Zuerst eine Bewertung für alle, die nicht gerne viel lesen:
Kaufen!! Eine absolute Kaufempfehlung für jeden, der nur entfernt etwas mit Instrumentalmusik am Hut hat oder weiß, wie man Akustikgitarre buchstabiert.
Für mich das beste Album des Jahres, komme da was noch will, wenn nicht gar ein Meilenstein der Musikgeschichte.
Zum ausführlichen Teil:
Ich persönlich stehe auf Musik, die mich mitreißen kann, bin zwar von Haus aus Rocker, aber auch "Latinesken" Einflüssen nicht abgeneigt. Da ich darüber hinaus auch noch selbst Gitarre spiele, war dieses Album natürlich ein Muss für mich.
Dass es gut ist, wusste ich. Dass es mich so vom Hocker hauen wird, nicht. Doch eins nach dem anderen:
Das Album beginnt mit dem Lied "Tamacun", ein genialer Einstieg, der sofort Lust auf mehr macht und in dem sich, entgegen aller Beteuerungen der Künstler, die Herkunft der beiden nicht verleugnen lässt. Mexikanische Melodielinien machen die Hüfte locker und schüren das Interesse.
Sofort fällt einem auch das Hauptmerkmal des Albums ins Auge/Ohr, was man sich im Laufe des Albums immer wieder vor Augen führen muss: Das gesamte Album ist mit Ausnahme von zwei Liedern ausschließlich mit zwei Gitarren aufgenommen worden. Offenes Staunen ist angebracht, denn was hier an Atmosphäre erschaffen wird, ist einzigartig.
Auch die nächsten Lieder sind vom gleichen Schlag, so glänzen vor allem "Vikingman" und "Satori" mit wunderschönen Melodien und auch die von den Künstlern immer wieder erwähnten Metaleinflüsse sind zu erkennen.
Richtig offensichtlich werden diese aber erst bei "Ixtapa", meinem Lieblingslied, wenn ich denn eines auswählen müsste. Der wirklich herausragend schöne Mittelteil könnte auch von Metallica stammen und der Schussteil mit Geige ist einfach wunderbar geschmackvoll gelungen.
"Stairway To Heaven" ist wohl das Lied, für das man am ehesten von der Bühne gejagt wird, sollte man wagen es zu covern. Ganz anders hier. Die jazzige Version des Rockklassikers nimmt sich alle essentiellen Teile des trotz seiner Schönheit doch ziemlich heruntergenudelten Stücks und macht sie zu etwas neuem, das nie imitiert und doch immer den Respekt zum Original bewahrt. Zwar haben Rodrigo & Gabriela dieses Stück nicht ursprünglich geschrieben, sondern haben es von einem Jazzgitaristen gecovert. Doch das schmälert die hier hörbare Version in keiner Weise.
In "Orion" wird den Vorbildern von Metallica eindrucksvoll die Ehre erwiesen, denn diese Coverversion hat es in sich und ist mindestens so gut wie das Original.
In "Juan Loco" wird noch einmal schwer das Tempo angezogen und dieser Song dürfte jeden, der sich mit dem Album selbst auf der Gitarre befassen möchte, vor größere Herausforderungen stellen (ich habe es erlebt). Und allerspätestens hier manifestiert sich der Eindruck, dass man bei dieser Musik einfach nur genießen kann, denn zum nachmachen eignet sich dieses Album nur bedingt. Natürlich ist es möglich, die Lieder in ähnlicher Geschwindigkeit nach zu spielen. Doch meiner Meinung nach verdirbt man sich nur die Freude an diesen wirklich tollen Liedern, wenn man sie zu sehr zerpflückt.
In "PPA" findet sich ein würdiger Abschluss für ein herausragendes Album, der gegen Ende hin noch mal mächtig Gas gibt und dann aprupt aufhört.
Zwar sitzt man danach etwas verdutzt auf seinem Stuhl, weil dieses Album ein so hartes Ende nimmt. Das hält allerdings nicht sehr lange an, denn sofort wird wieder die Playtaste gedrückt, um noch einmal in diese Klangwelt eintauchen zu können.