... am Medienkonzern ist wohlfeil, humorlos und meistens ohne Substanz. Wir haben uns längst daran gewöhnt, an die scheele Missgunst des Fachgazettenredakteurs gegenüber den so genannten Major Labels und den dort engagierten Künstlern.
Derlei Systemkritik erstreckt sich auch auf Erwin Schrott (Jahrgang 1972), den Ehemann von Anna Netrebko, und dessen Crossover-Album "Rojotango". Crossover, weil Bariton Schrott sich darauf dem Tango (in unterschiedlichen Spielarten) widmet.
Und Systemkritik? Nun ja, mäkelt der Redakteur, Schrott sei nun mal ein ausgebildeter Bariton und die damit verbundene artistische Verbildung vertrage sich nicht mit dem verruchten Tango. Und schließlich gehe Barenboim ja auch nicht ins Dschungelcamp.
Und so weiter. Klingt plausibel. Ist es aber nicht.
Schrott ist mit diesem Album ein echter Tango-Kracher gelungen. Und er hat dazu nur die erste Garde engagiert, u.a. Pablo Ziegler, eine lebende Tango-Legende. Manchmal ist es gut, bei einem Major Label engagiert zu sein. Die können sich so etwas leisten.
Von der artistischen Verfehlung des Tangos durch Erwin Schrott kann keine Rede sein: Der Bariton brilliert mit grandioser Virilität, Ausdrucksstärke und Präsenz. Er wirbt, verführt, gibt an. The Great Pretender - in mancherlei Tango-Variation.
Viele Abstecher ins populäre Fach gehen in die Hose, die von Renée Fleming oder Rolando Villazon zum Beispiel. Dieser aber nicht. Das Album ist von ähnlicher Grandiosität, Eleganz und Direktheit wie Juan Diego Flórez' "Sentimiento Latino". Große Leidenschaft, großer Spaß, großes Kino.
Exzellent auch die knappe, aber prägnante Begleitung, der Klang ... und jetzt auch das Preis-Leistungsverhältnis: Die CD ist schon im Jahr seines Erscheinens auf den Grabbeltischen der Elektronikketten gelandet. Das kann man den wenig wohlmeinenden Vertretern der Fachpresse aber nicht anlasten. (Oder doch?)
Anspieltipp: "Gracias a la Vida" - kurz, kraftvoll, packend.
Ein überragendes Album!