Der Rollei DF-S 290 HD ist ein funktionales und praktikables Werkzeug auf dem Weg zu einem Endprodukt (= das fertige digitale Bild). Er ist aber auf keinen Fall (!!!) geeignet, dieses Endprodukt selbst herzustellen (dazu weiter unten). Allerdings gilt diese Bewertung nur für den Umgang mit Dias, mit Film-Negativen habe ich keine Erfahrung und kann dazu auch nichts sagen.
Der Grund für den Kauf dieses Geräts ist einfach erklärt, dürfte aber für eine Menge an Hobby- und Freizeit-Fotografen in ähnlicher Weise gelten: Im Keller lagern Tausende Dias stumm vor sich hin, nehmen eine Unmenge von Platz weg und laufen Gefahr, nicht mehr genutzt zu werden, zumal auch mein Dia-Projektor kaputt ist und eine Reparatur sich definitiv nicht mehr lohnt. Aber es wäre viel zu schade, die alten Bilder einfach abzuschreiben. Also habe ich mich zunächst über das Thema „Dias Digitalisieren“ etwas schlau gemacht, dann nach (bezahlbaren) Produkten Ausschau gehalten, Tests und User-Wertungen gelesen und mich letztendlich für dieses Gerät entschieden. Mir war klar, dass ich kein Profi-Tool kaufe und dass die Ergebnisse auch nicht professionell sein können. Dieses muss jedem Interessenten bewusst sein. Die Begeisterungsstürme einzelner User, die das Gerät in höchsten Tönen loben habe ich kritisch wahrgenommen, und sie sollten auch von allen, die mit dem Kauf dieses Geräts liebäugeln, ebenfalls kritisch gesehen werden. Aber nun der Reihe nach.
1. Für wen ist denn ein Dia-Scanner überhaupt konzipiert? Doch nur für die, die Bilder mit Fotoapparaten von „anno dazumal“ (aus der Sicht der i-Generation) gemacht und sie dann anschließend Bild für Bild per Hand (ja ja, so was gab’s einmal) geschnitten, in kleine Plastikrähmchen gesteckt und anschließend in unhandliche Magazine gepfriemelt haben. Aber das sind nicht die 20-30 Jährigen. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürften also die potenziellen Nutzer ein gewisses Alter erreicht haben und mit einem Grundmaß an Geduld ausgestattet sein. Und diese Geduld ist nötig. Wer also bereit war, Dias mit einem gewissen Aufwand zu erstellen und zu archivieren sollte ebenso bereit sein, Zeit für den Prozess vom Einscannen bis zum fertigen digitalen Bild zu investieren. Wer keine Lust mehr hat, für so etwas Zeit aufzubringen, sollte sich nach anderen Lösungen umsehen. Diese sind dann aber deutlich teurer. Auf keinen Fall ist der Rollei DF-S 290 HD geeignet, im Schnellverfahren auch nur akzeptable Ergebnisse zu erzielen. Eine Nachbearbeitung via Software ist zwingend erforderlich (!!!). Deshalb kann ich die Lobgesänge in einzelnen User-Bewertungen absolut nicht verstehen.
2. Über folgende Grundregel sollte sich jeder potenzielle Käufer im Klaren sein: Je schlechter das Ausgangsmaterial desto schlechter das (digitale) Ergebnis. Aus schlechten Bildern lassen sich auch mit der besten Software keine guten mehr machen. Nach den ersten ca. 2000 eingescannten Bildern kann ich, so denke ich, die Unterschiede im Scan-Ergebnis zwischen Bildern einer Billigkamera mit Festbrennweite, lichtschwachem und insgesamt schlechtem Objektiv (die erste Kamera) und Bildern einer (später dann) Spiegelreflex mit ganz ordentlichen Objektiven und weiterem Equipment ganz gut beurteilen. Man sollte seine Qualitätsansprüche realistisch einschätzen und auch wissen, dass das Scan-Ergebnis regelmäßig nicht so gut wird wie das Original.
