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Produktinformation
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So ist es, wenn man nach Jahren in Berlin zurückkommt in sein isländisches Kaff mit fast so vielen Frisiersalons wie weiblichen Einwohnern. Nun lebt Böddi also wieder bei seiner fernsehverblödeten Mutter und unterhält seine Schüler auf seiner blog-Seite mit beißenden Karikaturen ortsbekannter Größen. Das kann nicht lange gutgehen - erst recht nicht bei Hallgrímur Helgason!
»Rokland« ist als literarische Gesellschaftssatire eine konsequente Fortsetzung der beiden vorangegangenen Romane von Hallgrímur Helgason. Der isländische Don Quijote des 21. Jahrhunderts kämpft allerdings nicht gegen Windmühlen, sondern gegen die Allgegenwart des Fernsehens und die allgemeine Verflachung und Verblödung seiner Landsleute. Den großen Showdown inszeniert Helgason, wie er es zu seinem unverwechselbaren Markenzeichen gemacht hat: sarkastisch, ketzerisch und voll schräger Ideen.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kleine Menschen haben kleine Kenntnisse .,
Von Helga Kurz "Helga Kurz" (Stuttgart) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Rokland (Gebundene Ausgabe)
Bisher war die gletscherreiche, meerumtoste Nordatlantikinsel Island, Eisland, recht unbekanntes Terrain für mich. Das "Islandtief" ist mir natürlich ein seufzerauslösender Begriff, aber dass es dort "Literaturhochs" gibt, weiß ich erst, seit ich - zum Glück - "Rokland" geschenkt bekam und mich darin begeistert und unter Vernachlässigung etlicher Pflichten auf Neuland einließ. Warum?Vergleicht man das Abtauchen in ein Buch mit einem erholsamen, seelebaumelnden Spaziergang in sanfter grüner Hügellandschaft, so trifft das auf "Rokland" gewiss nicht zu. "Rokland" ist so, als würde einem beim ersten Schritt ins Freie die Tür mit Wucht aus der Hand gerissen und zugeknallt. Der Sturm dreht den flugs gegen den sturzbachartigen Regen aufgespannten Schirm um, zerknickt ihn und weht ihn davon. Eiskalt und klatschnass ist man der Natur ausgeliefert und stellt fest, dass das auch noch unheimlich viel Spaß macht! "Rokland". Namengebend ist ein windschiefes Häuschen, hart am Meer in einem kleinen Kaff, irgendwo auf Island (3 Einwohner pro km², insgesamt rund 310.000 Menschen, die zu 93% in "Städten" leben). Es ist das Elternhaus unseres Protagonisten Böddi H. Steingrimsson, ein Philosoph und Weltverbesserer, der nach langen Studien- und Durchhängejahren in Deutschland wieder bei seiner verwitweten, mittlerweile fernsehsüchtigen Mutter gelandet ist. Gelandet ist durchaus die passende Bezeichnung: Böddi hat etwas von einem Alien an sich. So sehen es wenigstens die Dorfbewohner, die dem heimkehrenden Sohn zunächst eine Stelle als Lehrer anbieten, ihm diese wegen seiner merkwürdigen Ansichten und Methoden jedoch genauso schnell wieder entziehen. Böddi ist sauer. Sauer, verbittert und mordsmäßig wütend. Don Quijote ist eine strapazierte Metapher, passt aber auf Böddi wie die Faust aufs Auge. Seine Windmühlen bestehen aus Frisiersalons, Hamburgern, Cola, Geländewagen, Verweichlichung und ganz besonders aus der massiven Verblödung, die moderne Medien, allen voran das Fernsehen, bei seinen Landsleuten auslöst. Der Mann, der weit über den Tellerrand hinausblickt und in Berlin die großen deutschen Philosophen studiert hat ("Je höher wir streben, desto kleiner erscheinen wir denjenigen, die nicht fliegen können." Nietzsche) ist erbost darüber, wie dumpfbackig und hohl die Isländer mit der ständig steigenden Kaufkraft, die sich aus Einkommen an der Weltspitze speist, geworden sind. Einst waren die Isländer Sprachpuristen, heute huldigen sie platter Werbung und nichtssagenden Rocksongs auf englisch, so Böddi. Und nicht genug, er muss auch noch ertragen, dass sein finanziell sehr erfolgreicher Bruder in diesem Metier zu Hause ist und sich dabei so wohl wie ein Fisch im Wasser fühlt. Doch die modernen Medien nutzt auch Böddi, der in seinem bitterbösen, ätzenden Internetblog die Missstände seines Landes anprangert, ohne ein Blatt vor dem Mund zu nehmen. Im realen Leben schießt er einen Bock nach dem anderen. Seine