Pressestimmen
Burkhard Müller: Von Größe und Geheimnis eines Feriensommers "Roman unserer Kindheit" - wer seinem Buch einen solchen Titel gibt, der tritt mit einem Anspruch auf, den man leicht anmaßlich finden kann. Es steckt darin die Gewissheit, für eine große Gruppe zu sprechen, die sich als ein "Wir" darin gerührt erkennen wird; und, auf Anhieb weniger sichtbar, doch genauso bedeutsam, die Zuversicht, über jene Form zu verfügen, die der kindlichen Erfahrung von Gegenwart entspricht. Alles wird in diesem Buch von Figur und Standpunkt des Erzählers abhängen. Er muss dabei sein, jedem Hauch und jeder Regung getreu; und muss doch jenen Abstand wahren, aus dem heraus erst wahrhaft erzählt werden kann. (...)
Dieser Erzähler hüllt sich in tiefes Geheimnis. Die Nacherzählung sollte es nicht lüften, denn zu den stärksten Wonnen, die das Buch bereit hält, gehört es, dass man sich als Leser die Lösung schrittweise zu verdienen hat. Mit Andeutungen wird nicht gegeizt, allmählich verdichten sie sich (...). Möge es genügen, wenn gesagt wird, dass es sich bei dieser Setzung des Erzählers um einen kühnen und vollkommen originellen Streich handelt, der das Schicksal des Buchs entscheidet.
Wir befinden uns in den Sommerferien, dem scheinbar stillstehenden Scheitelpunkt des Jahres, jener wahren Kinder-Unendlichkeit, in den frühen Sechzigerjahren, im eben fertig gewordenen Neubaugebiet einer süddeutschen Provinzstadt. Die Kapitel heißen, abwechselnd ohne bestimmtes Muster, "Sonnentag", "Regentag", die Tage erreichen in dieser sonst unterscheidungslosen Gleichform eine geradezu kosmische Größe und Präsenz wie im späteren durchnummerierenden Erwachsenendasein nie wieder. (...) "Roman unserer Kindheit" ist das nicht nur umfangreichste, sondern auch, was den Reichtum an handelnden Personen, die Fülle an Geschehnissen, die sinnliche Präsenz seiner vielen Einzeldinge, die Qualität der Einfühlung angeht, das bislang komplexeste Buch von Georg Klein. Wie dort der große Feriensommer, so steht hier die Kunst des Autors in ihrem Zenit. --Burkhard Müller / Volltext / Februar 2010
Kurzbeschreibung
Ein scheinbar ewiger Sommer umfängt Neubaublöcke, amerikanische Kasernen, ein verlassenes Wirtshaus unter uralten Kastanien und die Laubenkolonie, wo die Kinder der Neuen Siedlung sich die großen Ferien vertreiben. Langsam, kaum merklich, sickert das Unheimliche ein: Ein Mord wird angekündigt, dann kommen die Boten, buchstäblich aus einer anderen Welt. Und es sieht aus, als könnten sie zumindest eines der Siedlungskinder auf die Nachtseite dieses Sommers hinüberziehen. «Roman unserer Kindheit» ist zugleich ein radikal autobiographisches und magisch-phantastisches Buch, ein Kindheitsroman voll fiebrigem Witz und dunkler Einsicht. «Ein Geniestreich ist dieser Roman, opak, dicht, verrückt, hässlich und irre schön.» Ina Hartwig, Die Zeit
Über den Autor
Georg Klein, 1953 in Augsburg geboren, veröffentlichte unter anderem die Romane «Libidissi», «Barbar Rosa» und «Sünde Güte Blitz» sowie die Erzählungsbände «Anrufung des blinden Fisches» und «Von den Deutschen». Für seine Prosa wurden ihm der Brüder-Grimm-Preis und der Bachmann-Preis verliehen; für den 2010 erschienenen «Roman unserer Kindheit» erhielt er den Preis der Leipziger Buchmesse. Georg Klein lebt mit seiner Frau, der Schriftstellerin Katrin de Vries, und zwei Söhnen in Ostfriesland. www.devries-klein.de