Ave Caesar, die Nachgeborenen grüßen Dich! "Rom sei Dank" heißt das Buch von Karl-Wilhelm Weeber, das in der Anderen Bibliothek des Eichborn-Verlags erschienen ist, vielleicht wirklich die schönste Buchreihe der Welt.
Das Imperium (Romanum) schlägt nicht zurück, aber es wirkt fort bis auf den heutigen Tag in ganz Europa und darüber hinaus. So verdanken auch wir Germanen den Römern viel mehr als Straße, Mörtel und Wein. Abgesehen von diesen praktischen Dingen, hat die lateinische Sprache selbst in der unseren ihre Spuren hinterlassen, gehen doch nicht nur eben zitierte Wörter auf sie zurück. Aber auch die römische Rechtsauffassung und Philosophie prägen unsere Gedankenwelt bis heute, wenn auch Letztere "nur" auf den wohl geformten Schultern der griechischen stand. Doch dass sich diese in ganz Europa verbreitete, ist den Römern geschuldet. Allerdings: dass und wie das geschah, ist eben auch die Crux, die viele mit den Römern haben. Sie brachten den so genannten Barbaren die Segnungen der Mittelmeer-Hochkulturen eben nicht gerade als friedliche Missionare sondern als Eroberer bei.
Trotz des euphorischen Titels, der anderes vermuten ließe, frönt Weeber nicht nur purer Lobhudelei, sondern beschreibt auch die Schattenseiten der Weltmacht. Da mag der Laie vielleicht spontan an die Christenverfolgungen denken. Aber so komisch das klingen mag: Im Grunde waren die Römer recht tolerant und sogar interessiert, wenn es um andere Religionen ging - solange sie nicht, wie die Christen mit ihrem Ausschließlichkeitsanspruch, mit der römischen Staatsideologie kollidierten.
Die Lektüre macht jedoch auch deutlich, warum Rom letztlich unterging, nicht so sehr wegen der viel beschriebenen und karikierten Dekadenz, sondern weil man auf Dauer andere Völker nicht unterdrücken kann, egal, wie groß die Segnungen der beherrschenden Kultur für die unterworfenen auch sein mögen. Diese Lektion haben leider auch viele Möchtegernimperatoren, die nach den Römern kamen, nicht gelernt: Fremdherrschaften sind letztlich zum Scheitern verurteilt, auch wenn das, was danach kommt, nicht immer besser ist, nur weil die neue Macht die eigene Sprache spricht.
Apropos Sprache: Das Studium des angeblich toten Lateins, das jedoch bis in die Neuzeit das war, was Englisch heute ist, wirkt sich bei seinen begabteren Adepten immer auch positiv auf die Beherrschung der Muttersprache aus. Bestes Beispiel ist Weeber selbst, der mit einem ebenso präzisen wie geschliffenen Stil brilliert. Cicero sei Dank!
Fazit: Ein Buch nicht nur für Lateiner, sondern auch für jene, die leider nie die Gelegenheit hatten, diese Sprache zu lernen, die fast zwei Jahrtausende lang "lingua franca" war. Nach der Lektüre von "Rom sei Dank" werden sie dieses Versäumnis allerdings um so mehr bedauern.