Situation wird immer schwieriger. Als seine Mutter stirbt, verliert er sein Dach über dem Kopf, und ein halbes Jahr später wird ihm auch noch die unfreiwillige Vaterschaft, die ihm erstaunlich gut gefällt, von Amts wegen wieder entzogen. Das ist zuviel für Böddi. Sein Land braucht eine Revolution; so macht er sich auf Jarpur, dem geplagten Nichtraucherpferd, auf nach Reykjavik, um in der Hölle zu scheitern. Böse zu scheitern. Hallgrimur Helgason, einer der erfolgreichsten isländischen Schriftsteller, hat eine bitterböse, tieftraurige und urkomische Geschichte über einen klugen, massiv scheiternden Menschen geschrieben. Seine Sprachgewalt und sein Wortschöpfungstalent ist enorm. Dass wir das auf deutsch erfahren können, liegt gewiss auch an der guten Übersetzung von Karl-Ludwig Wetzig, der für seine Helgason-Übersetzungen den Preis der Dialog-Werkstatt Zug erhielt. Ich freue mich auf den Lesegenuss, den auch die anderen Bücher von Hallgrimur Helgason versprechen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Lesenswert!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Rokland (Gebundene Ausgabe)
"Rockmusik lebte davon, dass man seine individuelle Persönlichkeit in einem kollektiven Mob aufgab.[...]Für sich genommen mag jeder einzelne intelligent sein, in der Masse ist er ein Esel. Jeder IQ muss durch die Menge der Anwesenden geteilt werden. Wie der Faschismus fühlte sich Rockmusik in gigantischen Arenen am wohlsten.[...]Böddi gab es auf, in irgendwelchen Kellern abzuhängen, und ging stattdessen in die Berge." Eine durchaus kontroverse Ansicht, die mit Sicherheit nicht jeder unterschreiben kann. Sie ist jedoch charakteristisch für den einsamen (Anti-)Helden dieses Buches. Böddi Steingrimsson, mit Leib und Seele Isländer, ist eine Art Don Quichote. Seine Windmühlen sind der Materialismus, das "Munddenken", wie er es nennt, das seine Landsleute seiner Meinung nach befallen hat: Sie beschränken sich allein aufs Konsumieren, darauf, "[...] sich mit Musik, Fraß und Filmen vollzustopfen.". Ein Sachverhalt, der sich auf jedes beliebige Land in Europa übertragen ließe. Böddi jedoch verzweifelt vorrangig an der Verblödung seines eigenen Volkes. Er wirft ihm vor, den reichen Kulturschatz Islands zu verraten. Er beobachtet mit Schrecken, wie sich auch dort Fastfoodtempel und Supermärkte ausbreiten. Island ist für ihn nicht das Land der Elfen, sondern ein Land voller stumpfsinniger Bauern in Vliespullovern, dessen Männer sich allein für englische Fußballclubs, dessen Frauen sich allein fürs Sonnenstudio interessieren. Stattdessen romantisiert er ausgerechnet Deutschland. Er hat in Berlin Nietzsche, Hölderlin und Goethe studiert. Allerdings hat er es dort vor Heimweh nicht ausgehalten. Zurück im Heimatort kann er nur als Lehrer arbeiten, doch auch diesen Job verliert er, als eine Schülerin sich bei einem Selbsterfahrungstrip in einer Höhle, zu der Böddi die Kinder zwingt, verletzt. Böddi scheitert eigentlich das ganze Buch durch, aber er tut es durchaus unterhaltsam. Er erinnert dabei oft an Klaus Kinski in seinen besten Jahren: ständig irgend jemand beleidigend, ständig wütend, ganz schön wahnsinnig. Aber gerade deshalb sympathisch. Was Böddi für den Leser erträglich macht, sind die anderen Figuren des Buches, die ihn meistens wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen, wenn er allzu wild um sich schlägt. Zum Beispiel sein Bruder Viddi, ein Schauspieler, der davon lebt, dass er seine Stimme Werbeslogans im Radio leiht. Oder Keli, der launische und ständig besoffene Leiter des einzigen Hotels im Ort. Jedenfalls ist das Buch vor allem wegen seiner Sprache so lesenswert, die vom Übersetzer hervorragend wiedergegeben wird. Absolut empfehlenswert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Lesen? Lesen!!,
Von Hansjoerg Walz "lion164" (Klosterneuburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Rokland (Gebundene Ausgabe)
"Rokland" beginnt als Gesellschaftssatire und findet den für dieses Meisterwerk einzig passenden Schluss in der "Hölle". Erwähnenswert: Geniale Übersetzung von Karl-Ludwig Wetzig!
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