Die Sprache der Knef ist einmalig. Ihr kauzig, knurriger Charme ist unverkennbar, ob in ihren selbstgeschriebenen Lied-Texten, in Interviews oder in ihren Büchern. Diesen Stil, diese sowohl herzlich erfrischende, als auch vernichtend brutale Direktheit, liebt man entweder oder lehnt sie komplett ab. Nach ihren biographischen Büchern "Der geschenkte Gaul" (1970), "Das Urteil" (1975) und "So nicht!" (1982) legte sie 1983, zum ersten Todestag Romy Schneiders, ihre Betrachtungen des Lebens ihrer Weggefährtin und guten Bekannten vor.
Sie kannten sich gut und sie mochten sich, obwohl sie verschiedener nicht hätten sein können. Beide kannten die Höllen des Lebens, die Widerhaken des Schiksals. Doch die eine (Knef) schuf sich einen robusten Panzer, in dem sie trotzig Vulgär-Journalismus, Kritiker-Feldzüge und private Katastrophen überstand, die andere (Schneider) hingegen, war alle dem schutzlos ausgeliefert und ging letztlich daran zugrunde. Zwischen den Zeilen des Buches meint man zu lesen, daß die ältere Knef bedauert, der jüngeren Romy Schneider nicht hatte helfen zu können. Dementsprechend, und auch gemäß ihres ohnehin nicht um Milde bemühten sprachlichen Duktus, geht Hildegard Knef mit den Peinigern Romy Schneiders ins Gericht und zwar wie man es intelligenter nicht hätte tun können. Ganz und gar unpathetisch und nicht gefühlsüberladen schildert sie einfach Situationen und Gespräche aus Romy Schneiders Leben, aus vielen Begegnungen mit ihr. Der moralische Angriff auf jene die Romy Schneider in den Mühlen des Filmgeschäfts, der Boulevard-Magazine, der überzogenen Erwartungshaltungen und des Leistungsdrucks zerrieben, ergibt sich für den Leser durch die Reflektion der beschriebenen Situation. Knef versteigt sich nicht ein einziges mal dazu jemanden konkret anzugreifen.
Daß sich vor allem die Mutter Magda Schneider von den Darstellungen der Knef aufs gröbste angegriffen und verletzt fühlt, ist nachvollziehbar. Nach Erscheinen des Buches tobte sie durch die Medien und wünschte der Knef Tod und Teufel für ihr Buch.
Dieses Buch erhebt nicht den Anspruch eine ganzheitliche Biographie zu sein. Es ist mehr ein Dolchstoß gegen Verlogenheit und Heuchelei der Filmbranche, der bunten Trivial-Medien, aber auch gegen die Einfältigkeit des Teils des Publikums, das mit den ewigen "Sissi"-Erwartungen einen gehörigen Beitrag zu der Zerstörung dieser sensiblen Seele geleistet hat. Die Knef provozierte wieder einmal, wie sie es oft tat. Nur mit diesem Buch tat sie es nicht um ihrer selbst Willen, sondern um einem Menschen, den sie offenbar sehr mochte, posthum Gerechtigkeit zu verschaffen.