Vorab möchte ich anmerken, dass in dieser Rezension und der Bewertung ein großer Sarah-MacLean-Autoren-Bonus eingefloßen ist und ich den gesamten Roman ansonsten sicherlich etwas schlechter bewertet hätte und zwar statt "gut bis sehr gut" nur als "guter Durchschnitt". Desweiteren hat die Geschichte abseits vom Autoren-Bonus noch einen weiteren Stein im Brett: Ich liebe einfach Liebesgeschichten, in denen sich die Protagonisten schon aus ihrer Kindheit kennen, mit derartigen Plots kann man mich eigentlich immer begeistern, wenn sie denn einigermaßen gut gemacht sind (wie u.A. bei "Wicked All Day") und das war hier der Fall, richtig schlecht ist "A Rogue By Any Other Name" nämlich nicht. Ich finde es einfach total romantisch und süß, wenn sich zwei Kindheitsfreunde verlieben oder unglücklich verliebt sind und sich dann doch noch bekommen und hier habe ich es Penelope und Bourne wirklich gegönnt, die beiden sind ein sehr süßes Pärchen. :D
Die Handlung ist nicht sehr innovativ, die Ideen sind altbekannt, aber zu einer an sich recht schönen Geschichte verflochten, die sich gut lesen lässt, mich aber nicht in Euphorie ausbrechen ließ. Insgesamt muss ich sagen, dass ich die Handlung leider etwas langatmig fand, besonders der Mittelteil und das Ende hätten meiner Meinung etwas gekürzt sein können bzw. müssen, denn für mich passierte dort einfach zu wenig relevantes, was die Geschichte vorangebracht hätte, sodass "A Rogue By Any Other Name" doch etwas vor sich hingeplätscherte. Vielleicht kam mir dies aber auch nur so vor, da der Beginn der Geschichte wirklich richtig gut gelungen ist, er ist spannend, fesselnd, auch witzig und hat Lust auf mehr gemacht, dem Vergleich konnte der restliche Roman einfach nicht standhalten. ;-)
Zudem hätte ich mir manchmal wirklich gewünscht, dass Bourne und Penny mehr miteinander reden würden, anstatt aneinander vorbei oder halt gar nicht. Okay, bei ihm wäre es vielleicht vergebene Mühe gewesen, aber es hätte wenigstens etwas mehr Abwechslung in die Geschichte gebracht. Wer also keine unnötigen Missverständnisse mag, wird mit "A Rogue By Any Other Name" nicht in Freudenstürme ausbrechen.
Überrascht hat mich, dass die Geschichte weniger erotisch ist als ich von Sarah MacLean erwartet hatte, besonders "Nine Rules To Break" war ja teilweise ziemlich heiß, etwas ähnliches hatte ich zu Beginn auch von "A Rogue By Any Other Name" auch erwartet, war am Ende aber nicht wirklich enttäuscht als sich dies als Trugschluss herausgestellt hat. Mehr Sex, hätte die Geschichte sicherlich nicht besser gemacht, im Gegenteil, mir persönlich hätte sie dann deutlich schlechter gefallen.
Die Charaktere fand ich sehr sympathisch und gut gelungen, besonders Chase und Cross, zwei Partner von Bourne, fand ich sehr interessant, auch wenn man wenig über sie erfahren hat. Temple, der vierte Partner des Fallen Angels hat mich dagegen wenig interessiert, allerdings werden wohl alle vier einen eigenen Roman bekommen, davon gehe ich zumindest gegenwärtig aus, ich bin schon sehr gespannt was Sarah MacLean aus den restlichen Dreien macht. :-)
Auch wenn mir Penny an sich sehr sympathisch war, aber ich fand es schade, dass sie so perfekt war, sie denkt immer nur an andere und nicht an sich selbst. Sie mag vielleicht nicht die typische Schönheit sein, aber Bourne findet sie natürlich trotzdem wunderschön, wie sollte es auch anders sein. Interessanterweise hat es mich aber gar nicht so sehr genervt, dass Penny so perfekt war, sondern einfach nur die Tatsache, dass Bourne und Penny die ganze Zeit gedacht haben: "Ich bin nicht gut genug für ihn/sie!" Und das geht dauernd hin und her. "Ich bin zu schlecht für dich!" "Nein, das stimmt nicht, du bist zu gut für mich!" und so weiter und so fort, ehrlich gesagt haben mich die ganzen Wiederholungen mit der Zeit ziemlich gestört, dass hätte wirklich nicht sein müssen!
Außerdem hätte ich mir an der ein oder anderen Stelle mehr Erklärungen für Bournes Verhalten in der Vergangenheit gewünscht, denn mehr als nur einmal habe ich mir gedacht "Wieso um Himmels Willen hast du es denn dann nicht gemacht!? Was war dein Problem!?". Irgendwie wurde das ganze immer nur so halb angesprochen und für mich nicht richtig geklärt.
Penelopes Mutter erinnerte mich irgendwie an Mrs. Bennet (aus "Stolz und Vorurteil"), weshalb ich sehr froh war, dass sie so wenig Auftritte hatte, denn ich fand sie ebenso wie Mrs. Bennet ziemlich nervig. :-D Diese Art von ihr hat mich am Anfang von "A Rogue By Any Other Name" insgesamt an "Stolz und Vorurteil" denken lassen, die Thematik, der Humor von Penny, alles erinnerte mich sofort an einen meiner Lieblingsromane, was ich allerdings sehr schön fand und nicht störend. Störend war hingegen Olivia, Pennys jüngste Schwester, sie war einfach nur egoistisch, nervig und dumm, ich hoffe inständig, dass sie in diesem "Zustand" kein eigenes Buch bekommt, ich glaube aber, dass sie am Ende bei einem der Fallen Angel Partner endet, leider.
Interessant fand ich die Tatsache, dass die Geschichte 8 Jahre nach "Eleven Scandals To Win A Duke's Heart" spielt, also dem letzten Teil der "Love By Numbers" - Reihe. Denn Penelope ist die ehemalige Verlobte vom Duke of Leighton aus eben jenem Band. Ich konnte mich tatsächlich gar nicht mehr an sie erinnern, erst viel später viel mir ein, dass es in diesem Band noch eine Verlobte gab. Simon und Juliana haben leider keinen Auftritt in "A Rogue By Any Other Name", ihre glückliche Ehe etc. , ebenso wie die aufgelöste Verlobung werden aber häufiger erwähnt.
Auch wenn ich von "A Rogue By Any Other Name" etwas enttäuscht war, hat mir der Epilog Lust auf die Fortsetzung "One Good Earl Deserves A Lover" gemacht, auf die ich schon sehr gespannt bin! Es wird übrigens um Cross und einen anderen Charakter aus "A Rogue By Any Other Name" gehen.
Fazit:
Auch wenn ich etwas enttäuscht war, ist "A Rogue By Any Other Name" immer noch ein solider, unterhalsamer und lesenswerter Historical, im Vergleich zu den ganzen Nieten im Historical-Bereich umso mehr! ;-) Allerdings darf man kein Meisterwerk erwarten oder gar eine originelle und außergewöhnliche Handlung, zu schnell sollte man sich aber auch nicht abschrecken lassen, es gibt sehr viele deutlich schlechtere Historicals auf dem Markt.