zum Bruch zwischen den beiden. Auch die Lyrik kann dieses Mal den Schmerz nicht heilen, für Marie bleibt nur ein Ausweg ...

Ruth Johannas Benraths Roman ist ein Buch, das sich einer klaren Kategorisierung entzieht. Ist es ein Jugendbuch, ein Bildungsroman? Im Ansatz vielleicht, aber es überwindet dabei die Grenzen einer allzu platten Vermittlung von Moral und wendet sich damit ganz klar an erwachsene Leser, die Marie bei der Erweiterung ihres eigenen Horizonts, ihrer wachsenden Weltsicht, begleiten. Aber auch den Erwartungen einer Leserschaft, die ihre eigenes Aufwachsen in den 80er Jahren verklärt Revue passieren lassen möchte, werden enttäuscht. Der Roman verweigert sich jedem Etikett und entwickelt seinen ganz eigenen Charme. Dies geschieht durch eine kluge Konstruktion des Textes, die mir als Rezensenten zu Beginn des Buches noch verborgen blieb. Natürlich sind die Sätze am Anfang einfach in Wahrnehmung und Aussage, stimmen dadurch aber mit dem Erfahrungshorizont eines fünfjährigen Mädchens überein. Die immer wieder eingeflochtenen Bibelzitate durchdringen dabei Maries Wahrnehmung und verdeutlichen die durch die Religion geprägte Familiensituation und die ambivalente Beziehung zu ihrem Vater. Im Laufe des Buches wandelt sich der Text aber, so wie Marie sich eben auch verändert. An die Stelle der Bibel treten andere Einflüsse, ABBA zum Beispiel, die Lyrik Else Lasker-Schülers, Schillers poetische Sprache. So wie Marie immer mehr Worte für ihre Welt und Gefühle findet, wächst auch der Text heran, erweitert sich und wird komplexer. Damit wird das auf den ersten Blick eher schlichte Geschichtchen zu einem fordernden Text, der seine Leser allerdings nie überfordert. Mich hat der Roman in der Beziehung mit dem ersten eher skeptischen Eindruck wieder versöhnt, allerdings nicht in voller Gänze. Der Roman verzichtet konsequent auf eine Einteilung in Kapitel, hat nur wenige Absätze. Dies mag zwar ein Stilmittel sein um das Heranwachsen Maries als kompletten Prozess zu schildern, kann es dem Leser dadurch aber auch unnötig schwer machen. Schließlich erstreckt sich die Handlung über mehrere Jahre, eine Unterteilung zur Kenntlichmachung von Zeitsprüngen und 'blinden Flecken' in Maries Biografie erscheint mir daher logischer, zumal es für mich, als notorischem Ein-Kapitel-noch-vor-dem-Zubettgehen-Leser einfach bequemer ist, eine überschaubare Anzahl von Seiten vor mir zu wissen. Mit der fehlenden Kennzeichnung von mündlicher Rede im Fließtext kann man hingegen sehr gut zurechtgekommen, die Autorin lässt in der Beziehung keine Fragen offen. Dies zeigt sich besonders gut in der Szene, in der Marie im Krankenhaus ein Kontrastmittel zur Röntgenuntersuchung in die Blase gespritzt bekommt. Hier mischen sich Wahrnehmung und Gedanken Maries mit Bibelzitaten und der Rede des Arztes in zeilenlangen Sätzen, ohne dass man als Leser die Übersicht verliert. Auch Maries Erfahrungen mit dem eigenen aber auch fremden Körper sind in ihrer sprachlichen Ehrlichkeit überzeugend dargestellt, kommen ohne voyeuristische Züge oder Peinlichkeiten aus. Eine für mich gelungene Leistung der Autorin. Besonders verliebt habe ich mich jedoch in das von Marie geschaffene Bild des Vaters, die diesen immer wieder als allsehende Eule beschreibt und lauernd im Hintergrund weiß.
Kann ich den Roman also als lesenswert empfehlen? Ja, auch wenn er mit kleinen Sperrigkeiten zu kämpfen hat, die den Gesamteindruck für mich aber nur wenig trüben. Sie rechtfertigen keine Nicht-Beachtung des Buches, vielmehr können und sollten sie zu wiederholtem Lesen anregen. Dadurch wird einem als Leser noch mehr bewusst, wie viel Mühe und Liebe zum Detail Ruth Johanna Benrath in die Konstruktion ihres ersten Romans gesteckt hat. Etwas anderes hätte ich von einer Lyrikerin auch nicht erwartet ... und das sage ich als jemand, der von Lyrik eigentlich keine Ahnung hat!
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1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unausgesprochenes 18. September 2010
Von Amazon bestätigter Kauf
Die Autorin ist sehr nah dran am Dialog eines Mädchens mit ihrem Vater, mit Gott, mit ihren Freunden, mit wichtigen Stimmen ihrer Kindheit und Jugend.
Beeindruckend die Schreibe, da der Dialog nicht durch " ..." gekennzeichnet ist und dadurch noch präsenter im Kopf der Protagonistin und auch für mich als Leserin daherkommt.
vielen dank dafür!
marita
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