Als ich diesen Roman gelesen hatte, konnte und wollte ich ihn nicht gleich rezensieren, da ich nicht wusste, ob ich 1 oder fünf Sterne vergeben sollte. Das ist bei mir eher ungewöhnlich.
Dieser Roman wurde auf der Leipziger Buchmesse prämiert, was mich nicht überrascht hat, da Herr Klein bei der Autorenvorstellung einen guten Eindruck hinterlassen hat.
Ich hörte ihn nochmals über sein Buch sprechen, als ich die Messe gerade verlassen wollte.
Sonderbar fand ich seine Aussage darüber, dass er den Roman zwei Mal geschrieben hätte, da er mit seiner ersten Fassung nicht ganz zufrieden gewesen sei. Er ließ seine Zuhörer wissen, er habe eigentlich in der Hauptsache nur die Perspektive geändert, um der Handlung mehr Tiefe zu verleihen. Wenn man das Buch gelesen hat, kann man das sogar verstehen, denn manches käme wohl ein wenig unbedeutend daher, so einfach in der Ich-Form geschrieben und erinnert.
Trotzdem fängt genau damit die Problematik des Verstehens an. Alles wird geheimnisvoller, undurchschaubarer, teilweise auch unerklärlich.
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Hier hatte ich mich über die letztlich gewählte Erzählperspektive ausgelassen, aber gerade noch rechtzeitig las ich meine Vorrezensenten, die der Meinung sind, man solle gerade das nicht verraten. Nun ja, Herr Klein tat das selbst auf der Leipziger Buchmesse und ich war froh darum, da ich das Buch sonst vermutlich irgendwann aufgegeben hätte, weil diese Wissenslücke mich sehr gestört hätte.
Ich nehme an, Herr Klein hat zuerst den Älteren BRUDER als Ich-Erzähler auftreten lassen, denn dieser ist mit dem Autor mehr oder weniger identisch. Die neue Perspektive bleibt bis fast zum Ende des Buches ein Geheimnis und wird auch dann sehr poetisch und magisch nicht richtig beim Namen genannt, so dass ungeübte Leser sicher auch noch knobeln, wenn das Buch zu Ende ist.
Zu der mehr als anstrengenden Perspektive kommt noch die sich immer wieder vermischende Welt der Realität und der Fantasie. Auch erzählt Klein so unkonventionell, dass man immer wieder etwas mehrmals lesen muss, weil man den begonnenen Satz im Kopf ganz anders weiterführen wollte als es Klein dann tut. Man muss sich seiner Sprache ausliefern, will man ihn gänzlich verstehen und das fällt nicht immer leicht.
Dass seine Figuren meist keine Namen, sondern bloße Charakteristika beigeordnet bekommen, macht die Sache auch nicht leichter, bringt aber eine Besonderheit mehr in die Geschichte. Da tummelt sich dann der Schniefer neben dem Wolfskopf, aber auch die schicke Sybille neben dem Ami- Michi und dem Mann ohne Gesicht.
Gleichzeitig ist Klein ein Künstler beim Umgang mit Sprache, wenn er etwas beschreibt.
Das löst eine Bildlichkeit aus, die ist umwerfend und wenn man sich beim Lesen ertappt, wie man mit den Gedanken in die eigene Kindheit zurück reist, sich selbst beim Wundertüten auspacken über die Schulter schaut, dann ist man wieder versöhnt mit Romanstellen, die trotz Zurückblätterns ewig ungenau und unverstanden bleiben werden.
Und ich habe kaum bei einem Roman so oft zurück geblättert, wie in diesem.
So kann ich nicht unbedingt von höchstem Lesegenuss sprechen, trotzdem gab es aber überraschend viele Stellen, bei denen ich als Leser geradezu magisch in die eigene Kindheit zurück geglitten bin (man muss aber den entsprechenden Jahrgang mitbringen, fürchte ich), Stellen, in der die Bildhaftigkeit so stark war, dass man regelrecht sah, was man las.
Auch das in den Tag Hineinleben der Kinder (die Tage werden nur nach Regen- oder Sonnentagen eingeteilt), das tägliche intensive Erleben, wo jede Kleinigkeit zu etwas Besonderem wird, hat etwas, wonach man sich zurück sehnt.
Fazit: Meiner Meinung nach nur was für Literaturfreaks!