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Rokland [Gebundene Ausgabe]

Hallgrimur Helgason , Karl-Ludwig Wetzig
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 24,95 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Kurzbeschreibung

Juli 2006

Nach zehn fernsehlosen Jahren in Berlin kehrt Böddi Steingrimsson als Lehrer in seinen Heimatort zurück, eine spießige Kleinstadt im Norden Islands. Als der Schulleiter ihm kündigt, setzt der Antiheld den Kampf gegen den Verlust der Kultur mit einem eigenen Blog fort. Doch es kommt noch schlimmer: Nach dem Tod seiner Mutter muss Böddi aus dem Elternhaus ausziehen. Das reicht, um endgültig durchzudrehen …

-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 478 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 1., Aufl. (Juli 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608937668
  • ISBN-13: 978-3608937664
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,4 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 286.303 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»... Das hat diebischen Unterhaltungswert. Die Dialoge sind witzig, die Pointen sitzen, die Dramaturgie zwingt den Helden sachgerecht in die Knie... « Ulrich Seidler (Berliner Zeitung, 01.03.2007) »... Wenn es eines Bestsellers aus dem skandinavischen Raum bedarf, dann ist es in meinen Augen ganz klar "Rokland". ...« Denis Scheck (Deutschlandfunk, Büchermarkt vom 19.9.2006) »... Schräge Ideen, durchgeknallte Charaktere - damit wurde Hallgrímur Helgason zu einem der meistgelesenen Schriftsteller Islands. ... Der neue Roman "Rokland" ist nicht nur schräg und rasant, sondern eine tiefgehende Gesellschaftssatire. ... Diese Buch ist ein Tritt in den Arsch des Status quo. "Aber Literatur ändert nichts über Nacht", weiss Hallgrímur Helgason. Udo Taubitz (Berliner Zeitung, 9.11.06) »... Mit einer entwurzelten Konsum- und Mediengesellschaft rechnet Helgason in "Rokland", einer wilden, ungestümen Groteske ab. Wie bei Helgason üblich, dreht sich alles um den übergroßen, gleichermassen verunsicherten wie grössenwahnsinnigen Helden. ... In der tragikomischen Pose eines Don Quijotes reitet Böddi im fulminanten Finale durch die Kulissen des Romans, vorbei an Konsumparadiesen voller Wohlstandsmüll, in Richtung Reykjavik, wo er eine Kulturrevolution ausrufen will, doch in Teufels Küche, im Studio des Privatfernsehens, landet. Helgasons trauriger Held lebt zur falschen Zeit im falschen Land. ...« Aldo Keel (Neue Zürcher Zeitung, 28./29.10.2006) »Das ist es, was dieses von Karl-Ludwig Wetzig kongenial übersetzte Buch voller Schimpftiraden, Alkoholexzesse und anderer schöner Abstürze, voller ins Nichts führender Höhenflüge und absurder Dialoge, voller farbiger Beschreibungen landschaftlicher Schönheit und menschlicher Geschmacksverirrungen, voller Gerichte, die man niemals essen möchte, so lesenswert macht: die Ironie der Geschichte eines, der auszog gegen Dummheit und Ungerechtigkeit zu kämpfen, und sich dabei denkbar dumm und lieblos anstellt, ein Don Quichote unserer Tage. "Ein Prophet auf Landsendi" heißt eines der Kapitel, und so werden wir Bödvar Halldór Steingrímmsson fern aber gern in Erinnerung behalten: als Propheten am Ende der Welt.« (Stuttgarter Zeitung, 04.10.2006) »... Hallgrimur Helgason - und Übersetzer Karl-Ludwig Wetzig - gelingen messerscharfe Beschreibungen. Nie ist der Stoff beliebig, kein Vergleich wirkt schon tausendfach gelesen und auch der Witz sitzt. "Rokland" gibt Vollgas - auch wenn "Böddi" nur eine Pferdestärke zur Verfügung steht.« Martin Münzberger (Wilhelmshavener Zeitung, 30.09.2006)

Klappentext

Schlechter kann es für Böddi nicht laufen. Erst fliegt er als Lehrer, dann erfährt er, daß er gerade der Tochter seines ehemaligen Rektors ein Kind gemacht hat. Dann verliert er nach dem Tod der Mutter auch noch sein Elternhaus. Das reicht, um durchzudrehen: Böddi steigt auf sein Pferd und bricht zu einem Amokritt in die Hauptstadt auf. In Reykjavík ruft er zum allgemeinen Umsturz der Lebensverhältnisse auf, doch hinter seinem Rücken vermarktet ihn der eigene Bruder schon in den Medien ...

