Meine Aufgabenstellung war: knapp 2.000 Dias und Negative der letzten Jahrzehnte retten und digital konservieren. Zu diesem Zweck habe ich mich schon einige Jahre immer wieder mal mit dem Thema "Filmscanner" auseinandergesetzt und mich letztlich, den Rezensionen und dem augenscheinlich brauchbaren Preis/Leistungsverhältnis, für dieses Gerät entschieden. Ich habe es heute wegen mangelnder Leistung zurückgesandt und möchte andere an meinen probeweisen Erfahrungen teilhaben lassen. Zunächst die
VORTEILE:
* Gesamteindruck und Verarbeitung:
Das Gerät ist nicht grundsätzlich schlecht. Die Verarbeitung und die Verpackung sind solide und machen einen guten Eindruck. Die Halterahmen sind solide und fixieren alle Bildquellen zuverlässig und weitgehend plan.
* Lieferumfang:
Es ist ordentlich mit Zubehör ausgestattet, es liegen verschiedene Netzsteckeradapter, ein USB-Kabel, ein Videokabel (leider nicht HDMI), je zwei Negativ- und Diaschlitten sowie ein Reinigungspinselchen für das Innenleben bei.
* Anschlüsse:
Neben dem USB-/Stromanschluß gibt es einen Videoausgang. So kann man die gerade gescannten Bilder auf dem Fernseher (auf den sich die Nutzung der vom Hersteller offenbar anvisierten Zielgruppe wohl auch beschränken dürfte) begutachten.
* Handhabung:
Das Einscannen geht wirklich flott von der Hand: Aufnehmen, speichern, fertig. Wahlweise können ca. 25 Bilder im internen Speicher abgelegt werden oder so viele wie auf die (optional einlegbare) SD-Karte passen. Die Bilder werden als JPEG-Dateien abgelegt und können, wenn man möchte, direkt nach dem Umschalten auf den USB-Modus via Kabel am Rechner eingelesen werden - der Scanner wird als normales USB-Laufwerk erkannt und erlaubt alle üblichen Dateioperationen wie Umbenennen, Löschen etc. So spart man sich das hin- und herstecken von Karten oder Kabeln und der Strom aus der USB-Buchse reicht auch zum Betrieb beim Scannen.
* Bildqualität:
Die Bildqualität ist in der Tat "ganz ok" - solange man "ausgewogene" (entschuldigung:) Allerweltsbilder scannt, erhält man Resultate, die für die "Diashow" am heimischen Flachbild-TV auf jeden Fall ausreichen. Das gilt vor allem für Farbnegative, die das Gerät im entsprechenden Modus direkt in Positive umwandelt (es gibt für Farb- und s/w-Filme je einen separaten Modus). Sobald man aber Schnappschüsse aus dem Bereich "vollautomatisches Belichtungsprogramm" verläßt, offenbaren sich recht schnell die
NACHTEILE:
* Bildsensor und Belichtung:
Schon bei Schwarzweißnegativen, die im Vergleich zu Farbmaterial oft kontrastreicher sind, erst recht aber bei von Hause aus meist sehr "harten" Diapositiven werden die Grenzen des Bildsensors und vor allem der Belichtungsautomatik viel zu schnell erreicht. Da genügt es schon, wenn man Tante Emma im Gegenlicht geblitzt oder eine stimmungsvolle Nachtaufnahme am Strand mit starken Hell-Dunkel-Unterschieden gemacht hat. Das ist schon deshalb ärgerlich, weil man das mit einer manuellen Belichtungskorrektur (als Ergänzung zu der scheinbar fest auf "mittlerer Grauwert" einprogrammierten Belichtung) der Firmware hätte deutlich lindern können, woran aber niemand gedacht hat (zur Firmware siehe auch weiter unten). Speziell bei Kontrastreichen Bilden "verkleben" jeweils helle und dunkle Partien zu kaum differenzierbaren, detailarmen Bereichen, und machen dabei die hohe nominale Auflösung des Sensors wieder effektiv zunichte.
* Farbtreue:
Fast alle Dateien (außer die schwarzweißen) weisen einen leichten Blaustich auf. Dies war sowohl bei Negativen, als auch und vor allem bei Dias der Fall, und zwar nicht nur bei denen, die auch mit bloßem Auge unter den Jahren gelitten haben sondern auch bei gut erhaltenen Aufnahmen.