3. Das Gerät selbst ist „Made in China“ (steht ja drauf), macht aber insgesamt einen ganz ordentlichen Eindruck und ist mit (fast) allem Nötigen ausgestattet. Ganz wichtig: Potenzielle Käufer sollten sich neben der nötigen Speicherkarte unbedingt (!!!) einen Blasebalg und einen Staubpinsel zulegen. Ehemalige analoge Spiegelreflexfotografen könnten so etwas noch haben und es hier wiederverwenden. Auf jeden Fall ist Staub der größte Feind des Diascanners. Zur Bedienung ist in anderen Bewertungen schon genug geschrieben worden. Deshalb hierzu nur Folgendes: Bildkorrekturen (sei es Helligkeit oder Farbe) der meist rot- bzw.- lila-stichigen Bilder nicht mit dem Gerät, sondern nur mit Software durchführen. Geräteseitige Korrekturversuche liefern ein grottenschlechtes Ergebnis, wogegen sich mit der Software noch einiges retten und verbessern lässt. Nach meiner Erfahrung – ich habe Verschiedenes ausprobiert – gibt es nur einen Fall für die geräteseitige Bildkorrektur: So kurios es klingen mag, Bilder (noch) dunkler machen. Wurde das Original mit einer schwachen Kamera aufgenommen, kommt es im Scan-Ergebnis häufig zu Reflexionen auf der Haut (Sonne, ungünstiger Lichteinfall), die sich als helle Flecken darstellen und die auch mit Software nicht mehr wegzubekommen sind. Je dunkler der Scanner eingestellt wird, desto weniger werden diese Reflexionen. Die Gesamthelligkeit des Bildes lässt sich anschließend mit Software wieder anheben.
4. Zum Scan-Vorgang selbst: Die Verpackung wirbt mit „Scannen in Sekundenschnelle“ und mit „Bis zu 20 Dias in 1 Minute scannen“. Das ist theoretisch möglich, sollte aber schnellstens vergessen werden (will man nicht später bei der Nachbearbeitung „zum Hirsch“ werden - s.unter 5). Der für den schnellen Scan vorgesehene Stapler mit Schieberegler funktioniert bei Agfa CS-Rahmen nicht immer einwandfrei. Das liegt offensichtlich daran, dass der Schlitten, mit dem das Dia zur Belichtungseinheit transportiert wird und dabei das sich dort befindliche vorherige Dia rauswirft für verschiedene Rahmenformate (also auch dickere als CS-Rahmen) geeignet ist. Da dadurch in der Höhe mehr Platz vorhanden ist als ein CS-Rahmen dick ist kommt es hin und wieder vor, dass das nachgeschobene Bild das vorherige nicht rausschiebt, sondern sich darüber legt und sich so die gesamte Mechanik verhakt. Dann muss man eben Hand anlegen und den gesamten Schlitten herausnehmen. Aber damit kann man leben.
5. Viel eher als die eben beschriebene mechanische Schwäche bremst das Phänomen STAUB ein „Scannen in Sekundenschnelle“ aus. Wem Flusen und Flecken am strahlend blauen Himmel, auf der weißen Wand, auf dem weißen Hemd, in (blonden) Haaren oder mitten im Gesicht etc. egal sind, der kann tatsächlich sekundenschnell scannen. Alle anderen nicht. Die Durchlichteinheit zieht Staub magisch an. Deshalb sollte diese nach allen 3-4 Scans mit der mitgelieferten Bürste gereinigt werden. Jedes Dia sollte, bevor(!) es in das Stapelmagazin eingelegt wird, mit einem Staubpinsel und/oder einem Blasebalg von Staub befreit werden. Zur Not es gegen das Licht halten. Klar, dass bei dieser Prozedur keine 20 Dias in der Minute gescannt werden können. Will man aber nachträglich die Flecken via Software entfernen, kann das pro Bild schon mal 10-15 Minuten dauern. Das ist dann viel zeitaufwendiger.
Schließlich noch ein letztes Wort zur Interpolation. Ich habe keine Lust auf Dateien mit einer Größe von 18 oder 20 MB (noch vor der Bearbeitung am PC), wenn sich das Ergebnis von der Normaleinstellung (Dateigröße ca. 3-5 MB) nicht erkennbar unterscheidet. Das Endergebnis wird ohnehin am Rechner erarbeitet. Zusammenfassend will ich folgendermaßen bewerten: als mechanisches Hilfsmittel auf dem Weg zum digitalen Bild: 4 Sterne, als Endgerät zur Erzeugung digitaler Bilder: 1 Stern. Da ich mich im Vorfeld aber ein wenig informiert hatte, habe ich es als Hilfsmittel gekauft. Deshalb die 4 Sterne.