»Rokland« ist als literarische Gesellschaftssatire eine konsequente Fortsetzung der beiden vorangegangenen Romane von Hallgrímur Helgason. Der isländische Don Quijote des 21. Jahrhunderts kämpft allerdings nicht gegen Windmühlen, sondern gegen die Allgegenwart des Fernsehens und die allgemeine Verflachung und Verblödung seiner Landsleute. Den großen Showdown inszeniert Helgason, wie er es zu seinem unverwechselbaren Markenzeichen gemacht hat: sarkastisch, ketzerisch und voll schräger Ideen.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kleine Menschen haben kleine Kenntnisse . 28. Januar 2007
Von Helga Kurz TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Bisher war die gletscherreiche, meerumtoste Nordatlantikinsel Island, Eisland, recht unbekanntes Terrain für mich. Das "Islandtief" ist mir natürlich ein seufzerauslösender Begriff, aber dass es dort "Literaturhochs" gibt, weiß ich erst, seit ich - zum Glück - "Rokland" geschenkt bekam und mich darin begeistert und unter Vernachlässigung etlicher Pflichten auf Neuland einließ. Warum?

Vergleicht man das Abtauchen in ein Buch mit einem erholsamen, seelebaumelnden Spaziergang in sanfter grüner Hügellandschaft, so trifft das auf "Rokland" gewiss nicht zu. "Rokland" ist so, als würde einem beim ersten Schritt ins Freie die Tür mit Wucht aus der Hand gerissen und zugeknallt. Der Sturm dreht den flugs gegen den sturzbachartigen Regen aufgespannten Schirm um, zerknickt ihn und weht ihn davon. Eiskalt und klatschnass ist man der Natur ausgeliefert und stellt fest, dass das auch noch unheimlich viel Spaß macht!

"Rokland". Namengebend ist ein windschiefes Häuschen, hart am Meer in einem kleinen Kaff, irgendwo auf Island (3 Einwohner pro km², insgesamt rund 310.000 Menschen, die zu 93% in "Städten" leben). Es ist das Elternhaus unseres Protagonisten Böddi H. Steingrimsson, ein Philosoph und Weltverbesserer, der nach langen Studien- und Durchhängejahren in Deutschland wieder bei seiner verwitweten, mittlerweile fernsehsüchtigen Mutter gelandet ist. Gelandet ist durchaus die passende Bezeichnung: Böddi hat etwas von einem Alien an sich. So sehen es wenigstens die Dorfbewohner, die dem heimkehrenden Sohn zunächst eine Stelle als Lehrer anbieten, ihm diese wegen seiner merkwürdigen Ansichten und Methoden jedoch genauso schnell wieder entziehen. Böddi ist sauer. Sauer, verbittert und mordsmäßig wütend.

Don Quijote ist eine strapazierte Metapher, passt aber auf Böddi wie die Faust aufs Auge. Seine Windmühlen bestehen aus Frisiersalons, Hamburgern, Cola, Geländewagen, Verweichlichung und ganz besonders aus der massiven Verblödung, die moderne Medien, allen voran das Fernsehen, bei seinen Landsleuten auslöst. Der Mann, der weit über den Tellerrand hinausblickt und in Berlin die großen deutschen Philosophen studiert hat ("Je höher wir streben, desto kleiner erscheinen wir denjenigen, die nicht fliegen können." Nietzsche) ist erbost darüber, wie dumpfbackig und hohl die Isländer mit der ständig steigenden Kaufkraft, die sich aus Einkommen an der Weltspitze speist, geworden sind. Einst waren die Isländer Sprachpuristen, heute huldigen sie platter Werbung und nichtssagenden Rocksongs auf englisch, so Böddi. Und nicht genug, er muss auch noch ertragen, dass sein finanziell sehr erfolgreicher Bruder in diesem Metier zu Hause ist und sich dabei so wohl wie ein Fisch im Wasser fühlt. Doch die modernen Medien nutzt auch Böddi, der in seinem bitterbösen, ätzenden Internetblog die Missstände seines Landes anprangert, ohne ein Blatt vor dem Mund zu nehmen. Im realen Leben schießt er einen Bock nach dem anderen. Seine Situation wird immer schwieriger. Als seine Mutter stirbt, verliert er sein Dach über dem Kopf, und ein halbes Jahr später wird ihm auch noch die unfreiwillige Vaterschaft, die ihm erstaunlich gut gefällt, von Amts wegen wieder entzogen. Das ist zuviel für Böddi. Sein Land braucht eine Revolution; so macht er sich auf Jarpur, dem geplagten Nichtraucherpferd, auf nach Reykjavik, um in der Hölle zu scheitern. Böse zu scheitern.

Hallgrimur Helgason, einer der erfolgreichsten isländischen Schriftsteller, hat eine bitterböse, tieftraurige und urkomische Geschichte über einen klugen, massiv scheiternden Menschen geschrieben.
Seine Sprachgewalt und sein Wortschöpfungstalent ist enorm. Dass wir das auf deutsch erfahren können, liegt gewiss auch an der guten Übersetzung von Karl-Ludwig Wetzig, der für seine Helgason-Übersetzungen den Preis der Dialog-Werkstatt Zug erhielt. Ich freue mich auf den Lesegenuss, den auch die anderen Bücher von Hallgrimur Helgason versprechen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lesenswert! 14. Dezember 2008
Von B. Böhm
Format:Gebundene Ausgabe
"Rockmusik lebte davon, dass man seine individuelle Persönlichkeit in einem kollektiven Mob aufgab.[...]Für sich genommen mag jeder einzelne intelligent sein, in der Masse ist er ein Esel. Jeder IQ muss durch die Menge der Anwesenden geteilt werden. Wie der Faschismus fühlte sich Rockmusik in gigantischen Arenen am wohlsten.
[...]Böddi gab es auf, in irgendwelchen Kellern abzuhängen, und ging stattdessen in die Berge."

