Die hilfreichsten Kundenrezensionen
31 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Erdrückend unpathetisch, 8. Mai 2003
Imre Kertesz stellt in diesem Buch sein Schicksal dar. Als vierzehnjähriger in ein Nazi-Konzentrationslager verschleppt, wird er beinahe ein weiteres Todesopfer dieses unbarmherzigen Regimes. Er beschreibt alles in der Ichform, mit den Augen eines gerade pubertierenden Kindes. Stilistisch ist natürlich an diesem großartigen Literaten nichts auszusetzen, Kertesz schreibt in langen Sätzen und Absätzen - dennoch gut lesbar. Das herausragende und ganz besondere an diesem Buch ist jedoch das Fehlen jedes Pathos. Wäre es nicht ein Thema bei dem uns jegliches Lachen gefrieren muss, so wären einige Szenen dazu geeignet, zumindest kurz aufzulachen. Die kindliche Naivität mit der er die ganze Szenerie schildert, ist teilweise brutaler als jede pathetische Darstellung dieser Zeit. Niemals in dem ganzen Werk gibt es auch nur einen Funken Selbstmitleid oder Schuldzuweisungen. Gerade diese Darstellung jedoch läßt uns alles intensiver erleben, an die bitteren Schilderungen haben wir uns, so brutal das Klingen mag, vielleicht schon etwas gewöhnt. Dieses Werk rüttelt nochmals auf. Es fordert zu einer ganz neuen Auseinandersetzung mit der Thematik. Wie stellt man sich nun eine unpathetische Darstellung vor, nun: Selbst der Blick auf die Duschköpfe die wahrscheinlich Gas ausströmen werden, schildert er vollkommen teilnahmslos - als ob er es nicht selbst wäre der betroffen sein wird. Als es dann eine echte Dusche mit warmen Wasser ist, ist er überrascht, aber nicht mehr. Das Unpathetische an dem Werk jagt dem Leser kalte Schauer über den Rücken - denn dadurch wird die Wirklichkeit noch intensiver erfahrbar. Wenn man dieses Buch gelesen hat, wird es eigentlich absolut unbegreiflich, dass jemand dieses Schicksal erleiden musste und dennoch solch ein Werk produzieren kann. Das Fehlen von Selbstmitleid, Anklagen und Verurteilungen ist eine enorme Leistung, die uns eines der erschreckendsten literarischen Werke der Geschichte bescherte. Für dieses Werk wurde Kertesz völlig zu Recht der Literaturnobelpreis 2002 verliehen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Unter die Haut, 28. Februar 2004
Der "Roman eines Schicksallosen" des Nobelpreisträgers Imre Kertész gehört zu den wichtigsten Romanen des 20. Jahrhunderts. Er beschreibt in autobiografischen Zügen den Gang eines jungen Mannes ins Konzentrationslager. Im Gegensatz zu den bisher bekannten und zweifellos wichtigen Werken über die Nazi-Zeit, die allesamt versuchen, das schreckliche Geschehen authentisch abzubilden, schildert Kertész auf manchmal naive, manchmal scheinbar gelassene Art und Weise, wie ein junger Mann aus seiner Stadt in den Lageralltag überführt wird. Die Schrecken der Lagerzeit werden beinahe wie eine nebensächliche Handlung in den Lebensweg des jungen Mannes eingeflochten. Kritiker werfen ihm deshalb eine Verharmlosung des Nationalsozialistischen Terrors vor. Aber gerade die Beschreibung teilweise unbedeutend anmutender Details, gekoppelt mit den Träumen, Wünschen und zutiefst persönlichen Gedanken des Protagonisten, die nicht nur um das Lagerleben und das nackte Überleben kreisen, gelingt es Imre Kertész, dem heutigen Leser Einsichten zu vermitteln, die atemberaubend sind und den zeitlich Entrückten den Schrecken dieser Zeit des Terrors eindringlich nachempfinden zu lassen, "ohne mit der Nase direkt draufgedrückt" zu werden. Das Miterleben und Mitdenken geht wirklich unter die Haut. Dieses Buch gehört in jeden Bücherkanon und sollte besonders an Schulen gelesen werden, denn Schüler sind aufgrund der Darstellung von Gewalt und Terror in den Medien gegen schockierende Ereignisse bekannterweise abgestumpft. Hier wäre dieses Buch eine mehr als sinnvolle Ergänzung zur Bearbeitung und zum Verständnis des Nazismus.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Qualitativ höchstkarätige Weltliteratur!, 14. Oktober 2002
Der Literaturnobelpreis wurde dieses Jahr zu Recht an Imre Kertesz verliehen. Denn inhaltlich sowie stilistisch wurde mit diesem Roman ein Stück Weltlieratur geschaffen, die bislang ihresgleichen sucht. Aus der Sicht des 15jährigen Jungen wird mit jugendhafter Naivität ganz alltäglich von zweifelsohne inhumanen Verbrechen innerhalb eines Konzentrationslagers berichtet. Dabei bekommt der Leser wegen dieses Kontrastes regelmäßig Gänsehaut, denn mit unbekümmertem, gradezu kindlichem Stil über Mord- und Foltertaten zu schreiben ist nicht alltäglich beim sonst so sterilen Berichtstil, den einige Autoren frequentieren. Dass gerade dieser Kontrast die Brillanz des Werkes kennzeichnet, liegt auf der Hand. Denn Bücher mit vergleichbaren Themen, die bloße Tatsachen aneinanderreihen, gibt es in der Literatur schon genug. Aus dieser Perspektive aber wurde mit solch geistreicher, metaphorischer Sprache noch niemals über den Nationalsozialismus berichtet. Fazit: Ein literarisches Faszinosum; für Freunde hochwertiger und geschmackvoller Literatur ein absolutes Muss!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
|