Ole Jastrau verliert den Sinn des Lebens. Einst war er ein viel versprechender Autor, nun, Mitte 30, ist er zum professionellen Literaturrezensenten einer großen Zeitung verkommen, aufgedunsen, überdrüssig, und muss sich durch Berge von Büchern arbeiten um letztlich nichts als "Meinung" zu produzieren, Meinungen über Meinungen - er lebt zwischen Meinungen, "mellem meninger", wie das erste von vier Kapiteln lautet. Selbst hat er im Bedienungsladen der konsequenzlosen Ansichten, längst schon keine mehr. Der Traum vom künstlerischen Schaffen scheitert am Drumherum: Telefon, Türklingel, Frau und Kind, Erwartungen, Konventionen, Zwänge ... Nur mühsam kann er seinem sinnleeren Leben noch Form geben, aber als zwei alte Freunde aus kommunistischer Vergangenheit bei ihm auftauchen, bricht alles zusammen. Jastrau gibt sich dem Rausch hin, und als er im Dämmerlicht der "Bar des Artistes" im Suff und zwischen weichen Frauenkörpern seit langem zum ersten Mal wieder Lebendigkeit und Geborgenheit fühlt, da beginnt sein systematisch geplantes "vor-die-Hunde-gehen". Scheinbar widerstandslos lässt er sich in den Untergang treiben, lässt sich mit den skurrilsten Figuren - oft menschliche Wracks - ein, dabei ist das Hærværk, die Verheerung, wohl durchdacht, auch wenn er sich vom Moment leiten lässt. Es folgt ein Wort-Delirium, das auch den Leser schwindeln lässt, mit überraschendem Ende.
Hærværk gehört zu den ganz großen existentialistischen Romanen, Kristensen in eine Reihe mit James Joyce, Döblin, Celiné und Sartre. Selbst in Dänemark hat es ein paar Jahrzehnte gebraucht, bis man die wahre Tiefe dieses Schlüsselromans begriffen hat - heute, 80 Jahre nach Erscheinen, hält man Tom Kristensen für den wichtigsten Vertreter der literarischen Moderne und diesen Roman für ein Schlüsselwerk. Vollkommen zu recht, denn nicht nur ist das Buch noch immer relevant, es ist auch unerschöpflich und wird bis auf weiteres eine Vielfalt von Lesarten verursachen. Dabei ist es nicht leicht zu lesen! Sprachlich höchst anspruchsvoll, philosophisch durchdacht, unglaublich feinsinnig komponiert (denn Jastraus scheinbares freies Flottieren, die Verfolgung seiner oft "verrückten" Gedankengänge, erweist sich bei genauerer Hinsicht als domartige Konstruktion), wird es wohl in erster Linie Menschen ansprechen, die das Gefühl der Bodenlosigkeit kennen und die zudem über eine Sprache verfügen, dies zu verbalisieren.