* Resultierende Bilddateien:
Zwar kann man mit einem guten Bildbearbeitungsprogramm über die eingebauten Korrekturfilter (z.B. Gamma etc.) manchmal noch ein wenig herausholen, aber auch da wird es schnell problematisch, weil es keine Möglichkeit gibt, an die unkomprimierten Scans heranzukommen. Das Gerät liefert JPEGs, deren Parameter sich am Gerät auch nicht justieren lassen, und so hat man selbst ohne Weiterbearbeitung in jedem Fall schon mindestens einen Kompressionsverlust, der sich nicht mehr ausgleichen läßt und der Details in dunkleren Bereichen zerstört und der nachträglichen Optimierung rasch Grenzen setzt.
* Bedienung und Firmware
Man kann scannen (ein Bild nach dem anderen), das Speichermedium formatieren (und löschen), das gerade aufgenommene Bild kann man jeweils verwerfen, einmalig(!) nach links oder rechts kippen (jedoch nicht um 180° drehen), und es, gekippt oder nicht, speichern. Außerdem gibt es ein Einstellungsmenü (mit quasi keinem brauchbaren Untermenüpunkt) und den Wiedergabemodus. In den USB-Modus gelangt man, und hier merkt man schnell, daß für einen praktischen Endbenutzertest der Firmware wenig bis gar nichts investiert wurde, ausschließlich direkt nach dem Einschalten oder aber nach dem Aufnehmen eines Bildes (dann über den Umweg "Hauptmenü"). Ist der Speicher voll, kriegt man nur eine Fehlermeldung - muß dann ausschalten, wieder einschalten und kann erst dann wechseln. Ebenso kommt man aus dem USB-Modus nicht wieder ohne Reset in den Scanmodus. Das sind zwar alles Kleinigkeiten, an die man sich sicher gewöhnen kann, aber für ein paar tausend Scans wird das dann doch ziemlich nervig. Ein bereits von einem anderen Rezensenten kritisierter Punkt ist, daß das eingebaute Display beim normalen Sitzen an einem Schreibtisch nicht zu gebrauchen ist, man muß das Gerät dann kippen (oder einen Buckel machen).
* Fehlende bzw. vermißte Funktionen
Gut, eine manuelle Belichtungskorrektur oder wenigstens die manuelle Vorgabe eines mittleren Grauwerts/Gammawerts als individuellen Aufnahmestandard kann man vielleicht gar nicht erwarten in dieser Preisklasse. Daß es aber nicht mal einen Weg gibt, über das Einstellungsmenü Vorgabewerte für die EXIF-Daten (die lauten dann "Description: My beautiful picture, Date/time: 2008-01-01, 12:00 AM") oder überhaupt wenigstens Datum und Uhrzeit einzustellen, das ist schon ziemlich mau.
FAZIT:
Wie vorher von anderen und oben in Langfassung von mir schon geschrieben: Wer einfach nur die Urlaubsschnappschüsse aus der vollautomatischen Kleinbildkompaktkamera in eine Powerpoint-Show umwandeln will, wird mit diesem Gerät auf jeden Fall zufrieden sein. Ich glaube aber, daß viele der resultierenden Bilder nicht einmal für die Weiterverarbeitung in einem Digitallabor taugen, jedenfalls nicht, wenn man über 10x13-Abzüge oder bedruckte Kaffetassen hinaus will. Ich persönlich setze meine Hoffnungen für meine doch etwas komplexeren Motive als nächstes auf einen Diaduplikator für die DSLR, den ich bereits geordert habe.
HINWEIS:
Wenn ich es nicht vergesse, werde ich bei Gelegenheit mal zum Vergleich einen Scan aus diesem Gerät und ein Bild aus der DSLR mit dem Duplikator hochladen. // Update: Siehe unten.
TIP:
Noch ein grundsätzlicher Rat fürs Filmscannen (egal mit welchem Gerät): Weicher Filmpinsel und Blasebalg, um Staub und Fusseln loszuwerden, sofern man nicht hinterher mühselig am Bildschirm herumretuschieren möchte.
UPDATE/ERGÄNZUNG:
Ich habe inzwischen den Kaiser-Diaduplikator (den ich bei Gelegenheit auch rezensieren werde). Zum Vergleich habe ich Bilder hochgeladen; siehe "Kundenbilder" auf der Artikelseite. Kurzfazit: Wer ohnehin eine ordentliche Digitalkamera mit guter Optik hat, an die man einen Duplikator anschließen kann, erhält damit sicher qualitativ hochwertigere Resultate.