Angesichts der TV-Übertragung fürs japanische Fernsehen gingen die Stones mit ihrer Setliste am 2.4.2006 in Saitama weitgehend auf Nummer sicher: Von den 20 Songs stammen 16 aus den "klassischen" Stones-Jahren 1965-1981; dafür nutzen sie die Gelegenheit, mit den vier Songs Rain fall down, This Place is empty, Oh no not you again und Rough Justice für ihr seinerzeit aktuelles Album "A Bigger Bang" zu werben. Rain fall down (mit Basssolo von Daryl Jones!) geht besser ab als am 21.2.2006 in Argentinien. Leider gibt die Setliste diesmal keine Gelegenheit für Lisa Fisher her, bei Gimme Shelter oder Night Time is the right Time ein Solo hinzulegen.
Die einzige Überraschung ist Sway, das Jagger mit dem Hinweis ankündigt, diesen Song spielten sie nicht so oft; er ist hier und da gegenüber der Studiofassung etwas umarrangiert, und die Band gibt sich auch alle Mühe, Jaggers Bemerkung zu beweisen - man hätte den Song vielleicht doch mal proben sollen, schade drum!
Bühnendesign und Halle sind überwiegend in Dunkelblau und Schwarz gehalten, aber gut ausgeleuchtet, die professionelle Kameraführung zeigt leider fast nur die vier Hauptprotagonisten (und von denen meistens den Sänger) und zu wenig von den Mitmusikern. Bildqualität und Sound sind völlig okay, wenn man davon absieht, dass Micks und Keiths Mikros stellenweise etwas zu leise ausgesteuert sind.
Im Großen und Ganzen aber ist diese DVD eine Sternstunde für Tastenmann Chuck Leavell (im modischen Leopardenfell-T-Shirt): Normalerweise sind die Beiträge der Stones-Keyboarder live immer undankbar tief im Mix begraben. Wer immer jedoch bei diesem Konzert für den Sound zuständig war, er war ein Fan von Chuck Leavells Tastenarbeit: ob Wild Horses, Midnight Rambler, You can't always get what you want, Brown Sugar oder Sympathy for the Devil - bei noch keiner Live-Konserve der Stones habe ich die Pianofiguren durchgehend so kräftig hören können wie bei diesem Mitschnitt! Dafür wiederum ist Keiths Gitarre, die den Sound auf Live-DVDs oft dominiert, hier mal auf ihren angemessenen Platz zurückgemischt worden.
Das japanische Publikum geht gut mit, die Stones sind routiniert, konzentriert und locker bei der Sache, besonders der Midnight Rambler wird genüsslich zelebriert, und so ist dies ein weiterer vergnüglicher Nice-Price-Konzertmitschnitt (mit 118 Minuten vermutlich komplett) im Stones-Kanon.