Auf dem Klappentext werden harte Geschütze aufgefahren: Clockwork Orange, Trainspotting und Fightclub werden als Vergleich herangezogen, so das der geneigte Leser gleich weiß, in welche Richtung die Reise geht. An solchen Meilensteinen gemessen, kann ein Buch eigentlich nur scheitern, denn die Klasse der großen Vorbilder wird leider nicht erreicht. Trotzdem ist Rohypnol kein schlechtes Buch, es ist gut geschrieben und kommt etwas realistischer als oben genannte Werke. Aus dem Nachwort des Autors geht auch hervor, dass er mit diesem Buch nicht einfach nur schocken und polarisieren wollte, sondern in der Verrohung und allgemeinen Gewaltbereitschaft einer Jugend ohne Ziele, eine ersthafte gesellschaftliche Bedrohung sieht. Die Taten, welche die Vergewaltigertruppe rund um den namenlosen Protagonisten begehen, konnte man in der Realität ja auch durchaus schon mal in der Zeitung nachlesen.
Geschrieben ist das Buch sehr gut, man kann es in einem Rutsch durchlesen und fühlt sich gut unterhalten, es geht aber leider bei weitem nicht so unter die Haut wie Clockwork Orange oder gar American Psycho.
Wer mit den oben genannten Büchern etwas anfangen kann und dieses Werk nicht unbedingt mit den Vorbildern messen möchte, kann eigentlich bedenkenlos zugreifen. Die teilweise sehr schlechten Kritiken hier kann ich jedenfalls nicht nachvollziehen. Wenn es möglich wäre, würde ich 3 1/2 Sterne geben, runden wir mal auf...