Der Mensch war einst Sammler und Jäger und damit "Allesfresser", der Hund bzw. sein Ahne, der Wolf, dagegen nur Jäger. Der Wolf/Hund lebte wohl ausschließlich vom rohen Fleisch der Beutetiere. Getreide, ein relativ junges Nahrungsmittel (kultiviert seit etwa 5000 Jahren), spielte auf dem Speisezettel von Mensch und Hund ursprünglich keine Rolle. Es gibt sogar Meinungen, die behaupten, daß selbst der Mensch für Getreide nur schlecht adaptiert (angepaßt) ist. Deshalb sind die Ausführungen der Autorin hinsichtlich einer Getreidenahrung für Hunde recht zutreffend. Und bevor der Mensch das Feuer zu nutzen verstand, gab es auch auf seinem Speisezettel ausschließlich Rohkost.
Immerhin hat die Autorin offenbar nach vielen nahezu wissenschaftlichen Industriefutter-Recherchen und Irrwegen doch noch erkannt, daß ein Hund einen speziell auf Fleischverzehr ausgerichteten Magen hat. Fleisch ist im industriellen Fertigfutter jedoch oft nur in Spuren enthalten. Da die Autorin selbst Vegetarierin ist, "traktiert" sie ihren Hund nun ebenfalls mit vorwiegend rohem Gemüse und Obst (70%, meist aus Abfällen). Bei Frauen beobachte ich diese Eigenart recht oft: wenn sie zu einer Überzeugung gelangt sind, vertreten sie diese geradezu mit missionarischen Eifer.
Oft haben Hunde ja noch, im Gegensatz zu uns Menschen, einen relativ gut ausgeprägten Instinkt. Der sagt ihnen, welche Nahrung zusagt (und bekommt) und welche nicht. Z.B. verwendeten alle Hunde, die wir bislang hatten, Gras als Brechmittel. Erstaunlicherweise verfährt die Autorin mit ihrem Parson Russell Terrier so, wie sie es bei der Hundefutter-Industrie mit Recht kritisiert: Nahrungsmittelabfälle, bei Frau Böhm die Obst- und Gemüsereste, die ihr Hund ablehnt, "jagt" sie zusammen mit Fleisch, Fischöl oder anderen dem Hund wohlschmeckenden Sachen durch den Mixer, damit diese von ihm ungeliebten Sachen doch noch akzetiert und die pflanzlichen (vegetarischen) Anteile überhaupt erst verdaulich werden, weil sie überwiegend ungekocht sind.
Hat denn Frau Böhm noch nie beobachtet, wie gierig ein Hund zulangt, wenn ihm rohe Fleischstückchen gereicht werden? Da kann er nach meiner Erfahrung nie genug bekommen. Zwar knabbert einer unserer Hunde auch schon mal an einer rohen Möhre, ein anderer lieber an einem Stück Kohlrabi und der dritte verspeist gelegentlich fast eine ganze Banane. Das aber nur, wenn es nichts besseres (sprich Fleisch) gibt. Rohes Fleisch (Mischung mit Pansen etc.) vom Schlachthof, ein wenig gekochter Vollkorn-Reis, etwas feingeriebene rohe Möhre und gekochte möglichst salzfreie Essensreste von uns Menschen halten unsere Terrier, die sowieso über eine arteigene robuste Gesundheit verfügen, gesund. Hinzu kommen gelegentliche Leckerli, wie ein rohes Ei, ein paar der von unseren Hunden heißgeliebten gekochten Nudeln mit etwas Olivenöl, getrockneter grüner Pansen, getrocknete Rinderohren oder Kauknochen aus Büffelhaut.
Das Buch von Frau Böhm liest sich recht flüssig, sieht man mal von gelegentlichen "fachchinesischen" Ausrutschern ab, wie z.B. die "laktierende Hündin" (Milchabsonderung für säugende Welpen), oder auch den im Buch enthaltene Beitrag von Dr. Monika Linek (Diplomate of the European College of Veterinary Dermatology) über Futtermittelallergien und Futtermittelintoleranzen. Und der beginnt so: "Zunächst ist es wichtig zu verstehen, was unter den Begriffen Futtermittelunverträglichkeiten und Futtermittelallergien zu verstehen ist. ..." Auch nach mehrmaligem Lesen verstand ich immer noch ziemlich viel "Bahnhof".
Gelesene Bücher des Cadmos-Verlages haben mir auch ausstattungsmäßig immer recht gut gefallen. Wenn das Buch von Silke Böhm weniger "ideologiebehaftet", d.h. ohne die vegetarische Hunde-Rohkost, geschrieben wäre, würde es auch dazugehören.