Es ist nicht gerade einfach, über eine so schwierige, ja tragische Figur wie Romy Schneider einen biografischen Film zu drehen, der Freude macht, depressive Wirkungen in Grenzen hält und "nebenher" noch dem Leben und dem Werk der großen Schauspielerin gerecht wird.
Rosemarie Magdalena Albach geriet schon mit 15 Jahren, aber ohne Ausbildung, an die Schauspielerei. Schon mit dem 1953 gedrehten
Wenn der weiße Flieder wieder blüht rutschte sie ins "Heimatfilm"-Milieu, berühmt wurde sie durch die
Sissi Trilogie.
In diesem Karriere-Start liegen zwei lebenslange Traumata des Stars begründet: Das spießige Dirndl-Image und die fehlende Ausbildung. Zudem stellt sich die Kernfrage: War Sissi sinnlich? Jedenfalls gibt es Anzeichen dagegen: Offensichtlich überkompensiert die Schneider in einer ganzen Reihe von betont provokanten Filmen das verklemmte Image. Eine sinnliche Frau wird selten verlassen - aber die Liebe ihres Lebens - Alain Delon - tut genau das. Schließlich ein spätes Indiz: Würde eine reife, erotische Frau einen kindlichen Liebhaber wie Biasini wählen?
Im fortgeschrittenen Alter erwächst aus den obigen Defiziten ein massiver Minderwertigkeitskomplex, was die schon kuriosen Briefe an Böll, der wohl seinerseits eher an Größenwahn gelitten haben mag, eindringlich zeigen.
Mit diesem Bild verglichen scheint auf den ersten Blick Jessica Schwarz eine beispielhafte Fehlbesetzung zu sein - denn die beim Dreh 32-jährige verfügt bei aller Sensibilität offensichtlich über eine starke Persönlichkeit, ein gesundes Selbstbewusstsein und vor allem die unverkennbare Ausstrahlung einer sinnlichen Frau.
So gelingt ihr auch erwartungsgemäß mühelos eine strahlende und positive "junge" Romy, die dem Original vielleicht sogar ein wenig schmeichelt. Aber großen Respekt verdient sich die Schauspielerin erst mit der Darstellung der leidenden Romy, der verzweifelnden, kämpfenden, enttäuschten Frau. Wer zum Vergleich den letzten Schneider-Film
Die Spaziergängerin von Sans-Souci hinzuzieht, wird über die Ähnlichkeit verblüfft sein - ganz besonders, wenn man den Altersunterschied von etwa 12 Jahren berücksichtigt.
Ein weiterer Vergleich drängt sich auf - dieses Mal nicht zwischen Schneider und Schwarz, sondern den mit der TV-Verfilmung
Die Buddenbrooks. Wie enttäuschend, um nicht zu sagen hohl, wirkte diese angebliche Umsetzung großer Literatur, während Thorsten C. Fischer doch ein sehr runder, auch emotional befriedigender Film gelungen ist, was in den engen Zwängen einer Biografie doch recht selten vorkommt.
Dass die Produktion dabei nicht in den Verletzungen der Schauspielerin "badet", scheint nicht nur durchaus vertretbar, sondern auch angemessen rücksichtsvoll. Weder "muss" man die Hintergründe des Todes und die Brutalität, mit der der Sohn umkam, szenisch umsetzen, noch war mehr als der großartig dumm-überheblich von Thomas Kretschmann gebrachte Harry Meyen erforderlich, um die ignorante Arroganz einer im Nachhinein durchaus dünn und ungeheuer provinziell zu beurteilenden damaligen deutschen Kulturszene zu verdeutlichen - die subjektive Wirkung auf Romy wird in den Briefszenen an den peinlich auf seiner Kulturhoheit schwebenden Nobelpreisträger Böll bewegend umgesetzt.
Auch die angesprochenen sehr persönlichen Hintergründe der Beziehung zu Delon bedürfen keiner grellen Plakatierung - genau so, wie der Film es zeigte, war es stimmig. Es ist ja gerade eine Schwäche mancher Biografien, "Erklärungen" als Fakten darstellen zu wollen. Das Frauenbild der damaligen Männerwelt wird nicht nur durch den Macho-Prototypen Delon, sondern auch durch die von Heinz Hoenig deftig gespielte lebende Bierschwemme und den eroberungssüchtigen Vater deutlich.
Die extrem widersprüchliche Figur der berühmten Schauspielerin, ihr dramatisches Leben, das vielfältige Werk und die ungeheure Präsenz auch beim heutigen Publikum haben Anlass zu vielen Dokumentarfilmen gegeben, mit denen ein Spielfilm eigentlich nicht verglichen werden braucht - aber der Spielfilm "Romy" wird manchen vielleicht mehr überzeugen und ein gerechteres Zeugnis ablegen als viele Dokumentationen.
film-jury 5* A0428 23.3.2010eg Genre: Biographie | Drama
Jessica Schwarz (* 5. Mai 1977 in Michelstadt)
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2006 -* R0000 Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders
....... R: Tom Tykwer D: Ben Whishaw, Dustin Hoffman, Corinna Harfouch, Jessica Schwarz
2008 3* A0426
Die Buddenbrooks [Blu-ray]
....... R: Heinrich Breloer D: Jessica Schwarz, Armin Mueller-Stahl, Iris Berben
2009 5* A0428
Romy....... R: Torsten C. Fischer D: Jessica Schwarz, Heinz Hoenig