Wie kann man nur so unendlich entspannt und locker sein? Ich bewundere diese lebensweise Gelassenheit jedenfalls immer wieder und immer mehr. Und sie überträgt sich, das ist das Wunderbare, unmittelbar auf den Hörer!
Stellen Sie sich vor, sie sitzen am Steuer ihres Autos und freuen sich auf den bevorstehenden Feierabend. Vor Ihnen aber schleicht seit fünf Minuten Oma Kaluppke aufreizend langsam auf der erfolgreichen Suche nach dem nächsten größeren Schlagloch dahin, oder ein mental unterzuckerter Diplomlandwirt befördert seinen Traktor mit 20 km/h betont gemütlich in Richtung seiner etwa vier Kilometer entfernten Hofeinfahrt.
Egal! Denn wenn Sie während dieser Nervenprüfung schön laut J.J. Cales ROLL ON hören, wird Ihnen all das überhaupt nichts ausmachen. Take it easy, baby!
Erstaunlich, wie viele Ohrwürmer Mister Cool aus Oklahoma, dem mittleren Süden der USA (südlich von Kansas und nördlich von Texas), auch auf seinem neuen Album wieder aus dem Ärmel schüttelt. Wenn sie z.B. Nummern wie das herrliche, mit Banjo aufgelockerte "Strange Days", oder "Cherry Street" oder das mit Eric Clapton aufgenommene Titelstück "Roll On" im Radio spielen würden (was sie nicht tun, diese Ignoranten), dann würden die Telefonleitungen in kürzester Zeit heiß laufen. 'Wer war das da eben?!?' würden die rockgeschichtlich unwissenden Hörer fragen und den Song gleich noch einmal hören wollen. Ja, so wäre das.
Genau 41 wunderbar kurze Minuten (wie früher, als es nur Vinyl-LPs gab), transparent und kraftvoll produziert (glauben Sie niemandem, der das Gegenteil behauptet!), versehen mit einem witzigen Coverfoto, auf dem sich Herr Cale hinter einer roten Akustikgitarre zu verstecken scheint. Dabei weiß er ganz genau, dass er eben dies am allerwenigsten nötig hat.
Obwohl J.J. Cale inzwischen 70 Jahre alt ist, wäre es fatal, hier von einem 'Alterswerk' zu faseln. Dieser Mann ist nicht wirklich alt, denn er ist jung im Herzen und in der Seele. Und das allein ist es, was zählt.