Opern zu bewerten kommt mir eigentlich nicht zu. Da ich aber ein großer Verehrer des Lebenswerkes von Roger Waters bin, war das ein Pflichtkauf. Und seine Handschrift erkennt man glücklicherweise überdeutlich. Die Chöre sind gigantisch, die Kompositionen erlesen, und Waters'berühmte Klangeffekte wohltuend vertraut. ABER als Hörer mit bisher sehr wenig Opernkontakt leide ich schon darunter, daß jede harmonische oder strukturierte Passage in jeder einzelnen Sekunde von der Klassikattitüde erschlagen werden kann. Knapp 2 Stunden warte ich verzweifelt und natürlich vergeblich auf eine einzige verdammte Gitarre, die doch bitte erklingen möge. Und so oft ich mich in Nuancen an "The Wall" oder "The final cut" erinnert fühle, kommt garantiert diese zweifellos begnadet singende chinesische Sopranistin, und walzt alles platt. Nun, daß ich mit Operngesang nicht viel anfangen kann, ist natürlich mein Problem. Und da ich schon erkenne, daß ich hier große Kunst in Händen halte, bin ich auch motiviert, in dieses Werk noch stärker einzudringen, und an mir zu arbeiten, auf daß mich der überspringende Funke belohne. Ganz soweit ist es aber noch nicht. Die Aufmachung ist übrigens toll. Ein sehr aufwendiges Begleitbuch führt zielsicher durch den Stoff, der sich mit der französischen Revolution befaßt, und die DVD ist eine schöne Zugabe. Aber trotz allem Wohlwollen, und aller Bemühungen meinerseits, erwarte ich doch, daß Roger Waters sich nun endlich wieder selbst in ein Tonstudio begeben möge, um das zu tun, was wir eigentlich von ihm erwarten. Kaufen sollte, und deshalb hab ich diese Zeilen eigentlich nur geschrieben, der geneigte Waters-Freund dieses Werk auf jeden Fall. Die Auseinandersetzung ist leerreich und interessant. Ob der Funke aber völlig überspringt, vermag ich noch nicht zu sagen.