Was ist hier passiert? Wieso wurde "Romance is Boring" nach dem schon fast ein bisschen gehypten Debut der Band von so vielen so gründlich übersehen? Lag es daran, dass man beim 2. Album "We are Beautiful, We are Doomed" nicht so ganz wusste woran man war, weil es schon 8 Monate nach dem ersten Album erschien? Lag es daran, dass die Band ihren herzallerliebsten sogenannten "Rasselbanden-Pop" durch ein düstereres, leicht kakophones Klangbild ausgetauscht hat? Oder lag es daran, dass es angeblich von "Tod und Zerfall des menschlichen Körpers, Sex, verlorene Liebe, Nervenzusammenbruch, Fußball und letztendlich, dass da wahrscheinlich kein Licht am Ende des Tunnels ist" handelt?
Zugegeben, der Einstieg in "Romance Is Boring" mag schwerfallen. Das Album ist nicht nur düsterer als der Vorgänger, vor allem textlich, sondern auch musikalisch verschachtelt und etwas sperriger als die Vorgänger geraten. Was sich auf "We Are Beautiful, we Are Doomed" angedeutet hatte, wird hier durchgezogen: Fauchende Gitarren, hallende Instrumentals und gewitterartige Lärmentladungen. Ihren unvergleichlichen Klangwust, der einen zuerst schier erdrücken will haben sie nicht verloren, er hat sogar noch an Gewalt gewonnen. Der Sound der Band schwebt diesmal allerdings so gleichmäßig zwischen Euphorie und Verzweiflung, dass dabei ein ganz eigener Sound entsteht. Dazu singt sich Gareth die Seele aus dem Leib. Mit einem Gesang, der in seiner Zerrissenheit streckenweise sogar an Xiu Xiu erinnert singt er Texte, die zunächst wie Tagebucheinträge anmuten, aber gleichzeitig mit so vielen surrealen Erlebnissen gefüllt sind, dass man dann über den Wahrheitsgehalt doch ins Grübeln kommt.
Soweit, sogut. Aber was macht man jetzt mit diesem Haufen? Man muss sich viel damit beschäftigen. Denn "Romance is Boring" ist ein forderndes Album. Ein Album, das deine Aufmerksamkeit will. Dich für diese Aufmerksamkeit dann aber auch reichlich belohnt. Denn an guten Songs fehlt es diesem Album wirklich nicht. Nach dem noch etwas verhaltenen Opener "In Medias Res" kommt mit "There are Listed Buildings" ein euphoriegeladener Uptempo Hit, gleich gefolgt vom alles kurz und klein hauenden Titeltrack, der einem den Titel "Romance is Boring" wirklich gehörig einhämmert. Es folgen "Plan A", ein kleines Monster mit mega böser Strophe und Mitsing-Refrain, das heruntergefahrene "Who Fell Asleep In" und das kleine Pop-Juwel "A Heat Rash In The Shape Of The Show Me State; Or, Letters From Me To Charlotte" das vor allem mit seiner Bläsersektion überzeugt. Und dann kommt er, der Song bei dem die Band überlebensgroß wird. "The Sea is A Good Place To Think of the Future" ist der langsamste, düsterste Song auf dem Album, der aber wenn man sich darüber klar wird, worüber Gareth da singt, einen ungeheuren Gängehauteffekt bewirkt. Da ist es bitternötig, dass "This is a Flag. There is No Wind" gleich wieder alles gut macht und gut gelaunt durch die Gegend hüpft. "Coda: A Burn Scar In The Shape Of The Sooner State" beschließt das Album dann mit einem wunderschönen Glockenspiel, bevor es sanft von einer Decke grollendem Sound bedeckt wird.
FAZIT: "Romance is Boring" ist ein Album, das vor allem in seiner Gesamtheit funktioniert. Der Sound hängt irgendwo zwischen beschwingten Melodien und fiesem Lärm. Die Texte pendeln interessant zwischen Humor und Verzweiflung, die gelegentlichen Einsätze von Sängerin Aleksandra sind eine willkommende Abwechslung zu Gareths doch sehr speziellen Art zu singen. Einzelne Songs stechen heraus, aber alle funktionieren im Albumkontext eindeutig noch ein Stück besser als von ihm losgelöst. Auch wenn es Zeit braucht ist "Romance is Boring" für mich ein sehr gelungenes Werk.