Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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45 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Vom "Glück" im KZ: Imre Kertesz erzählt seine Geschichte, 10. November 1998
Von Ein Kunde
Als 15jähriger Junge wurde der Ungar Imre Kertesz nach Auschwitz deportiert, dann weiter nach Buchenwald, dann nach Zeitz. In seinem "Roman eines Schicksallosen" beschreibt er diese Zeit aus der Perspektive des naiv-unschuldigen Jungen, der er war - und bereitet dem Leser damit manche Überraschung. Sein Romanheld Köves Györgi, ein Budapester Schüler, hat 1944 noch nichts von den Konzentrationslagern gehört. Als er eines Tages aus dem Autobus geholt und nach Auschwitz verschleppt wird, weiß er nicht, was ihn dort erwartet. Deshalb kann er das Geschehen völlig wertfrei beschreiben. In gefälligem Plauderton schildert der arglose Protagonist, was er sieht und erlebt. Nach quälend langer Fahrt in einem fensterlosen Güterwaggon, während derer einige andere verdursten, empfindet Györgi den Bahnhof von Auschwitz und die deutschen Soldaten nicht als unangenehm: "Doch ich bemerkte, daß hier draußen jetzt schon deutsche Soldaten (...) auf alles ein Auge hatten: ich war durch ihren Anblick sogar ein bißchen erleichtert, denn sie wirkten schmuck, gepflegt und als einzige in diesem Durcheinander ruhig und fest." Die kahlköpfigen Häftlinge in gestreiften Anzügen hingegen hält er für Straftäter und nimmt innerlich Distanz zu ihnen - nicht ahnend, daß er nur kurze Zeit später selbst so aussehen wird. Als er am gelben Dreieck bemerkt, daß es Juden sind, denkt er: "Tatsächlich, sie sahen aus wie Juden, in jeder Hinsicht. Ich fand sie verdächtig und insgesamt fremdartig." Der Arbeit des Arztes bei der Selektion an der Rampe von Auschwitz kann er bald folgen: "Kam ein alter Mann - ganz klar, auf die andere Seite. Ein jüngerer - hier herüber, zu uns. (...) Und so, mit den Augen des Arztes, konnte ich nicht umhin festzustellen, wie viele von ihnen alt oder sonstwie unbrauchbar waren." Dieses "Verständnis" für die Täter zieht sich durch den ganzen Roman. Die Grausamkeiten, die der Ich-Erzähler schildert, erscheinen ihm nur folgerichtig, wenn er sich in die Lage der Peiniger versetzt. Der "Roman eines Schicksallosen" erschien in Ungarn bereits 1975, nachdem Kertesz 13 Jahre daran geschrieben hatte. Das Buch wurde jedoch totgeschwiegen. Eine deutsche Fassung erschien 1990, fand aber ebenfalls kaum Beachtung. Erst die neue Übertragung von Christina Viragh brachte den Durchbruch. In der Tat haben Leser schwer zu schlucken an diesem Buch. Der Roman endet mit den Sätzen: "Ja, davon, vom Glück der Konzentrationslager, müßte ich ihnen erzählen, das nächste Mal, wenn sie mich fragen. Wenn sie überhaupt fragen. Und wenn ich es nicht selbst vergesse." Dieser Schluß wurde in der Presse viel zitiert, und der Autor auf seiner Lesereise stets gefragt, wie er so etwas schreiben könne. Seine Antwort: "Momente des Glücks, das ist die Wahrheit. Glück kann grausam sein."
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Holocaust von einem 15-Jährigen erfahren..., 3. April 2003
Dieses Werk ist der erste Teil der „Trilogie der Schicksallosigkeit", deren weitere Teile „Fiasko" und „Kaddisch für ein nicht geborenes Kind" sind. Kertész begann mit dem Roman, für den er 2002 den Literatur-Nobelpreis erhielt, bereits 1960. 1973 wurde seine Veröffentlichung im kommunistischen Ungarn noch abgelehnt, auch 1975 bei seinem Erscheinen zunächst wenig beachtet. Ebenso erging es 1990 einer ersten Übersetzung ins Deutsche mit dem Titel „Mensch ohne Schicksal" im Ostberliner Verlag Ruetten und Loening, erst die Neuübersetzung von Christina Viragh bei Rowohlt 1996 brachte die internationale Anerkennung von Autor und Werk. In dem Roman verarbeitet Kertész seine persönliche Erfahrung des Holocaust: 1944 wurde er selbst als 15-Jähriger nach Ausschwitz deportiert und erlebte 1945 die Befreiung aus dem KZ Buchenwald bei Weimar. Das Interessante und Schockierende an dem Buch ist die Sichtweise des jungen und anfänglich ganz naiven Ich-Erzählers, der in dem „zufälligen" Geschehen immer wieder nach einem Sinn sucht: warum er deportiert wird; wie er die 20 Minuten auf der Rampe in Ausschwitz erfährt, dabei schon so beobachtet wie die Aufseher oder der Lagerarzt, immer im Drang, das eigentlich nicht Begreifbare zu verstehen. Auch die Rückkehr nach Hause ist bemerkenswert dargestellt, das Nicht-Verstehen-Können derjeneigen, die es nicht erlebt hatten, ob es sich um Reporter handelt, die eine interessante Story wittern, oder um die früheren Mitbewohner des Miethauses. Absolut lesenswert!
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25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein außergewöhnlicher Zeitzeuge berichtet....., 11. Oktober 2002
Titel: Roman eines Schicksallosen Autor: Imre Kertész Rowohlt Verlag Imre Kertész war selber von 1944-1945 im Alter von fünfzehn Jahren in den Konzentrationslagern von Auschwitz und Buchenwald. In seinem Roman eines Schicksalslosen beschreibt er aus der Perspektive des fünfzehnjährigen Jungen seine eigene Geschichte. Mit tiefer Beklemmung geht man seinen Weg mit : naiv und unvoreingenommen beginnt er seine Reise ,ja, es fällt ins Auge , dass seine Berichte fast durchweg von den Attributen" verständlicherweise" und "natürlich" komplettiert werden. Es scheint ihm in der Tat vieles logisch und schlüssig, so wie er seine Erfahrungen macht. Nach und nach sieht man sich den unmenschlichen Transporten in die Lager, dem Hunger, dem Durst, der Kargheit der Unterkünfte, schließlich Krankheit , Entmenschlichung und dem Tod gegenüber. Am Ende beschreibt er seine Erfahrungen als eine, in der die " Zeit" eine gewichtige Rolle spielt. Ohne die Zeit , die langsam vergeht, und die immer weiter geht, wie er selbst, die langsam zu den unmenschlichen Orten und Zuständen führt "könnte man das nicht ertragen haben ". Wie ein Somnambuler erscheint einem der Erzähler im Laufe des Berichtens. Dass das Erlebte eigentlich nicht beschreibbar ist,-- so wird es dem Leser am Ende bedeutet. Nur im Miterleben durch die Augen des Jungen bekommt man eine Ahnung des Grauens. Und dass sogar an diesen Orten so etwas wie Glück möglich war , dass diese Erfahrung des Gefühls von Glück wichtig war, als Ausdruck dessen , was den Menschen ausmacht. Daß er sein nicht fortsetzbares Dasein fortsetzen werde,-- weil das Leben zu leben am Ende alles andere übertönen wird. Wer eine Vorstellung vom Grauen in den Konzentrationslagern erlangen will, der sollte das Buch unbedingt lesen. Es ist sensibel und still geschrieben und berührt den Leser sehr. (Claudine Borries)
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