Pressestimmen
"Ganz alleine ist man auf dem Oberfeld nie. Die Darmstädter schätzen die Rodungsinsel im Osten der Stadt als Erholungsgebiet, als Treff zum Laufen, als Radelpfad, als Frischluftschneise. Wer Katja Behrens ""Roman von einem Feld"gelesen hat, wird sich indes auf dem Oberfeld auch dann nicht mehr alleine fühlen, wenn er weit und breit keinen Menschen sieht. Er wird die Ohren spitzen, um nach den Vögeln zu lauschen, er wird die Spuren der Wildschweine suchen, nach der Fuchshöhle Ausschau halten oder überlegen, wo einst die Trasse für die östliche Autobahnanbindung der Stadt schon abgesteckt war, bevor die größte Bürgerbewegung der Darmstädter Nachkriegsgeschichte sie verhindert hat. Oder er denkt an die vielen Geschichten, die sich hier ereignet haben: Katja Behrens erkundet den besondern Reiz des Ortes, an dem die Vorstellungskraft Vergangenes gegenwärtig erscheinen lässt.
Das ginge sicher nicht nur auf dem Oberfeld, der Titel meidet denn auch die Festlegung. Im Roman von Katja Behrens ist das Oberfeld modellhafter Schauplatz von Geschichte und konkreter Ort zugleich, vor allem aber ist es ein Biotop, in dem Geschichten gedeihen. Über Jahre hat die Autorin recherchiert, um nicht ein Geschichts- aber ein Darmstädter Geschichtenbuch zu schreiben, das den Bogen spannt von den Leibeigenen des Mittelalters bis zu den Menschen,die heute am Rande des Oberfelds wohnen, einem Ort, an dem Reichtum und Armut eine ungewöhnlich enge Nachbarschaft bilden." (Darmstädter Echo)
Kurzbeschreibung
Der Ort: Nach drei Seiten hin von Wald umgeben, liegt das Oberfeld am Rande einer mittelgroßen Stadt, eine Jahrhunderte alte Rodungs-insel mit Steinbrüchen, Kleingärten, Äckern und Wiesen. Zweihundert Hektar Offenland - ein kleiner Kosmos mit viel Getier auf, über und unter der Erde, das meiste nicht sofort sichtbar. Das Geschehen: In der Natur immer dasselbe: Begattung, Geburt, Tod. Und immer anders. Eingewoben in das Geschehen der Natur die siebenhundertjährige Geschichte des Oberfelds: Die in den Steinbrüchen Frondienst leistenden Bauern. Ein Geißlerzug zur Pestzeit. Gaukler, die außerhalb der Stadtmauern nächtigen. Bauern und marodierende Soldaten im Dreißigjäh-rigen Krieg. Reisende Juden. Das erste Herrenhaus, die Flotow Villa. Daneben ein weiteres Herrenhaus. Sehr arme und sehr reiche Leute dicht beieinander, die Armen siedeln sich am Judenpfad an, selbstgebaute Hütten und Hühner und Schweine und Ratten. Es ist Krieg. Die Stadt brennt. Menschen kampieren auf den Feldern. Die Gartenhäuschen sind überfüllt. Am Seiterswiesenweg ziehen Sinti ein, am Katharinenfalltorweg lässt sich der Raubtierdompteur Kid OHara mit zwei alten Zirkusbären nieder...... Die Zeit: Vom März 2000 bis Februar des darauf folgenden Jahres. Leise sagte der Schäfer: Gott erschuf den Menschen erst am letzten Schöpfungstag. Warum nicht am ersten? Der Schäfer schwieg und Maria schaute auf die rote Zunge des Hütehundes zu seinen Füßen. Gott erschuf den Menschen am letzten Schöpfungstag, damit er nicht überheblich sei. Gott sagte ihm, vergiß nicht, daß das geringste Lebewesen vor dir geschaffen wurde.