Diese sehr private und vielleicht schonungslos offene Autobiographie von Ron Wood, der seit 1975/1976 angestelltes Mitglied der Rolling Stones ist, ergänzt die bisherigen Rolling Stones Biographien ganz prima.
Ronnies Blickwinkel ist eine Bereicherung, auch wenn beim Lesen von Anfang an das Gefühl aufkommt, Mick Jagger und Keith Richards haben in ihm endlich das Bandmitglied zum Herumschubsen gefunden, das Mick Taylor nicht sein wollte und Jeff Beck und Eric Clapton nicht sein konnten. Er nimmt es mit Humor. Auf dieses Thema angesprochen sagt er im Featurette der DVD Shine A Light treffend "You've gotta be able to live with these people."
Die in jeder Beziehung zukunftsweisende Prägung durch das Elternhaus Wood war für mich neu, die frühen Begegnungen in der englischen Clubszene mit den künftigen Mitgliedern der Rolling Stones schon bei Blues Incorporated und die Verbindungen zu Yardbirds, Small Faces und Beatles, die Verehrung gemeinsamer (schwarzer) Quellen, z. B. Ellas (nicht Ellis wie auf Seite 55) McDaniel für die eigene Musik sind immer wieder interessant. Es geht thematisch allerdings endlich einmal über die ausreichend beschriebenen Sechziger Jahre hinaus bis zum Freikonzert in Rio, dem Kokosnussfall von Keith, den Filmaufnahmen im Beacon Theatre und dem Abschlusskonzert der Bigger-Bang-Tour im Millennium Dome in London.
Die Einblicke in die jahrelange exzessive Drogensucht und das chaotische Leben der Musiker sind beeindruckend und verdeutlichen, dass weder Keith Richards noch Ronnie Wood als erste Wahl für eine Wohngemeinschaft oder als Lieblingsnachbarn taugen.
Ähnlich wie Bill Wyman versucht auch Ron Wood, seinen unterschätzten Beitrag zum Werk der Rolling Stones deutlich werden zu lassen. Ich empfehle dennoch Ron Woods Solowerke als Hintergrundmusik. Das vermeintlich kongeniale Zusammenspiel Wood/Richards sehe ich - vor allem live - deutlich kritischer als Ronnie selbst. Schon Alexis Korner nannte Keith Richards sinngemäß den besten schlechten Gitarrenspieler der Welt.
Im letzten Drittel nimmt das "Namedropping" von Sportlern, Künstlern, Schauspielern, Musikern und Models in seinem Leben - neben all den Lanies und Moonies zuvor - etwas überhand. Es scheint, Ron Wood kann selbst immer noch nicht glauben, wo er gelandet ist. Established.
Die vermutlich komplette Diskographie inklusive veröffentlichter Gastauftritte bei Donavan, John Cale, Bob Dylan, natürlich Rod Stewart und nicht zuletzt George Harrison zeigt die Wertschätzung, die Ronnie als Musiker inzwischen entgegen gebracht wird. Seine Malerei und Zeichnungen sind ihm offensichtlich ebenso wichtig.
Das Buch ist dann auch üppig ausgestattet mit Hochglanzfotos aus dem Privatarchiv, zahlreichen Zeichnungen von Ron Wood, privaten Notizen und einigen Unterlagen zu den Tourneen. Keine Weltliteratur, aber lesens- und sehenswert.