Was hatte ich damals noch gesagt? Bitte lasst mich nicht zu lange warten" waren genau meine Worte, die den Abschluss meiner Rezension zum Album Fate" bildeten, dass ich in Schymy's Pub nach dem Konzert ergatterte, was mich um so mehr freute, weil das Konzert überraschend überzeugend war und mich zu begeistern wusste. Nun ja, dass mit dem zu lange warten hat sich dann doch ergeben, denn erst jetzt, über sechs Jahre später, liegt der nächste Output Romeo & Juliet" vor, sozusagen mein sehnlichst erwarteter Nachfolger. Mit fast schon zittrigen Fingern nestle ich die CD aus der Hülle und lege sie ehrfurchtsvoll auf den CD-Schuber und versinke fortan in einem opulenten Thema. Musikalisch hat sich in den sechs Jahren einiges getan, soweit reift schnell die Erkenntnis. Zum einen hörbar, denn Pascal Lüders Part hat Tim Schneider übernommen, der sich mit Daniela Sandhofer als Juliet auseinandersetzen muss. Für die Lyrics konnte man Andreas Beschorner gewinnen und neben Daniela haben drei weitere Gastmusiker das Quintett verstärkt. Wie der Titel erwarten lässt, haben wir es bei Romeo & Juliet" mit einem Konzeptalbum zu tun, dass versucht, die unterschiedlichen Stimmungen und Atmosphären unter einen Hut zu bringen. Die kompositorische Leistung, die für dieses Album zu erbringen war, manifestiert sich einerseits im roten Faden, der über die Spielzeit nicht aus den Augen verloren gehen darf, und andererseits in den dramatischen und spannenden Momenten, die sich durch das Album ziehen müssen, denn thematisch muss den Stimmungen und Situationen Ausdruck verliehen werden. Bei aller Komplexität sowie dem selbst gestellten Anspruch ist es den Musikern gelungen, das Thema mit allen Facetten und Elementen umzusetzen, so dass Romeo & Juliet" viele Momente zu bieten hat, die es erschweren, besondere Hervorhebungen vorzunehmen. Langeweile kommt zu keiner Zeit auf, denn das Tempo schläft nie ein und die vielen Instrumente setzen interessante Reize für die Ohren. So kann jeder seine Songs oder Momente finden, wie z. B. die spanische Gitarre bei `Banished`, die einen Akzent zu setzen weiß, wobei die Gitarrenfraktion insgesamt zu gefallen weiß, denn sie agieren knackig und rocken sich durch das Album. Ergänzt um schöne Chöre und mit symphonischer Aufmachung ist Romeo & Juliet" ein wirklich gutes Album geworden, auf das die Leverkusener mit Stolz blicken dürfen. Das dreigeteilte `Finale` offenbart insbesondere beim ersten Teil namens `Devil's Draw` die Schwäche bei Tim, im höheren Bereich stimmlich voll mitzugehen. Was bei den restlichen Songs eher eine untergeordnete Rolle spielt, kommt hier stärker zur Geltung. Auch harmonieren die beiden Stimmen dann nicht miteinander, wenn sie gleichzeitig singen, was ich an der Klangfarbe seiner Stimme festmache. Abgesehen von diesem Punkt, der leider erwähnt werden musste, freue ich mich, dass ich mich damals bei den Leverkusenern nicht getäuscht habe und meine Meinung Bestätigung findet, dass ich eine hoffnungsvolle heimische Band gesehen habe, die, auch wenn es dann doch einige Jahre dauert, ihren Weg gehen wird. Aufgrund der konzeptionellen und musikalischen Leistung sind vier Sterne allemal gerechtfertigt.