Eine durchaus kontroverse Ansicht, die mit Sicherheit nicht jeder unterschreiben kann. Sie ist jedoch charakteristisch für den einsamen (Anti-)Helden dieses Buches.
Böddi Steingrimsson, mit Leib und Seele Isländer, ist eine Art Don Quichote. Seine Windmühlen sind der Materialismus, das "Munddenken", wie er es nennt, das seine Landsleute seiner Meinung nach befallen hat: Sie beschränken sich allein aufs Konsumieren, darauf, "[...] sich mit Musik, Fraß und Filmen vollzustopfen.".

Ein Sachverhalt, der sich auf jedes beliebige Land in Europa übertragen ließe. Böddi jedoch verzweifelt vorrangig an der Verblödung seines eigenen Volkes. Er wirft ihm vor, den reichen Kulturschatz Islands zu verraten. Er beobachtet mit Schrecken, wie sich auch dort Fastfoodtempel und Supermärkte ausbreiten.
Island ist für ihn nicht das Land der Elfen, sondern ein Land voller stumpfsinniger Bauern in Vliespullovern, dessen Männer sich allein für englische Fußballclubs, dessen Frauen sich allein fürs Sonnenstudio interessieren.

Stattdessen romantisiert er ausgerechnet Deutschland. Er hat in Berlin Nietzsche, Hölderlin und Goethe studiert.
Allerdings hat er es dort vor Heimweh nicht ausgehalten. Zurück im Heimatort kann er nur als Lehrer arbeiten, doch auch diesen Job verliert er, als eine Schülerin sich bei einem Selbsterfahrungstrip in einer Höhle, zu der Böddi die Kinder zwingt, verletzt.

Böddi scheitert eigentlich das ganze Buch durch, aber er tut es durchaus unterhaltsam. Er erinnert dabei oft an Klaus Kinski in seinen besten Jahren: ständig irgend jemand beleidigend, ständig wütend, ganz schön wahnsinnig. Aber gerade deshalb sympathisch.

Was Böddi für den Leser erträglich macht, sind die anderen Figuren des Buches, die ihn meistens wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen, wenn er allzu wild um sich schlägt. Zum Beispiel sein Bruder Viddi, ein Schauspieler, der davon lebt, dass er seine Stimme Werbeslogans im Radio leiht.
Oder Keli, der launische und ständig besoffene Leiter des einzigen Hotels im Ort.

Jedenfalls ist das Buch vor allem wegen seiner Sprache so lesenswert, die vom Übersetzer hervorragend wiedergegeben wird.
Absolut empfehlenswert.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen plattgewalzt 10. April 2012
Format:Gebundene Ausgabe
helgasons lieblingstypen sind die verlierer in der modernen welt. einer davon ist böddi, selbsternannter philosoph und besserwisser, der nietzsche liebt und zitiert, hart gegen körper und geist ist - aber nur gegenüber anderen, nicht sich selbst gegenüber. er selbst lebt nach mehrjährigem deutschlandaufenthalt im keller des kleinen hauses seiner mutter im norden von island von arbeitslosenunterstützung und der gutmütigkeit seiner fernsehsüchtigen mutter, die sich selbst schon längst aufgegeben hat. gelegenheitssex macht böddi zum vater, und fast könnte man meinen, nun hat er etwas, das ihn aufrichtet, aber sein zorn gegen die moderne welt, in der seiner ansicht nur mehr verweichlichte kinder und verfressene SUV-fahrer leben, lässt alles ganz anders kommen.

helgason beschreibt island, das sich innerhalb weniger jahrzehnte, ja fast jahre vom agrarstaat zum (bis vor der finanzkrise) reichen dienstleistungsstaat verändert hat aus der sicht und in den worten des zornigen loosers böddi und kann damit so richtig kräftig ins volle greifen und das stilmittel der masslosen übertreibung verwenden, das die leserInnen dieses romans dem antihelden gegenüber nur den kopf schütteln lässt. dennoch weiss man, dass böddi ja recht hat, dass da etwas höchst unerfreulich schief läuft, nicht nur auf island, sondern in der ganzen welt. während der grossteil der menschen mit dieser erkenntnis aber schon zufrieden ist, entschliesst sich böddi nach den erlebnissen und erkenntnissen der letzten zeit aber zur revolution. das tragische ende wird damit unausweichlich und böddi wird vom schicksal plattgewalzt wie von den breitreifen der von ihm so gehassten SUV-fahrer.

eine gute geschichte, die einen nachdenklich zurücklässt, aber nicht ganz aus einem guss gemacht zu sein scheint. mancher rhytmuswechsel war für mich nicht als stilmittel erkennbar und irritierte mich daher. aber ein gutes helgason-buch ist es allemal.
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