Kostenlos testen |
Lesen Sie Bücher auf Ihrem Computer oder auf anderen Mobilgeräten mit unseren GRATIS Kindle Lese-Apps.
|
| ||
| |||||||||||||||||||
|
| |||||||||||||||||||
Produktinformation
|
Vorgeschlagene Tags zu ähnlichen Produkten(Was ist das?)Setzen Sie den ersten relevanten Tag hinzu (ein Schlüsselwort, das mit diesem Produkt in engem Zusammenhang steht).
|
Warum aber, mag sich Rosendorfer irgendwann gefragt haben, soll ich mir eigentlich jedesmal einen ganzen Roman ausdenken, wenn ich über Rom schreiben will? Da es auf diese Frage keine zufriedenstellende Antwort gibt, können wir nun sein Büchlein „Rom. Eine Einladung." lesen, sogar neuerdings in, wie es heißt, „vollständig bearbeiteter Neuausgabe". Es handelt sich, wie der Untertitel schon sagt, nicht um einen Reiseführer im eigentlichen Sinne, sondern um ein durch Roms verworrene Topographie mäanderndes Geplauder, das von der Stadtgründung und den sieben Hügeln unversehens in einem gewaltigen Zeitsprung zum Cimitero Acattolico gelangt, von dort auf Einwohnerzahlen und Verkehrsnetz zu sprechen kommt, um sich dann dem Rom der Päpste und dem Petersdom, den Katzen auf dem Largo Argentina und betrügerischen Taxifahrern zuzuwenden.
Anekdoten und Histörchen wechseln sich mit handfesten Informationen (etwa zum horrenden Preis des Espresso im Caffè Greco oder den Verkehrsverbindungen vom Flughafen ins Zentrum) ab, saftige Kirchenkritik mit einer Auflistung der schönsten Einkaufsmeilen - das Büchlein ist, wie Rosendorfer selbst richtig bemerkt, „eine einzige Abschweifung". Folgerichtig sucht man vergebens nach Inhaltsverzeichnis und Sachindex; geliefert werden in einem Anhang lediglich - als gleichsam grummelnde Konzession an touristische Informationsbedürfnisse - Öffnungszeiten der wichtigsten Museen; aber schon Restaurantempfehlungen sind und bleiben im Text versteckt. Warum auch nicht? Hier spricht der erfahrene Romliebhaber zum weniger erfahrenen; geschrieben wurde das Buch zwischen zwei Romaufenthalten (notwendigerweise, da Rosendorfer immer wieder kommen wird), und idealerweise sollte es auch zwischen zwei Romaufenthalten zur Hand genommen werden. Man kann es durchlesen oder ziellos darin schmökern; zum Nachschlagen ist es denkbar ungeeignet.
Wer noch nie in Rom weilte (es soll ja solch bedauernswerte Menschen geben), kann und soll ja zu anderen Erzeugnissen des Verlagswesens greifen, die vielleicht nützlicher, aber kaum so charmant geschrieben sein werden. Allerdings ist Rosendorfer anzumerken, daß er für das antike Rom wenig, aber umso mehr für Kirchen übrig hat (auch ein wiederum sehr praktischer, auch zur Mitnahme geeigneter Kirchenführer stammt aus seiner Feder). Aber wir wollen ihm seine Vorlieben gönnen - in einem sehr persönlichen Buch ist Ausgewogenheit keine Tugend.
Kenntnisreichtum aber ist immer eine, und hiermit wären wir bei den Schattenseiten. Daß gelegentlich Namen falsch geschrieben werden, kann passieren. Aber „Acea Larentia" für „Acca Larentia" (zweimal, es handelt sich also nicht um einen einfachen Druckfehler), „Septinius Severus" für „Septimius Severus", „Borgie" für „Borgia" und „Fosse Adeatina" für „Fosse Ardeatine": das ist denn doch ein bißchen reichlich, erst recht für eine wohl doch nicht so ganz „vollständig überarbeitete Neuausgabe".
Auch mit historischen Fakten geht der pensionierte Richter recht nonchalant um: Nach dem Sturz von Romulus Augustulus wurde Italien nicht gleich byzantinisch. Das kam erst unter Justinian im 6. Jahrhundert, und auch da nur teilweise. Der letzte Kaiser in Konstantinopel war Konstantin XI. Palaiologos, einen Konstantin XIV. gab es nicht mehr. Der Satz „Das deutsche Archäologische Institut in der Via Sardegna ist über 150 Jahre alt" ist reichlich mißverständlich: das Institut ist in der Tat von ehrwürdigem Alter, aber in der Via Sardegna logiert es erst seit den 70er Jahren. Wer den scheußlichen Betonklotz dortselbst auch nur einmal von außen gesehen hat, würde einen solchen Satz nicht schreiben. Einen Gott „Asylius" kennt die römische Religionsgeschichte nicht, das Wort „Asyl" kommt vielmehr vom griechischen „asylos", das soviel wie „unverletzlich, sakrosankt" heißt. Und wer meint, die „Metamorphosen" seien von Vergil, glaubt vermutlich auch, der „Faust" sei von Schiller.
Das sind ein paar Schnitzer mehr, als man hinzunehmen bereit ist - und zu viele und zu grobe, als daß man Rosendorfer alleine dafür verantwortlich machen könnte. Vermutlich war der Verlag der Ansicht, bei einem so renommierten Autor könne man sich redaktionelle Arbeiten sparen. Leider greift es mehr und mehr um sich, ein sorgfältiges Lektorat für Geldverschwendung zu halten. (Der gemeine Leser ist ja per se geistig minderbemittelt und wird's schon nicht merken.) Heraus kommt dann ein Buch, das empfehlenswert sein könnte, es aber leider nicht ist, und das ist besonders bedauerlich, wenn es einen Autor vom Kaliber eines Rosendorfer trifft. In diesem Fall tut man gut daran, auf die dritte, „vollständig und tatsächlich umfassend überarbeitete Neuausgabe" zu warten.
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
|||||||||||||