Anlässlich des diesjährigen 80sten Geburtstags von Rolf Kühn hat Universal lobenswerterweise eine 5-teilige Reissue-Serie dieses Ausnahmekünstlers veröffentlicht, die sich von klassischem über Modern und Free bis hin zum Fusion Jazz erstreckt und damit die wichtigsten Phasen Kühns exemplarisch abdeckt und endlich wieder zugänglich macht.
Den Anfang dieser Reihe bildet mit "Rolf Kühn feat. Klaus Doldinger" eine Veröffentlichung aus dem Jahr 1962, die auf dem damaligen Brunswick-Label erschien. Kühn, nach einem 6-jährigen Aufenthalt aus Amerika zurückgekehrt, fand im Hamburger Musikverleger Alfred Schacht einen Jazzliebhaber, der einen Release-Kontrakt einfädelte. Kühn hatte auf einem Jazzworkshop den Saxophon-Newcomer Klaus Doldinger kennengelernt und lud ihn ein, eine gemeinsame LP aufzunehmen. Neben den beiden sind als Rhytmusgruppe Organist Ingfried Hoffmann sowie die beiden Holländer Hermann Schoonderwalt (am Bass) und Cees See (an den Drums) dabei. Doldinger-Fans ist das "Rolf Kühn feat. Klaus Doldinger"-Album nicht unbekannt: auf der CD-Box
Early Doldinger - The Complete Philips Sessions fand sich ein Titel aus diesen Sessions als Bonustrack - jetzt nun bekommt man Gelegenheit, das ganze Werk zu hören.
Was diese 5 Mann hier aufbieten ist zwar klassisch orientierter, aber dennoch moderat-moderner Jazz der gehobenen Preisklasse. Kühn beherrscht sein Instrument in Vollendung, Doldinger (der ein Jahr später auf Philips mit "Jazz in Germany" ein international richtungweisendes Album vorlegte) zeigt bereits eine frühe Probe seines Könnens und Hoffmann dokumentiert auch hier, warum er in den 60ern als einer der besten Organisten Europas gehandelt wurde. Die Backing-Gruppe phrasiert mit phantastischem Groove die mitreißenden Soli.
Das von Verleger Schacht vorgegebene Repertoire setzt sich neben einer Kühn'schen Eigenkomposition ("Butterfly") aus Stücken bekannter Schreiber wie Günter Fuhlisch ("Opus 90"), Rolf-Hans Müller ("Combo Swing"), Erwin Lehn ("Swing For Sale"), Conny Schumann ("Midnight Session") oder Hans-Martin Majewski zusammen. Dessen "Jockey Bounce" wird Interessierten nicht unbekannt vorkommen - handelt es sich doch um ein Thema, das Majewski eigentlich für den Berliner Gitarristen Johannes Rediske schrieb (eine Quintett-Version gibt es auf
Re-Disc Bounce) und in seinen Vertonungsarbeiten des Öfteren verwendete (so im Fernsehfilm "Das Glück läuft hinterher" oder dem Hörspiel "Am grünen Strand der Spree"). Alle Titel werden bei diesem Legendengipfel mit viel Verve und Enthusiasmus interpretiert - es ist zu merken, dass die Musiker enormen Spaß bei den Sessions hatten.
"Rolf Kühn feat. Klaus Doldinger" präsentiert drei deutsche Jazzgrößen in Höchstform. Ein witziges, interessantes und gleichzeitig feuriges Album aus einer der besten Phasen des europäischen Jazz. Abgerundet wird diese Wiederveröffentlichung, die die Musik zum ersten Mal überhaupt in knackigem Stereo präsentiert, von einem informativen Booklet, das die originalen Liner Notes von Jazz-Kenner Siegfried Schmidt-Joos enthält. Man lasse sich begeistern.