Shadow Gallery zählen schon seit einiger Zeit zu der Speerspitze des Progressive Metal, doch ein solch geniales Album hätte ich selbst als bekennender Fan der Band nicht erwartet. Ein so stimmiges Konzeptalbum habe ich seit "Scenes From a Memory" von Dream Theater nicht mehr gehört.
Das Album beginnt enorm komplex mit dem sehr verfrickelten Instrumental "Manhunt", das trotz seiner Verwundenheit sofort im Ohr bleibt. Gefolgt wird dieses Intro direkt von einer unglaublich schönen Ballade, "Comfort Me", das textlich wie musikalisch einfach nur noch schön ist und durch unerwartete melodiöse Wendungen auffällt. Sehr mutige Entscheidung, einen solchen Song gleich zu Beginn des Albums zu bringen. Nach der härteren Hardrockhymne "The Andromeda Strain" macht sich die Band an die nächaste Ballade, "Vow", die nicht minder genial, weil unglaublich schön ist, als das erwähnte Comfort Me. Für den Hardcore-Metaller dürfte das natürlich zu viel sein, doch im Rahmen des Konzepts und der Geschichte (die zu diesem Zeitpunkt eine scheinbar positive, romantische Wendung erfährt) ist es schlicht absolut stimmig, eher ruhigere, sehnsuchtsvollere Seelentröster statt Prog-Hymnen zu bringen. Doch selbst der Otto-Normal-Proghörer dürfte mit den anschließenden Zwillings-Instrumentals "Birth of a Daughter/Death of a Mother" zufriedengestellt sein, die auf beeindruckende Weise musikalische eben jene Themen des einhergehenden Todes einer Mutter bei Geburt ihrer Tochter beschreiben. Selten habe ich musikalisch so überzeugend die innere Zerrissenheit, die mit einem solchen Ereignis einhergeht, vertont gehört. Am ehesten könnte man dieses musikalische Einhergehen mit den lyrischen Motiven noch mit dem hyperintensiven "Remedy Lane" von Pain Of Salvation vergleichen. Dennoch ist die Elegie des Hauptcharakters "Lamentia", in welcher er den Tod seiner Frau beklagt, und die den dritten Teil der Geschichte (die ja bereits auf dem vorletzten Album "Tyranny" in den ersten Grundzügen erzählt wurde) beschließt, wohl nicht nur für mich der absolute, wenn auch enorm traurige, Höhepunkt des Albums. Wenn Mike Baker zu einer unglaublich tragisch-melancholischen Gesangsmelodie "And now you've gone away, I begged you oh please don't go away and leave me here. I am broken" singt, fällt es schwer, die Tränen zurückzuhalten. Intensiver kann Musik kaum sein.
Doch der vierte Teil der Geschichte steht den anderen in kompositorischer Hinsicht ebenso in nichts nach. Musikalisch und textlich ist die Wehmut der vorangegangenen Songs vergessen und die Story erfährt eine interessante Wenung, die ich jedoch an dieser Stelle (wie bei einem guten Film) nicht verraten möchte. Musikalisch wird dies untermalt durch grandiose Proghymnen, wie man sie seit "Images and Words" nicht mehr gehört hat. Einen melodiös wunderschönen und dennoch musikalisch spannenden Song wie "The Archer of Ben Salem" wird der geneigte Proghörer wohl nicht häufig zu hören bekommen und für einen so stimmigen Schlussong wie die Gänsehautgarantie "Rain" mit grandiosen Vokalharmonien und einem nur noch hypergenialen Gitarrensolo kann man nur noch den Göttern danken.
Und dass das Pink Floyd Medley auf der Bonus CD nur noch großartig ist, möchte ich gar nicht gesondert erwähnen, da schon das Album so wundervoll ist, dass die nicht minder grandiosen Zugaben auf der Bonus CD eigentlich gar nicht vonnöten wären.
Für mich bisher im Progbereich das absolute Highlight des Jahres.