Franklin Delano Roosevelt (1882-1945), der einzige viermal ins Weiße Haus gewählte Präsident der USA, entstammte einer bekannten, hochangesehenen, wohlhabenden Familie, die vor ihm schon einmal einen Präsidenten - Theodore Roosevelt (1858-1919) - hervorgebracht hatte. Er war ein "Kind der herrschenden Klasse, dem Geburt und Herkunft das Leben ebneten und damit den Aufstieg sicherten". Zum Teil sei es - wie der Autor sagt - gerade das Bewusstsein seines privilegierten Daseins gewesen, das ihn zum Reformer machte und so weit gehen ließ, dass er für manche zum "Verräter an seiner eigenen Klasse" wurde. Es bleibe aber im Grunde ein Rätsel "woher dieser aristokratisch erzogene, zuweilen arrogant und oberflächlich wirkende Mensch den Idealismus, die Kraft und das politische Genie bezog, die es ihm ermöglichten, Amerika zu demokratisieren, zu modernisieren und zu humanisieren, um es dann im Zweiten Weltkrieg zur führenden Macht der Erde zu machen".
Ein Grund für seinen Erfolg mag in einem entscheidenden Charakterzug liegen: Er strahlte Lebensfreude und Optimismus aus, womit er einem großen Teil des amerikanischen Volkes Hoffnung schenkte und dessen Unterstützung gewann. Eine solche Haltung erscheint jedoch alles andere als selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass Roosevelt im Grunde eine tragische Gestalt war. "Denn dieser ehrgeizige, gutaussehende Liebling der Götter und der Frauen war auf dem Höhepunkt seiner Karriere und in der Mitte des Lebens an Kinderlähmung erkrankt und hatte sich nach jahrelangem Kampf gegen die Krankheit mit der Tatsache abfinden müssen, dass er zum Krüppel geworden war, der keinen Schritt ohne fremde Hilfe gehen konnte."
Zu seinem anerzogenen Selbstverständnis als "Gentleman" gehörte jedoch eine straffe Selbstdisziplin, die es ihm gebot, seine Gefühle hinter der unergründlichen Maske eines "stets einsatzbereiten Lächelns" zu verbergen. Trotz seiner Reformen blieben die Maximen seiner Klasse für ihn bestimmend. Und so galt auch für den Sohn, was die Mutter einmal an ihn schrieb: "Da mag man noch so demokratisch sein, der dumme alte Spruch "noblesse oblige" ist doch gut."
Diese Monographie erscheint mir meisterhaft in ihrer gelungenen Verbindung von zeitgeschichtlich-politischem Fachwissen und achtsamer psychologischer Charakterisierung. Der Autor versteht es, bei aller Sachbezogenheit stets den Menschen Franklin Delano Roosevelt im Blick zu behalten, wodurch ein sehr persönliches und lebendiges Bild dieses Präsidenten und seiner Politik entsteht.